Glen Schofield im Ruhestand: Der Dead-Space-Macher hinterlässt eine riesige Lücke
Ihr seid vor allem wegen Dead Space hier, oder? Tatsächlich hat gerade das allerdings wenig damit zu tun, dass ich Glen Schofield beziehungsweise seine Arbeit so schätze. Auch Call of Duty oder eins seiner anderen Spiele sind es nicht. (Wusstet ihr zum Beispiel, dass Schofield an Gex 3D, dem vierten Teil von Legacy of Kain oder dem James-Bond-Shooter From Russia With Love beteiligt war?)
Tatsächlich dachte ich eine Zeitlang sogar, dass ich mit Schofield partout nicht auf einer Wellenlänge liegen würde, da von ihm eine beinahe militärische Autorität ausgeht, um die ich normalerweise einen Bogen mache. Dazu das „strategic dismemberment“ in Dead Space – ich erinnere mich an ein Video, in dem er das begeistert vorgestellt hatte –, das eine Art Gewalt darstellt, von der ich mich noch viel weiter fernhalte.
Wer ist Glen Schofield?
34 Jahre hat der Amerikaner in der Spieleindustrie gearbeitet. Er begann als Artist, um später in leitender Funktion teils namhafte Spiele auf den Markt zu bringen. Dabei war er Vizepräsident von Crystal Dynamics sowie General Manager bei Visceral Games, bevor er gemeinsam mit Michael Condrey Sledgehammer Games gründete und 2019 mit Striking Distance schließlich sein eigenes Studio eröffnete. Am 15. Juli 2026 gab Schofield auf LinkedIn seinen Rückzug aus der täglichen Arbeit in der Spieleindustrie bekannt.
Doch dann habe ich irgendwann festgestellt, dass Schofield nicht nur Spielestudios gegründet und von zentraler Stelle aus die Entwicklung weltbekannter Titel geleitet hat (denn nicht nur ein Game Director tut das!). Im Herzen ist er auch und vielleicht sogar noch mehr: Artdesigner. Und zwar einer, der ein paar verdammt coole Kreaturen, Gesichter und viel anderes gezeichnet hat.
Schaut euch auf seinem Instagram-Account mal um. Der Mann kann zeichnen sowie malen, und zwar weder schlecht noch wenig. Tatsächlich hat er mir in einem Interview auf der gamescom, kurz bevor mit The Callisto Protocol sein letztes Spiel erschien, erzählt: „Mir sind die Leute ausgegangen!“ Womit er die Personen meint, die er porträtierte. Warum er es dabei so eilig hatte, weiß ich nicht. Auf jeden Fall sagte er im selben Interview anno 2022: „In den letzten zehn Jahren habe ich mir beigebracht, mit zwei Händen zu zeichnen.“
Ich mochte das "strategic dismemberment" überhaupt nicht. Unabhängig davon zählt Dead Space aber zu den Klassikern im Horrorgenre (Dead Space Remake).Dabei wusste er mit sieben, acht Jahren schon, dass er Künstler werden wollte. Mit zehn oder elf hat er sich politische Cartoons als Vorbild genommen und sein Umfeld ins Grübeln gebracht: „Du bist gerade mal elf! Woher weißt du, wer das ist?“ Da ging es um Gaddafi, Arafat und ähnlich namhafte Persönlichkeiten.
Später nahm er sich dann Illustratoren wie Norman Rockwell zum Vorbild, lernte neben dem Zeichnen auch das Malen, bevor er schließlich in der Spielebranche landete und unter anderem für Capcom an einem nie veröffentlichten Titel namens Werewolf: The Apocalypse arbeiten durfte.
Schofields Job ist eure Kindheit
Und jetzt kommt was für die Älteren unter euch. Wisst ihr, woran Schofield ebenfalls maßgeblich beteiligt war? Denkt nicht an Videospiele. Denkt an die Zeit, die ihr nach der Schule vor dem Fernseher verbracht habt. Glen Schofield hat nämlich an 65 Folgen der Galaxy Rangers gearbeitet – zunächst als Artist, bevor er später auch Regie beim Erstellen von Storyboards führte. „Da habe ich gelernt, wo man eine Kamera platzieren sollte“, erinnerte er sich.
Sein ganzes Leben lang hat Schofield also gezeichnet beziehungsweise gemalt, wurde irgendwann Artist und Art Director für Videospiele, später Game Director, Produzent und schließlich alleiniger Chef seines eigenen Studios, mit dem er The Callisto Protocol erschuf.
Schofield liebt Horror. Auf seine Empfehlung habe ich mir Martyrs angesehen, der daruafhin auch bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Schaut ihn euch aber nur an, wenn ihr mit ein paar der härteren Seiten des Genres vertraut seid! (The Callisto Protocol)Nur zahlte er dafür einen Preis, der ihm zu schaffen machte: Er fand keine Zeit mehr zum Malen. Denn nachdem er in der Vergangenheit, als geschäftsführender Partner, lediglich kreativ verantwortlich gewesen war, musste er als alleiniger CEO des neuen Studios auch die gesamte wirtschaftliche Verantwortung tragen. Da hing nicht nur der Umgang mit seinen Kollegen beziehungsweise Angestellten dran. Da ging es auch um schwierige, das Budget betreffende Entscheidungen, einschließlich Verhandlungen mit dem Publisher. Und das verschlang viel Kraft und Zeit.
„Ich konnte nichts anderes mehr tun. Ich musste mich voll auf das Spiel konzentrieren“, beschrieb er seine Situation, als unser Interview in dem kleinen weißen gamescom-Kabuff schon Überlänge hatte, um dann hinzuzufügen: „Mein ganzes Leben habe ich von Künstlern gehört, die an einer Künstlerblockade leiden, und dachte mir so: Ja, klar... [winkt lachend ab].“ Bis er plötzlich verstand, wie sich das anfühlt.
Einem kleinen Licht geht ein Licht auf
Ich war mir dessen eigentlich bewusst. Aber was Glen Schofield angeht, brauchte es erst dieses Interview, bis ich verstand, dass ein Mensch mit solch einer Verantwortung natürlich auf verschiedene Weise auftreten kann – dass Schofields selbstbewusste Art aber sicherlich auch mit den Aufgaben zu tun hat, die er seit seinen Tagen bei den Galaxy Rangers stets übernommen hat.
Ich bin dadurch nicht zum größten Fan seiner Spiele geworden. Nur ändert das nichts daran, dass jetzt, wo er seinen Rückzug aus der Spielebranche öffentlich gemacht hat, ein Kreativkopf geht, der große Energie in etwas investiert hat, das unser Hobby für Millionen von Spielern besser gemacht hat; ereignisreicher und künstlerisch wertvoller. Sein kreatives Schaffen wird den Videospielen fehlen.
Und vielleicht hat es ja mit diesen letzten Jahren zu tun, als er ganz alleine an der Spitze eines Studios stand und dafür etwas aufgeben musste, was ihn von Kindesbeinen begleitet hatte, dass er sich kurz nach der Veröffentlichung seines letzten Spiels aus dem Studio zurückgezogen hat.
Er hat sich seitdem für eine bessere Unterstützung der Entwickler seitens ihrer Geldgeber ausgesprochen, hat seine Tochter beim Entwickeln eigener Prototypen unterstützt – und das Beste aber: Er geht wieder auf die Straße, um dort zu zeichnen. Schaut euch ein paar der aktuellen Videos auf Instagram an, wo er auch zeigt, dass er das heute noch mitunter zweihändig tut.
Ich wünsche ihm jedenfalls, dass er seinen Ruhestand (was immer es letztlich heißt, dass er sich „aus dem täglichen Geschäft“ zurückzieht) so genießen kann, wie er sich seinen Alltag vorstellt: indem er die Welt um ihn herum schneller zeichnet, als er neue Motive findet.









