The First Berserker: Khazan bietet die perfekte Gelegenheit für alle, die gerne mal das Soulslike-Genre ausprobieren wollen. Mit seinem schönen, blutigen Fantasy-Anime-Flair ist es etwas Besonderes – vor allem das Kampfsystem fesselt.

In der ersten Fassung des Textes haben wir nicht deutlich genug gemacht, dass The First Berzerker: Khazan auf dem leichten Schwierigkeitsgrad ein relativ einsteigerfreundliches Souls-like ist, aber durchaus auch mehr Herausforderungen bieten kann. Wir bitten dies zu entschuldigen.

The First Berserker: Khazan ist wohl eines der einsteigerfreundlichsten Soulslikes, das ich je gespielt habe - weil man es auf "leicht" stellen kann und dann auch wirklich (relativ) leicht ist. Neben einigen kniffligen Bossgegnern und einer düsteren Fantasywelt mit Anime-Flair konnte mich das Spiel vor allem mit seinem Kampfsystem überzeugen. Über 40 Stunden hat es mich an den Bildschirm gefesselt – und ich habe immer noch nicht genug. Für Hardcore-Dark-Souls-Fans wird auf den höheren Schwierigkeitsgraden immer noch genug geboten. Es bietet aber eine großartige Möglichkeit, weniger Souls-affine Spieler für das Genre zu begeistern.

Trostpflaster beim Versagen

Schon zu Beginn gibt The First Berserker: Khazan euch die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, in welchem Schwierigkeitsgrad ihr spielen wollt. Sollten die Einführung und der erste Bosskampf gegen den Yeti euch zu schwer gewesen sein, dürft ihr den Schwierigkeitsgrad nachträglich von "Normal" auf "Leicht" stellen.

Auch Gameplay-technisch macht Khazan das Sterben weniger frustrierend als andere Genrevertreter wie Nioh oder Lies of P. Bei jedem Bosskampf bekommt man – selbst bei einem Scheitern – Lacrima, die Substanz erfüllt eine ähnliche Funktion wie das Ergo in Lies of P oder die Seelen in Dark Souls. Es ist die Währung, mit der man seinen Charakter auflevelt. Die Menge an Lacrima, die man erhält, hängt davon ab, wie gut man sich geschlagen hat und wie stark der Boss ist. Das motiviert enorm, weil man trotz Niederlagen Fortschritte macht.

Neben dem klassischen Levelsystem der Hauptfigur kann man auch viele andere Elemente verbessern: Waffen, Rüstung und Skills. Verbrauchsgegenstände wie Schleifsteine oder Brennbomben lassen sich sogar farmen. Außerdem gibt es zwei Klingenphantome: ein “Kampf-Phantom”, das bei Bosskämpfen unterstützt, und ein zweites, das passive Boni gewährt – zum Beispiel eine schnellere Ausdauer-Regeneration. Dadurch hat man viele Optionen, Khazan ganz nach seinen Vorstellungen zu verbessern und das erleichtert das Fortkommen ungemein. Das, zusammen mit dem leichteren Schwierigkeitsgrad, ist der Grund, warum ich das Spiel "leicht" nenne. Relativ gesprochen, natürlich.

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Khazan – Die arme Socke

Die Story beginnt zwar etwas holprig, wird aber mit der Zeit immer spannender. Khazan, einst gefeierter Held des Imperiums, wird vom König wegen angeblichen Verrats zum Tode verurteilt. Sein treuer Freund Ozmar wird hingerichtet, während Khazan selbst in Ketten gelegt wird und zu seinem Hinrichtungsort gebracht werden soll. Doch auf dem Weg dorthin wird er von einer Lawine überrascht und stürzt in eine Schlucht.

Dort bekommt Khazan eine zweite Chance. Das Klingenphantom aus der Unterwelt bietet ihm einen Pakt an, nicht ganz freiwillig. So bekommt Khazan seinen Körper zurück, um Rache an dem Imperium zu üben – im Gegenzug hilft er dem Phantom, das Gleichgewicht in der Unterwelt wiederherzustellen. Was beide nicht wissen: Ihre Ziele stehen in enger Verbindung.

Einige Cutscenes sind als gezeichnete Anime-Bilder inszeniert und passen wunderbar zum düsteren Fantasy-Stil. Auch wenn die Geschichte etwas langgezogen wirkt – nach über 40 Stunden habe ich das Ende immer noch nicht erreicht – bleibt sie durch Atmosphäre und Inszenierung packend.

Ein Highlight ist auf jeden Fall der englische Sprecher von Khazan: Ben Starr, bekannt als Clive Rosfield aus Final Fantasy XVI, liefert eine überzeugende und emotionale Performance. Seine raue Stimme passt perfekt zur Figur des gebrochenen Helden.

Nebenmissionen zum Verlieben (obwohl ich Nebenquests hasse)

Gameplay-technisch macht Khazan sehr viel Spaß. Es gibt drei Waffentypen: Doppelaxt, Großschwert und Speer – letzterer ist mein absoluter Favorit. Trotz der limitierten Auswahl an Waffen hatte ich nicht das Gefühl, etwas zu missen. In Nioh fand ich das Gameplay durch seine vielen Mechaniken anstrengend und schwer verständlich. Khazan spielt sich dagegen viel flüssiger und leichter.

Man hat das Moveset schnell intuitiv im Kopf und kann sich dadurch zügig und präzise an Bosse anpassen. So wird man schnell sicher und kann direkt auf den Boss einprügeln. Das übliche Abwarten und auf die richtige Chance warten fällt hier ein Stück weit weg. Ab und zu habe ich auch einfach so lange draufgehauen und gehofft, ihn zu stunnen. Das ist zwar riskant, zahlt sich bei Khazan aber oft mehr aus als in anderen Spielen, in denen man bis zum Schluss Ruhe bewahren muss. Das "Kampf-Phantom" nutzt übrigens ebenfalls zufällig eine der oben genannten Waffen. Welche es hat, kann man vor der Beschwörung sehen – wenn der Waffentyp nicht gefällt, geht man zurück zum Checkpunkt und versucht es aufs Neue.

Die Level sind zwar schlauchförmig aufgebaut, bieten aber genug Freiraum für etwas Erkundung. Besonders schön finde ich die süßen Krüge, die im Spiel versteckt sind. Sie erinnern an die Kodama aus Nioh und schalten bei einem bestimmten Händler, namens Denji neue Items frei, je mehr man sammelt.

Was mich aber wirklich nervt, ist das Teleport-System. Um in ein anderes Gebiet zu reisen oder einfach nur zu farmen, muss man erst zum sogenannten Riss. Von dort kann man dann weiterreisen – aber nur, wenn man sich in der Unterwelt befindet. In der normalen Welt funktioniert das nicht. Gerade wenn man schnell mal leveln oder etwas erledigen will, wird das zu einem zeitraubenden Hin und Her. Ein direkter Teleport von den Checkpoints aus wäre deutlich komfortabler gewesen.

Positiv hervorheben möchte ich aber noch das Rüstungsdesign. Es sieht nicht nur gut aus – im New Game + kann man auch endlich das Aussehen der Rüstung nach Belieben ändern, ohne auf gute Stats verzichten zu müssen. Ich freue mich jetzt schon darauf, mein ultimatives Style-Set zusammenzustellen. Technisch gesehen lief es auf meinem nicht gerade mächtig motorisierten PC jederzeit anstandslos. Auffällige Bugs sind mir nicht untergekommen und auch Abstürze hatte ich keine. Die düstere und dreckige Fantasy-Welt lief jederzeit flüssig über meinen Screen.

The First Berzerker: Khazan – Fazit

The First Berserker: Khazan ist ein einsteigerfreundliches Soulslike, wenn ihr es auf leicht stellt. Dass es "leicht" überhaupt gibt, ist ja schon nicht ganz üblich in dem Genre. Wer die Herausforderung sucht, wird sie hier aber genauso finden, Khazan erfordert viel Geduld und Präzision auf allem über dem leichten Schwierigkeitsgrad. Das Übliche im Genre also.

Dazu kommt ein cooles Szenario und ein motivierendes Kampfsystem. Obwohl sich die Geschichte ein wenig zieht und sich kleinere Komfortprobleme, wie der unpraktische Teleport bemerkbar machen, bietet es jede Menge fantastischer Erlebnisse, wie spannende Story-Elemente oder mitreißende Bosskämpfe – sowohl für Genre-Neulinge als auch für erfahrene Spieler, die mal etwas entspannter unterwegs sein wollen. Ich werde das Spiel auf jeden Fall meinen Freunden zeigen und hoffe, sie für dieses tolle Genre begeistern zu können. Erst mal auf "leicht" natürlich.

The First Berzerker: Khazan PROCONTRA
  • Blutiges Gemetzel, welches zu einem bittersüßen Rachefeldzug einfach einlädt
  • Kampfsystem ist angenehm und nicht frustrierend
  • Abwechslungsreiche Bosse
  • Erkundungsmöglichkeiten wie süße Krüge
  • Einsteigerfreundlich (leichter Schwierigkeitsgrad)
  • Belohnungen selbst beim Verlieren in Bosskämpfen
  • Ben Starr spricht Khazan
  • Der Riss ist unnötig groß und voller Absturzgefahr, obwohl er ein Safe-Room ist
  • Die Story zieht sich, obwohl anfangs wenig passiert
  • Weniger eine Herausforderung für ganz harte Hardcore-Soulslike-Fans