King of Meat: Die LittleBigPlanet-Macher möchten euch zu Hackfleisch verarbeiten
King of Meat jagt euch im Viererteam durch eine knallbunte TV-Show voller gefährlicher Parcours – als hätten Ninja Warrior und Takeshi’s Castle ein gemeinsames Kind gezeugt und ihm eine Waffe in die Hand gedrückt.
Und es gehört zu den Spielen, die man gedanklich sofort in die Schublade „bunter Chaos-Coop“ wirft: ein Hinderniskurs-Gekloppe mit Community-Editor, irgendwo zwischen Fall Guys und Mario Maker. Entwickelt wird das Ganze von Glowmade – einem Studio, in dem auch ehemalige LittleBigPlanet-Kreative sitzen. Die Rahmenhandlung ist schnell erklärt: In einer Fantasy-Welt, die den Spagat aus Klischee und Parodie wagt, nehmt ihr an einer Gameshow namens King of Meat teil. Dort müsst ihr in Teams von bis zu vier Personen verschiedene Dungeons durchqueren – mit dem Ziel, nicht nur lebend herauszukommen, sondern auch das Publikum zu unterhalten.
Je alberner die Outfits, je spektakulärer die Kombos, desto mehr Ruhm und Belohnungen gibt es. Bevor es aber richtig losgeht, werdet ihr ins Tutorial geschickt – charmant verpackt als „Casting-Runde“. Learning by Doing ist hier die Devise: rennen, hüpfen, prügeln. Dazu plappert ein hyperaktiver Kommentator, der wie so ziemlich jede Figur in King of Meat total crazy und funny rüberkommt. Deshalb die wichtigste Info gleich vorab: Ihr könnt ihn im Optionsmenü stummschalten.
King of Meat: Trailer zum Veröffentlichungsdatum Der Trailer verschafft euch einen guten Überblick über das Spielprinzip.Auf YouTube ansehenAb ins Specktakel
Unsere Zwischenüberschrift ist kein Fehler: King of Meat schreibt sein „Specktakel“ bewusst so. Und im Kern besteht dieses aus drei Gameplay-Säulen – Parcours, Mini-Rätsel und Hack’n’Slay. Ihr rennt und springt über Plattformen, sammelt Wertvolles, weicht Fallen aus, löst kleine Rätsel und fegt dabei Gegner aller Größen von der Platte. Der eigentliche Reiz steckt jedoch weniger in der Mechanik als in der Gruppendynamik. Vor allem dann, wenn jemand aus dem Team mal wieder specktakulär daneben springt und im Abgrund verschwindet. Die gute alte Schadenfreude sitzt hier zuverlässig in der ersten Reihe.
King of Meat findet eine gute Balance zwischen farbenfrohem Comic-Stil und solider Performance.In den Dungeons stellt ihr euch unterschiedlichsten Herausforderungen: Schalter, die nur gemeinsam betätigt werden können, Objekte, die gesprengt werden müssen, oder Ringe, durch die ihr Bälle werft, um Mechanismen in Gang zu setzen. Und für den zusätzlichen Dopamin-Kick gibt es auch Schatzkisten – manche offensichtlich, andere gut versteckt. Mehr als einmal schien ein Sturz ins Nichts mein Ende zu besiegeln, doch stattdessen fand ich mich auf einer Unterebene wieder – samt prall gefüllter Truhe.
Wenn ihr euch nicht gerade in der TV-Show zu Hackfleisch verarbeiten lasst, könnt ihr im Hub verschiedene Shops besuchen, Waffen aufwerten, Outfits wechseln und allerlei Krempel anpassen. Laut Entwickler Glowmade sollen Mikrotransaktionen in King of Meat ausschließlich kosmetische Inhalte betreffen, Lootboxen sind nicht vorgesehen. In den Store-Einträgen auf Steam und PlayStation wird der Hinweis auf „In-Game-Käufe“ ebenfalls geführt. In meiner Testversion war davon allerdings noch nichts zu sehen. Möglicherweise wird der entsprechende Shop erst zum offiziellen Start am 7. Oktober freigeschaltet.
Es gibt tonnenweise Kostüme und Personalisierungsoptionen.An kostenfreien Personalisierungsoptionen mangelt es jedenfalls nicht – ebenso wenig an Dungeons. Zum Start stehen rund 100 vorgefertigte Varianten bereit. Und wer damit nicht ausgelastet ist, baut im Editor einfach eigene. Der funktioniert überraschend intuitiv und unkompliziert: Selbst komplexere Elemente wie Schalter, die mehrere Effekte gleichzeitig auslösen, lassen sich mühelos integrieren.
Ebenfalls nice: Damit Trolle das Spiel nicht mit unspielbaren Müll-Dungeons überfluten, müsst ihr eure eigenen Dungeons zunächst selbst einmal erfolgreich durchzocken, bevor ihr diesen veröffentlichen dürft.
Der Dungeon-Maker ist angenehm intuitiv gestaltet und bietet überraschend viele Gestaltungsmöglichkeiten.Der Party-Aspekt
Als ich den ersten Trailer sah, war für mich klar: Das schreit nach einem Couch-Abend mit Freunden. Tja – Pustekuchen. King of Meat setzt ausschließlich auf Online-Multiplayer, immerhin mit Cross-Play (PS5, Xbox, PC) und Cross-Progression. Ich durfte bereits vor dem Verkaufsstart ins Getümmel, aber die Spielersuche fiel ernüchternd aus. In den meisten Fällen wartete ich mehrere Minuten in der Lobby, nur um dann die Meldung zu bekommen, dass keine Spieler gefunden wurden. Bis ich überhaupt jemanden zugeteilt bekam, brauchte es mehrere Anläufe. Und selbst dann waren wir nie mehr als zu zweit. Kurzum: Obwohl man King of Meat zu viert spielen kann, war ich in meiner gesamten Testphase maximal im Duo unterwegs.
Bisher ist in der Lobby leider fast gar nichts los.Dass kaum jemand in der Lobby war, lag vermutlich am frühen Testzeitpunkt Ende September. Also habe ich meinen Versuch vorerst abgebrochen – und springe mit euch ein paar Tage nach vorn. Am 5. Oktober startete ich einen neuen Anlauf: Seit dem 2. Oktober dürfen Vorbestellerinnen und Vorbesteller spielen, ab dem 7. Oktober soll King of Meat offiziell für alle erscheinen. Doch auch diesmal brauchte es mehrere Anläufe, bis überhaupt jemand in meiner Lobby auftauchte. Vielleicht ein Bug – oder einfach zu wenig Betrieb?
Ein kurzer Blick ins Steam-Forum brachte Aufklärung: Mit meinem Problem war ich nicht allein. Auch andere berichteten von leeren Lobbys und langen Wartezeiten. Ein Blick auf SteamDB untermauert den Eindruck – der bisherige All-Time-Peak liegt bei gerade einmal 253 gleichzeitig aktiven Playern. Natürlich dürfte diese Zahl steigen, sobald das Spiel für alle verfügbar ist. Doch ehrlich gesagt: Viel Zuversicht weckt das nicht.
Spaßig: Um hier weiterzukommen, müsst ihr Bälle durch leuchtende Ringe werfen.Falsches Businessmodel?
Hier zeigt sich das Grundproblem solcher Titel: Ohne ausreichend Zuspruch ist der Spaß vorbei, bevor er begonnen hat. Und dafür müssen erst einmal genügend Menschen bereit sein, 30 Euro (oder 50 Euro für die Deluxe Edition) zu investieren. Vielleicht wäre King of Meat als Free-to-Play-Titel, finanziert über den Verkauf optionaler Outfits und Skins, die klügere Entscheidung gewesen.
Nach mehreren Stunden Spielzeit bleibt unterm Strich: King of Meat erfindet das Rad nicht neu, unterhält aber solide. Es lebt vom Klamauk, den unzähligen Kostümoptionen, der überdrehten Lore und einer guten Portion Schadenfreude. Die große Achillesferse ist derzeit der Mangel an Mitspielerinnen und Mitspielern – ein Problem, das sich mit dem vollständigen Launch am 7. Oktober noch relativieren könnte. Dann wird sich zeigen, ob die Community groß genug wird, um das Konzept zu tragen – und ob sie genug kreative Levels liefert, während Glowmade (hoffentlich) für kontinuierlichen Content-Nachschub sorgt. Nur wenn beides zusammenspielt, hat King of Meat eine Chance, langfristig zu bestehen.









