Ich hatte erst nicht begriffen, dass der Nachfolger des wundervollen Islanders von 2019 nicht von den Berlinern bei Grizzly Games entwickelt wird. Aber nachdem die mit dem brillanten Thronefall längst zu neuen Ufern aufgebrochen sind, ist das nur verständlich. Schön, dass sich so ein talentiertes Team an neuen Ideen versucht. Mit Superflight, Islanders und Thronefall haben sie drei so grundverschiedene, aber gleichermaßen süchtigmachende Spiele produziert, dass ich mich auf jedes neue Experiment freue, das sie angehen.

Trotzdem bin ich froh, dass sie die IP an Coatsink veräußert haben, denn die haben mit den Machern von Steamworld Build ganz offensichtlich ein fantastisches neues Zuhause für Islanders gefunden. In einer Zeit voller Unsicherheiten und schlechten Nachrichten leistet New Shores mit seinem entspannten, hypnotisierenden Ansatz einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zum Seelenfrieden. Das neue Islanders führt konsequent weiter, was am ersten Teil so liebenswert war: Entschleunigtes Aufbauen mit großem Ästhetikbewusstsein, das man endlos wieder spielen kann.

Reif für die Insel

Islanders: New Shores ist zwar ein Aufbauspiel, aber “Simulation” würde man wohl nicht dazu sagen. Es hat keinerlei Tech-Trees, will keine wirtschaftlichen oder logistischen Überlegungen von euch hören. Stattdessen bekommt ihr einfach nur anregend klimpernde Münzen, wann immer ihr ein Gebäude günstig platziert. Habt ihr einen gewissen Wert überschritten, was immer recht schnell geht, dürft ihr aus zwei Alternativen das nächste “Gebäudepaket” wählen, das wieder aus einer Handvoll thematisch sortierter Anlagen besteht. So geht das in schneller Folge immer weiter.

Mit Plattformen schafft ihr Platz, wo eigentlich keiner mehr ist.

Algenfarm, Ziegelei, Brauerei, Wohngebäude, Fischer, Schamanen und Plattformen, die knappes Gelände erweitern – nie weiß man, was als Nächstes kommt. Sich ohne großen Druck mit dem zu arrangieren, was halt da ist, brachte mir in den vergangenen Stunden eine innere Gelassenheit bei, die nicht viele Spiele so lässig aus dem Ärmel schütteln. Und weil bei der Platzierung der Gebäude genug Faktoren zu berücksichtigen sind – wovon profitieren bestimmte Gebäude, worunter leiden sie? – wird das auf diesen wundervollen Inseln, die im neuen Spiel in sechs Biomen und vier Farbvarianten herkommen, auch nie langweilig.

Ihr baut auf jeder Insel so lange, bis ihr die gefragten Punkte erreicht habt – dann zieht ihr zum nächsten Eiland weiter – oder ihr keine Gebäude mehr zum Platzieren habt, woraufhin das Spiel vorbei ist. Zauberhaft ist auch, wie immer ein wenig Wehmut mitschwingt, wenn man einer seiner liebevoll gestalteten Inselsiedlungen auf Nimmerwiedersehen den Rücken kehren muss, um im Spiel voranzuschreiten. Islanders ist vor allem eine Reise.

Ade! Hallo!

Kenner des ersten Teils freuen sich neben neuen Biomen über frische Mechaniken in Bezug auf bestimmte neue Gebäude. Etwa wenn man einen Leuchtturm für bestmögliche Punkteausbeute mit möglichst freier Rundumsicht platzieren muss oder Leuchtfeuer mit Sichtlinie zu Stadtzentren extraviele Taler ausschütten. Erreicht ihr gewisse Meilensteine schaltet ihr unterdessen die neuen Vorteile frei, das sind einmalige Verbesserungen, die man in der Hinterhand hält und dann quasi als Joker ziehen kann. Da gib es eine Menge unterschiedliches Zeugs, zum Beispiel die Möglichkeit, ein Gebäude, das nicht an den vorgesehenen Ort passt, um 20 Prozent zu verkleinern, seinen Wirkradius zu vergrößern oder Punktabzüge zu negieren.

Selbst eurer liebsten Kreation müsst ihr irgendwann auf Wiedersehen sagen. Ich mag, wie sich das hier anfühlt.

Es ist der wohl entspannteste Highscore-Modus überhaupt, was sich allein schon darin äußert, dass man sich fast darauf freut, wenn einem das Spiel die Game-Over-Tafel zeigt. Denn das bedeutet, dass man es noch einmal, noch etwas besser und schöner machen darf. Schade fand ich, dass man im neuen Fotomodus immer prinzipiell aus derselben erhöhten Perspektive auf seine Schöpfung blickt, anstatt die Kamera auch in der Vertikalen etwas kippen zu dürfen. Das beeinträchtigt in meinen Augen auch den Kreativmodus, der mit frei drehbarer Kamera vielleicht ein paar schöne Desktophintergründe ergeben könnte. Denn Islanders New Shores wohnt in seiner Reduktion eine relaxte Schönheit inne.

Egal, insgesamt ist Entwickler The Station ein entspannter und entspannender Aufbau-Trip gelungen, der die Wehen der Welt zumindest phasenweise gekonnt vergessen macht.