Heartworm im Test: Wer eine stimmungsvolle Reise in die Vergangenheit sucht, ist hier genau richtig – wer einen spannenden Horrortrip sucht, leider nicht.
Vor Vincent Adinolfi ziehe ich meinen Hut, denn der alleinige Entwickler von Heartworm hat sich für sein erstes Projekt mal eben eine Hommage an eins der wegweisenden Horrorspiele der 90-er Jahre ausgesucht: Silent Hill. Immerhin irrt auch seine Sam erst durch ein geheimnisvolles Haus, dann durch eine ebenso vertraute wie verstörende Stadt – auf der Suche nach ihrem Großvater, dessen Verlust sie zu verarbeiten sucht.
Dabei löst sie Rätsel, um Türen zu öffnen, und bekämpft Kreaturen, die aus statischem Rauschen bestehen. Dazu an manchen Orten ein melancholisches Klavier, an fast allen Stellen der Blick durch eine „Überwachungskamera“ statt über direkt die Schulter sowie ein Fotoapparat, dessen Schnappschüsse die Ameisenkino-Gegner zu Fall bringen – falls man ausreichend Film dabei hat. Ressourcen sind wie im Survival-Horror des damals ausgehenden Millenniums ja selten.
Und wem bei dieser Aufzählung nicht das nostalgische Herz aufgeht, dem würde ich Heartworm auch gar nicht erst an selbiges legen. Denn so schön der altmodische Nebel durch einige der Straßen zieht und so gelungen Adinolfi das Spielgefühl des letzten Jahrtausends einfängt, so wenig kann mich seine liebevolle Hommage spielerisch begeistern.
Das kennt man: Verwaiste Straßen, in denen statisches Rauschen herumschlurft.Tatsächlich finde ich Heartworm sogar enttäuschend oberflächlich. Zum einen deklarieren die wenigen Notizen nämlich ohne diese feine Portion prosaisches Fingerspitzengefühl viel zu direkt, um welche Schicksale und Charaktere es geht, zum anderen sind die Rätsel für sich genommen nicht der Rede wert und schon gar nicht strahlen die statisch rauschenden Schlurfer eine ernstzunehmende Gefahr aus.
Ich will nicht unfair sein: Sympathie und Stimmung hat Heartworm in rauen Mengen. Die gelungene Musik erwähnte ich ja schon und auch das Inventar mit seinen anfangs mickrigen sechs Plätzen weckt wohlige Erinnerungen. Außerdem wirken die schön altmodische Kulissen wie die unveröffentlichte B-Seite eines frühen PlayStation-2-Projekts – mal ganz abgesehen davon, dass man ihr per Menü massive Treppchenbildung andichten kann, um das Retro-Flair zu verzehnfachen. Die Steuerung darf man nicht zuletzt von halbwegs modern (die unbequemen Perspektivwechsel waren ja schon damals nicht cool und sind es heute genauso wenig) auf Panzer umstellen.
Ich bin allerdings kein Fan des Titelbilds, auf dem Sam wie von einer KI erschaffen aussieht. Zusätzlich läuft der Horrortrip auf Steam Deck zwar weitgehend anständig, allerdings sackt die Bildrate in manchen Situationen rapide ab – auf weit unter 30 sogar, wenn man die zusätzliche Verpixelung abwählt. Ach, und obwohl Heartworm die Steam Cloud unterstützt, werden Spielstände leider nicht dort hochgeladen.
Und auch in den Innenräumen sieht es gerade gemütlich aus.Und dann muss ich ihm noch ankreiden, dass es manchen kleinen Fehler hat, sodass Sam schon mal aus dem Blickfeld der Kamera verschwindet oder man die Gegenstände aus dem Inventar zwar noch mit Gegenständen aus der an allen Speicherpunkten zugänglichen Truhe tauschen, sie aber nicht mehr an einen freien Platz legen kann, bevor man das Spiel nicht beendet und komplett neu gestartet hat.
Rein inhaltlich ist da außerdem die Tatsache, dass mir irgendwann gleich mehrere Räume angezeigt wurden, in denen angeblich noch etwas zu tun war, ich aber nicht den geringsten Schimmer hatte, was das eigentlich sein soll. Da fehlte dann jede Art der Führung, sodass ich mehrmals völlig ziellos von einem Ende der Stadt ans andere gerannt bin und mich gefragt habe, ob der eine am Fleck stehende, aber komplett unverwundbare Gegner ein Rätsel ist oder ein Programmfehler und inwiefern Letzteres womöglich meinen Fortschritt blockiert.
Heartworm im Test – Fazit
Und spätestens da wusste ich eben, dass mir Heartworm genau wie sein Entwickler zwar sehr sympathisch ist – dass das eigentliche Spiel aber nur eine sehr seichte Basis dafür darstellt, was mit deutlich robusterem Aufbau erst ein gutes Gruselabenteuer sein könnte. Wie gesagt: Für einen kurzen nostalgischen Ausflug könnte dieses Erstlingswerk ein gelungenes Ziel sein. Wer allerdings auch spielerisch in Sachen Retro einsteigen will, dürfte bei dem cleveren Fear the Spotlight deutlich besser aufgehoben sein.
Heartworm PROCONTRA- Stimmungsvolle Kulisse
- Gelungener Ton bei Sound und Musik
- Mitunter unklare Aufgabenstellung
- Gegner stellen praktisch keine Gefahr dar
- In Anbetracht der Grafik recht schwache Performance und kleine Programmfehler
- Keine Cloud-Saves









