Gut, an den grandiosen Minimalismus des Originals kommt Below the Crown natürlich nicht ran. Schach bleibt Schach bleibt nicht umsonst einmalig fokussiertes Gedankenfutter für die grauen Zellen. Aber vielleicht habt ihr ja davon gehört, dass selbst Magnus Carlsen ein Stück weit das Interesse an der klassischen Variante des Königsduells verloren hat und sich deshalb momentan an Freestyle Chess versucht, was den traditionellen Aufbau des Spiels aufbricht.

Und genau das tut auch Below the Crown; viel mehr sogar als Freestyle das tut. Denn zum einen sind seine Kästchenfelder Teil eines Roguelike-Dungeons, in das man herabsteigt, weil man dort auf Geheiß des Herrschers nach Gold suchen soll – was die dort ansässigen Kontrahenten freilich nicht umsonst herausrücken, weshalb sie der eigenen Armee aus Türmen, Läufern und Pferden ein ebenbürtiges Aufgebot entgegensetzen.

Schach mal anders. Der Turm zieht wie ein echter Turm, eingebettet ist das Ganze aber in ein Roguelike mit geheimnisvollem Fantasy-Flair.

Diese Duelle – und das ist die zweite große Eigenheit – verlaufen dann zwar nach den Regeln des Schach, da sich Türme nur waagerecht und senkrecht bewegen dürfen, während Läufer ausschließlich querfeldein ziehen und schlagen. Allerdings gilt gleichzeitig ein ganzer Katalog eigener Regeln, die auf dem Minimalismus des Originals ein abwechslungsreiches Fantasy-Abenteuer aufbauen.

So bestehen die Spielfelder nur selten aus acht mal acht großen Feldern und die erste Figur, die man der eigenen Gruppe hinzufügt, kann gleich einer Dame zwar in alle Richtungen schlagen, sich aber stets nur ein Feld weit bewegen. Hinzu kommen Zauber, mit denen man Gegner vereist oder in schwächere Figuren verwandelt. Außerdem liegen auf dem Spielfeld Goldtaler, die mit jeder Runde an Wert verlieren, sodass man nicht nur gegen den Kontrahenten, sondern auch gegen die Zeit taktiert.

In jeder Runde darf man übrigens eine Figur ziehen oder einen Zauber wirken und anschließend eine neue Figur aus dem Kartendeck (unten zu sehen) dort ins Spiel bringen, wohin der König diagonal, waagerecht oder senkrecht sehen kann (das zeigen die von ihm ausgehenden Linien an).

Klingt kompliziert? Ist es in keiner Form! Below the Crown dürfte sich auch Schach-Neulingen sofort erschließen und wird dann zumindest in den ersten Partien der beim Steam Next Fest erhältlichen Demo mit jeder Runde interessanter. Immerhin muss man sich mit jedem Gefecht auf neue Spielfelder sowie neue Konstellationen an Gegnern einstellen und auch die eigene Truppe muss man wie in einem Sammelkartenspiel erst – eine Figur pro Runde – auf den „Tisch“ bringen. Hinzu kommen Umgebungsgefahren, die Teile des Spielfelds blockieren.

Das ist euch trotz der stets überschaubaren Regeln zu komplex? Dann nutzt einfach den optionalen Vorschlag möglicher Züge oder lasst euch anzeigen, auf welchen Feldern Gefahren drohen. Ihr könnt den jeweils letzten Zug auch ein paarmal rückgängig machen. Ach, und man muss den König übrigens nicht Schachmatt setzen! Das ist selbstverständlich die beste Lösung, es reicht allerdings, alle gegnerischen Figuren zu schlagen oder schlicht zum jeweils klar markierten Ausgang zu „sprinten“. Nur in den Bosskämpfen eines Dungeons geht Letzteres nicht.

Dazu ein stylisches Artdesign im Stil alter Computergrafik, verschiedene Startbedingungen samt unterschiedlicher Königsfiguren, eine Reihe cleverer Finessen, die ich mir für einen Zeitpunkt nach der Veröffentlichung des Spiels aufhebe, sowie tägliche Herausforderungen und die Möglichkeit, abgeschlossene Levels als Herausforderungen für die Allgemeinheit hochzuladen.

Es gibt auch Shops, in denen man mit gesammeltem Geld passive Fähigkeiten kauft, sowie andere Möglichkeiten dessen, was man als für Roguelikes typische Charakterentwicklung kennt.

Und dann muss man nicht zuletzt immer wieder mal einen psychologischen Fragebogen ausfüllen, in dem man gefragt wird, wie es einem gerade geht, welche Figuren man besonders wertvoll findet und mehr. Was dahinter steckt? Keine Ahnung! Das könnte aber noch mal ein ganz anderes Licht auf die vordergründig erzählte Fantasy-Geschichte werfen.

Ich meine: Entwickler Misfits Attic hat immerhin das ebenfalls verdammt coole Duskers gemacht. Das hatte mit Schach nichts zu tun, war aber ein ähnlich einfallsreiches Taktik-Kleinod und hatte genau wie Below the Crown ein ganz eigenes Flair. Die Demo gibt es im Rahmen des Next Fest jetzt auf Steam. Erschienen soll das Spiel dann im kommenden Monat als Early-Access-Titel. Wusste ich zuvor gar nicht. Ist inzwischen aber fest auf meiner Wunschliste vermerkt.