Alien Earth gipfelt in einem Finale, mit dem niemand zufrieden sein kann - ich hoffe, das war es erstmal für das Franchise
Spoiler für das Staffel-Finale von Alien Earth.
Ich war irgendwie erleichtert, als Alien Earth dann vorbei war. Gute Produktionswerte, interessante Themen, tolle Schauspieler und das Versprechen einer abgehobenen Monster-Show von Noah Hawley, dessen Fargo mich vier von fünf Staffeln lang extrem gut unterhielt: Bis zum Schluss hatte ich Hoffnung, dass am Ende der große Knall kommt, durch den das alles doch noch meiner Zeit wert war. Aber nein, da kam irgendwie nichts mehr.
Komplette Handlungsstränge werden wacklig über klaffenden Logiklöchern errichtet, Dinge passieren, weil sie cool sind, mit dem Ende als weit offenes Scheunentor, auf dessen anderer Seite nur eine komplette Herde Augenmonster-Schafe es noch retten könnte. “Jetzt herrschen wir” sagt Wendy in einem seltsamen Anflug von Größenwahn, bei dem ich mich bremsen muss, nicht “und wie soll das aussehen?” zu sagen – aus Angst, die Verantwortlichen interpretieren das als Interesse daran, wie das hier wohl weitergehen könnte.
Immerhin: Die Richtigen kriegen ihr Fett weg
Das einzige Positive an der Art, wie das hier ausging, war die Symbolik, dass all die schlechten Leute dieser Serie etwas Schlimmeres bekommen, als das Hirn von einem Doppelmaulmonster mit Säureblut durch das Ohr rausgelutscht zu bekommen: Sie müssen es miteinander in einer Zelle aushalten! Die restliche Auflösung war “Super-easy, barely an inconvenience”, wenn ich mal Ryan George zitieren darf.
Der einfachste Ausbruch in der Seriengeschichte.Klar, dass Wendy zum Neo in der Alien-Matrix wird, die ohne jedwede Erklärung und jeden Verdacht der Leute, die sie entwarfen, Macht über alle Computersysteme (und natürlich auch über eigentlich autonom agierende Syntheten) bekommt. Das soll dann irgendwie dazu passen, dass sie die Aliens hören (erinnert ihr euch an die Schmerzen, die ihr das am Anfang bereitete?), verstehen und befehligen kann, selbst aus ihrer Zelle heraus gurrt sie noch den Xeno aus seiner entfernten Höhle herbei. Derartig messianische Fähigkeiten machen sie zu einer langweiligen Figur.
Passend dazu sind wir auch in der Joe-Marcy-Beziehung nicht weitergekommen, der angedeutete Bruch zwischen ihnen, vom Ende von Folge sieben, ist in der achten schnell vergessen. Bruderherz nimmt es fortan hin, dass seine Schwester auf Kuschelkurs mit dem Biest ist. Denn klar, die “wahren Monster” sind jetzt ja alle in der Zelle. Gleichermaßen haben wir nichts Neues über Kirsh erfahren, das sein Verhalten oder seine Motivation erklären würde. Das war derart schwach und schade, ich konnte kaum glauben, dass es mit keiner Silbe thematisiert wurde. Ich mochte Olyphant und wie er die Rolle spielte.
Über unfreiwillig komische Momente, wie Türklinken an der Innenseite von Hochsicherheitscontainern (die nur deshalb existiert, damit Joe sich darin in Sicherheit bringen kann), Augenmonster-Kickball, und einen angeblich bewegungslosen Syntheten (die Enthüllung um Atom Eins war aber ganz cool und erklärt, warum er einen Namen trägt, wie ihn nur ein pubertierender Teenager erdenken konnte), der mehrfach von einer Kameraeinstellung auf die nächste seine Körperposition verändert, will ich gar nicht zu lange herziehen. Aber sie passen eben ins Bild einer von vorn bis hinten unrunden Produktion, die sich mehr als einmal darauf verließ, dass schon keiner mitbekommt, wie sehr sie die Dinge hinbiegt, damit bestimmte Sachen passieren können.
Bekommt am Ende gewissermaßen, was er will: Boy Kavalier.Dinge passieren, damit es weitergeht
Warum zur Hölle sind die Soldaten, die eigentlich abhauen wollten, noch mal ins Hochsicherheitslabor gegangen? Achja, weil wir das fünfte Monster noch nicht in Aktion gesehen haben. Mehrfach erleben wir, wie Sicherheitspersonal den Xeno (der im Hellen immer noch doof aussieht) aus nächster Nähe nicht trifft, oder ihn doch trifft, aber eben mit der Wucht eines geschnippten Popels. Und natürlich müssen wir noch einmal Boy Kavaliers Motivation ausgesprochen hören (“eine interessante Konversation”) oder das Bild von Peter Pan noch einmal uminterpretieren, als wäre das alles bis hierhin nicht schon ermüdend genug gewesen.
“All die Zeit hatten wir Angst vor ihnen, aber ich glaube, sie sollten Angst vor uns haben”, war aus Wendys Mund ein kompletter Non-Sequitur, weil wir nie gesehen haben, dass die Kinder Angst vor ihren Betreuern hatten. Aber sie musste es sagen, weil es ein cooler Spruch war. Hawley verlässt sich zu oft auf die “Rule of Cool”, aber hier greift sie oft einfach nicht. Weil sie auf Kosten der Erzählung geht.
“Sag nicht, ‘es ist kompliziert’”, stoppt Wendy am Höhepunkt ihres Arcs ihren Bruder. “Das sagen machtlose Menschen, um sich Nichtstun schönzureden”. Ein wahrer Satz, der auf viele Missstände und Ungerechtigkeiten heutzutage anwendbar ist, und den jeder mal gehört haben sollte. Aber in dieser Show, in dieser Situation, wirkt er wie aus der Luft gegriffen.Welchen Missstand will Wendy denn bekämpfen? Den eklatanten Mangel an Facehuggern auf Menschengesichtern? Worum geht es Hawley eigentlich?
Was für ein rettungslos konfuses Durcheinander. Ich hoffe, sie belassen es bei einer Staffel.









