Ein interaktiver Horrorfilm mit Zeitschleifen-Plot, handgemachten Splatter-Effekten und B-Movie-Flair. Spielerisch simpel, aber trashig-charmant für Fans von 80er-Schlock.

Die 90er waren die kurze Glanzzeit der Full-Motion-Video-Spiele. Night Trap, The 7th Guest oder Phantasmagoria lockten mit digitalisiertem Realfilm und weckten die Hoffnung auf eine cineastische Zukunft des Mediums. Doch hinter der glänzenden Fassade verbarg sich wenig Substanz: eingeschränkte Interaktivität, technische Grenzen und manchmal auch eine Portion unfreiwilliger Komik. So schrumpfte die vermeintliche Revolution bald zur bloßen Fußnote im Archiv der Gaming-Kuriositäten.

Jahre später erlebte das Genre eine kleine Wiederauferstehung – Indie-Hits wie Her Story oder Telling Lies setzten neue Akzente, während Nischenwerke wie The Bunker oder Bloodshore vor allem mit ihrem trashigen B-Movie-Charme punkteten. Dead Reset reiht sich genau hier ein – und wie schon The Bunker oder Bloodshore stammt auch dieses Spiel von Wales Interactive. Entsprechend waren meine Erwartungen gedämpft, zumal sich die Interaktivität auf simple Entscheidungen an festgelegten Punkten beschränkt. Mehr als ein eng geschnürtes Korsett an Antwortmöglichkeiten ist gameplaytechnisch nicht drin.

Diese Situation hätte ins Auge gehen können. (Hahaha, ein cooler Wortwitz)

Doch der Film-Teil trägt: Ein netter Zeitschleifen-Plot paart sich mit Creature-Feature-Ästhetik, die direkt aus den VHS-Regalen der 80er stammen könnte. Wer Mutant – Das Grauen aus dem All oder Nightbeast im Herzen trägt, fühlt sich sofort heimisch. Und genau dieser pulpige Vibe macht schnell vergessen, dass sich unter der Haube nur wenig Spiel versteckt.

Täglich grüßt das Monstertier

Cole erwacht in einer geheimnisvollen Einrichtung – ohne jede Erinnerung daran, wer er ist oder wie er hierher kam. Mit vorgehaltener Waffe zwingt man ihn, eine Frau zu operieren, in deren Bauchhöhle sich offenbar ein Parasit eingenistet hat. Doch der Eingriff gerät außer Kontrolle: Das Wesen bricht aus, richtet ein Blutbad an, Cole stirbt – und plötzlich beginnt alles von vorn.

Die darstellerischen Leistungen sind echt besser als erwartet.

Er begreift, dass er in einer Zeitschleife gefangen ist. Von nun an sucht er nach Antworten – und gleichzeitig nach einem Weg, am Leben zu bleiben, während ein Monster durch die Gänge streift und die übrige Crew ihn für ihre Zwecke einspannen will.

Mehr zur Story verrate ich nicht – sie ist ja der Hauptgrund, bei diesem interaktiven Film dranzubleiben. Nur so viel: Damit Coles Tode nicht jedes Mal einen kompletten Neustart bedeuten, haben die Entwickler einen cleveren Kniff eingebaut. Der beschädigte Reaktor der Einrichtung erzeugt regelmäßig Spannungsspitzen, und jedes Mal, wenn das passiert, verschiebt sich Coles Respawn-Punkt. Stirbt er, kehrt er genau an diesem letzten Peak zurück.

Überzeugender Trash

Dead Reset fühlt sich an, als würde man cheesy 80er-Schlock schauen – ein billiges Horror-Mystery-B-Movie ganz im Geiste einer Roger-Corman-Produktion. Der Unterschied: Hier sitzt man nicht nur passiv vor dem Bildschirm, sondern muss Entscheidungen treffen, um den Hauptdarsteller am Leben zu halten. Manche Wahlmöglichkeiten beeinflussen zudem den Verlauf der Geschichte und damit auch das Schicksal der übrigen Figuren.

Surgeon Simulator FMV-Edition.

Was Dead Reset seinen besonderen Charme verleiht, ist die handgemachte Ästhetik: Practical Effects mit hohem Gore-Faktor, die genau den richtigen Retro-Vibe treffen. Das Monster wirkt zwar nie realistisch, fügt sich aber perfekt in ein Set, das aussieht, als wäre es aus Baumarkt-Material und Schrottplatzfunden improvisiert.

Auch die Schauspieler bringen erstaunlich viel Glaubwürdigkeit mit – zumindest in den meisten Szenen. Doch gerade die unfreiwillig komischen Momente verstärken den VHS-Vibe, als würde man spätabends auf Tele 5 über einen vergessenen B-Movie stolpern. Eine deutsche Sprachausgabe sucht man aber vergeblich – verfügbar sind lediglich englische Stimmen mit deutschen Untertiteln.

Alien: Earth hat rund 250 Millionen mehr gekostet – und trotzdem hatte ich mit Dead Reset deutlich mehr Spaß.

Solider Umfang

Laut In-Game-Statistik habe ich bislang eines der vier möglichen Enden und knapp die Hälfte der 339 enthaltenen Szenen gesehen. Mein erster Durchgang dauerte etwa zwei Stunden. Besonders gefallen hat mir neben den bereits genannten Pluspunkten die nahtlose Präsentation: keine Unterbrechungen, keine Ladepausen – jede Entscheidung geht direkt in die nächste Szene über, sodass es wirkt, als sähe man einen Film aus einem Guss.

Umso mehr freue ich mich, Coles Entscheidungen im nächsten Durchlauf in neue Richtungen zu lenken. Und 13 € sind ein fairer Preis für ein Stück Trash-Kino zum Mitspielen – inklusive all seiner liebenswerten Macken.