Game Two geht – und mit der Sendung verschwindet DAS Gaming-Format im deutschen Fernsehen. Im Juli ist Schluss. Die offizielle Begründung: ZDFneo möchte sich im Rahmen einer inhaltlichen Neuausrichtung verstärkt auf fiktionale Inhalte und breit angelegte Showformate für ein junges Publikum konzentrieren.

Doch was sagt das über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus? Über die Games-Branche selbst – und über uns als Publikum?

Im Interview spricht Etienne Gardé mit Ahmet Iscitürk über das Aus, die digitale Entkopplung von Gaming-Kultur und darüber, warum es gerade jetzt wichtig wäre, Formate wie Game Two nicht kampflos aufzugeben.

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Eurogamer: Im Juli läuft die letzte Game Two-Folge. Wie fühlt sich das an – eher wie ein Abschluss oder wie ein Neuanfang?

Etienne Gardé: Es fühlt sich wie ein Abschluss an, da wir – Stand jetzt – noch keine neue Heimat für Game Two gefunden haben und dementsprechend erst mal von einem Ende ausgehen müssen. Trotzdem hoffen wir natürlich, dass sich ein Fenster öffnet, wenn die Tür im Juli geschlossen wird.

Eurogamer: Ihr wart eines der wenigen Gaming-Formate im deutschen Fernsehen. Was sagt das Aus eurer Sendung über den Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus?

Etienne: Es sagt nicht nur etwas über den ÖRR aus, sondern über so ziemlich alle Anbieter von TV-Content – dazu zähle ich auch Streaming-Dienste und das Privatfernsehen. Es ist schon erstaunlich, wie sich Plattformen wie YouTube und Twitch entwickelt haben, welche Relevanz Gaming-Inhalte bei einer breiten Masse haben – und wie wenig davon in klassischen deutschen Medien überhaupt vorkommt. Ich denke, da besteht noch immer eine Dissonanz zwischen Fernsehmachern und Entscheidungsträgern auf der einen Seite und dem Publikum auf der anderen.

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Eurogamer: Gibt es bereits Pläne, wie es mit Game Two weitergehen könnte – auf YouTube, in einem neuen Format oder auf ganz anderen Wegen?

Etienne: Wir befinden uns gerade in interessanten Gesprächen, so viel kann ich sagen. Aber noch ist nicht abzusehen, ob und wann weißer Rauch aufsteigt.

Eurogamer: Warum tut sich eigentlich das klassische Fernsehen so schwer mit Gaming, obwohl es längst Mainstream ist – wirtschaftlich größer als Kino und Musik zusammen?

Etienne: Nicht alles, was viel konsumiert wird, funktioniert automatisch als klassischer TV-Inhalt. Musikfernsehen ist ja auch verschwunden, obwohl heute eher mehr Musik gehört wird als früher. Game One und Game Two hatten über Jahre hinweg Bestand, weil sie eine einzigartige Mischung aus Gaming und Unterhaltung geboten haben. Eine große Herausforderung ist die Konkurrenz durch Streaming-Plattformen wie Twitch, die noch viel zielgerichteter für Gaming-Fans produzieren. Ich glaube, damit Gaming im klassischen Fernsehen funktioniert, braucht es redaktionelle Tiefe – so wie man das im Print kennt. Und man muss sich fragen: Was kann (lineares) Fernsehen besser als YouTube, Twitch oder TikTok?

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Eurogamer: Und was sind heute die größten Herausforderungen bei der Produktion einer Gaming-Sendung – redaktionell, technisch, wirtschaftlich?

Etienne: Die Anforderungen sind im TV enorm. Ich habe neulich ein Foto gesehen: Die Crew von Neo Ragazzi – ein Talkformat auf ZDFneo – bestand aus über 60 Leuten. An Game Two arbeiten etwa 25 Personen – und das schließt Social Media- und YouTube-Inhalte mit ein. So etwas lässt sich als Produktionsfirma eigentlich nur mit Hilfe von Sendern finanzieren, die auch eine gewisse Planbarkeit bieten können. Kurz gesagt: Fernsehen ist immer noch sehr teuer im Vergleich zu reinen Webproduktionen.

Eurogamer: Aber warum lässt sich ein Format wie Game Two nicht über YouTube-Werbeeinnahmen finanzieren? Braucht es neue Plattformmodelle?

Etienne: Es fällt einfach zu wenig von den Werbeeinnahmen ab – vor allem bei deutschsprachigem Content, der keine internationale Reichweite hat. Wir haben deshalb bei Rocket Beans TV oft vom „Säulen-Modell“ gesprochen: Ein Projekt muss auf mehreren Einnahmesäulen stehen, um tragfähig zu sein. Aber auch das hat Grenzen – denn Inhalte zu verkaufen, ist für redaktionelle Formate schwierig, obwohl da das meiste Geld liegt. Was ich schade finde: Aus der Gaming-Branche selbst kommt relativ wenig Unterstützung. Viele investieren lieber in Influencer-Marketing, das ihnen direkte inhaltliche Kontrolle bietet. Ein Format wie Game Two könnte darüber hinaus auch für Streaming-Plattformen interessant sein – als exklusiver Content etwa für ein Abo-Modell.

Eurogamer: Du machst seit Jahrzehnten Gaming-Content. Was motiviert dich – und was frustriert dich inzwischen an der Branche?

Etienne: Ich zocke, seit ich fünf Jahre alt bin – und ich werde auch noch im hohen Alter zocken. Das ist meine Leidenschaft, mein Hobby, mein Beruf. Solange Leute mir dabei zusehen wollen, mache ich weiter. Ich finde es spannend zu sehen, wie sich Gaming-Content weiterentwickelt. Seit drei Jahren streame ich auch auf Twitch – eine ganz andere Welt als klassisches TV oder YouTube. Was mich frustriert: Es fehlt oft an Wertschätzung und Support aus den eigenen Reihen. Formate wie GIGA GAMES, Game One oder Game Two haben viel für die Gaming-Kultur in Deutschland geleistet – aber vielleicht wird das erst klar, wenn sie ganz verschwunden sind. Ich verstehe aber auch, dass viele Kollegen durch undurchsichtige Budgetverteilungen in Konzernen eingeschränkt sind. Am Ende bekommen wir die Art von Entertainment, die wir verdienen.

Eurogamer: Ich bin selbst ein alter Sack und fühle mich im Games-Journalismus manchmal wie ein Fremdkörper. Stell dir vor, du bist 70 – würdest du dann noch mit gutem Gewissen ein neues Pokémon-Spiel anmoderieren?

Etienne: Ja, das fühle ich. Auf Twitch gehöre ich auch zu den „Boomern“. Wenn ich im Stream von Super-Nintendo-Spielen erzähle, schalten in der Regel auch nur Leute ein, die damit noch relaten können. Aber wir sind Pioniere. Wir sind die erste Generation, die alle Konsolen-Generationen erlebt hat und immer noch spielt. Unsere Reflexe sind vielleicht nicht mehr die besten, aber unser Wissen kann kaum jemand toppen. Ich habe kein Interesse, Inhalte für 15-Jährige zu machen. Aber ich weiß: Wenn ich das Dreamcast-Spiel "Seaman" im Stream erwähne, dann wissen "alte Säcke" genau, wovon ich spreche...

Eurogamer: Was wünschst du dir – von Sendern, Publikum und der Games-Branche –, damit Formate wie Game Two nicht aussterben?

Etienne: Supportet uns, supportet Game Two und die Crew dahinter. Es ist das letzte Gaming-Kleinod, bevor alles im TikTok-Rausch untergeht. Ich finde, das ist es wert, bewahrt zu werden. Gaming ist mehr als nur zocken.