Where Winds Meet im Test: Das schönste Durcheinander des Jahres?
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Update:Nachdem das Spiel nun offiziell draußen ist und ich es endlich unter realen Bedingungen testen konnte, steht auch die finale Bewertung fest. Where Winds Meet zeigt sich zwar als eines der großzügigsten F2P-Spiele überhaupt, doch Stamina-Limits, Time-Gating und gleich mehrere Ingame-Währungen bremsen den Spielfluss trotzdem. Zusammen mit den weiter unten beschriebenen Kritikpunkten entsteht ein Gesamtbild, das eher ernüchtert als begeistert. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann ein Re-Release der Solo-Kampagne: ohne den ganzen GaaS-Ballast, dafür mit mehr Feinschliff. Für so eine Version würde ich ohne Zögern 50 Euro auf den Tisch legen.
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Ich habe in den vergangenen Tagen die ein oder andere Stunde in Where Winds Meet investiert. Genug, um sagen zu können: Dieses Spiel ist enorm umfangreich, visuell beeindruckend und an vielen Stellen wirklich faszinierend. Gleichzeitig aber auch eines der vollgestopftesten Open-World-Erlebnisse der letzten Jahre. Es versucht, die emotionale Wucht eines Wuxia-Dramas mit Singleplayer-Storytelling, Rollenspielsystemen und Online-Komponenten unter einen Hut zu bringen. Stellenweise funktioniert diese Mischung überzeugend, an anderen Punkten wirkt sie unausgegoren oder schlicht verwirrend.
Stimmung und Atmosphäre sind stellenweise atemberraubend. (Where Winds Meet Test)Schon die ersten Minuten machen deutlich, dass Everstone Studios hier nicht einfach ein weiteres Fantasy-RPG gebaut hat, sondern eine bewusste Hommage an das klassische chinesische Heldenkino. Der Schauplatz ist China zur Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche – eine Phase politischer Zersplitterung, in der Kriege, Machtkämpfe und traditionelle Ehrvorstellungen aufeinanderprallen. Über allem liegt das Gefühl von Jianghu: jener halb realen, halb mythischen Bubble, in der Wanderkrieger, Gelehrte und Diebe nach ihren eigenen Regeln leben, etwas abseits staatlicher Ordnung und gesellschaftlicher Konventionen.
Prächtiger Einstieg
Visuell ist Where Winds Meet über weite Strecken beeindruckend. Beim Durchstreifen der Bambuswälder, beim Rennen über Ziegeldächer oder wenn sich am Flussufer der Morgennebel hebt, wird deutlich, wie viel Arbeit in Lichtstimmung, Wetter und Architektur steckt. Die Welt wirkt lebendig, glaubwürdig und unheimlich stimmungsvoll: Händler schleppen Körbe, Kinder jagen durch die Gassen, die Witterung wirkt sich realistisch auf die Umgebung aus. Selbst nach vielen Stunden stoße ich noch auf neue Orte, die aussehen, als wären sie in liebevoller Handarbeit gestaltet statt im Baukasten zusammengesetzt. Lediglich in einigen Zwischensequenzen fällt auf, dass Gesichtsanimationen und Lippensynchronität nicht das Niveau dicker AAA-Produktionen erreichen. Und wie im Genre üblich findet man in den hintersten Ecken natürlich auch mal Objekte und Texturen, die weniger detailreich ausfallen.
Where Winds Meet - Release Date Trailer Dieses Video zeigt schön, wie grafisch aufwendig das Spiel inszeniert ist. (Where Winds Meet Test)Auf YouTube ansehenDas Spiel beginnt offen. Nach einem kurzen Prolog entwickelt man seine Figur über verschiedene Disziplinen weiter und kann sich dann für den Online- oder Solo-Modus entscheiden. Es gibt jedoch kein eng geschnürtes Klassenkorsett, stattdessen kombiniert man Fähigkeiten frei miteinander. Diese Entscheidungen beeinflussen vor allem das Kampfsystem und eröffnen in bestimmten Spielsituationen alternative Vorgehensweisen. Dazu kommen mehrere Waffentypen und Specials: vom Schwertkampf über Speer und Bogen bis hin zu Seildolch, Fächer und magieähnlichen ‚Mystic Arts‘. Das System ist komplex und die Steuerung ziemlich überladen: Jede Waffe besitzt eigene Kombos und Spezialattacken. Diese wirken wuchtig und spektakulär, auch wenn die Kollisionsabfrage nicht immer exakt sitzt.
Die Kameraführung ist filmreif und sorgt für coole Momente. (Where Winds Meet Test)Vielleicht liegt es an mir, aber die Steuerung hat mich anfangs wirklich ins Schleudern gebracht. Viele Spezialangriffe liegen hinter einem Modifiersystem: R2 oder L2 gedrückt halten, dann über eine der Aktionstasten auslösen, während ihr parallel mit R1 parieren, mit L1 blocken oder mit B beziehungsweise der Kreistaste ausweichen sollt. Das klingt auf dem Papier nachvollziehbar, fühlt sich im laufenden Kampf aber unnötig verschachtelt an. Die Finger liegen selten dort, wo sie im entscheidenden Moment sein müssen. Nach einiger Spielzeit wird es besser, weil die Abläufe ins Muskelgedächtnis rutschen. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Steuerung gegen mich arbeitet, statt mit mir.
Glücklicherweise stehen mehrere Schwierigkeitsstufen zur Auswahl, was gerade in der Orientierungsphase sehr hilfreich ist. Wer mehr Herausforderung sucht, erhöht die Difficulty; wer dagegen den Fokus auf Erkundung und Story legen möchte, kann das Spiel deutlich entspannter angehen, ohne jede einzelne Feindbegegnung fürchten zu müssen.
Zu viel des Guten
Je länger ihr spielt, desto deutlicher wird die schiere Masse an Mechaniken. Es gibt Crafting, verschiedene Währungen, unterschiedliche Upgrade-Systeme, mehrere Fraktionen, Gebäudebau sowie tonnenweise Items und Collectibles. Viele Aktivitäten besitzen eigene Progressionspfade und Belohnungsschleifen, oft mit separaten Menüs. Das kann motivieren – oder erschlagen. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, Aufgaben schlicht zu ignorieren, weil mir die Fülle an Markern und eingeblendeten Hinweisen wirklich auf die Nerven ging. Selbst Ubisoft-Open-Worlds wirken dagegen zurückhaltend und intuitiv strukturiert. Was im Solo-Modus bereits überwältigt, wird im Online-Teil noch chaotischer – und manchmal schlicht zu viel.
Ich wollte Gefährten zu Hilfe rufen, aber das geht erst, wenn man bereits befreundet ist oder so. (Where Winds Meet Test)Where Winds Meet will die Tiefe eines RPGs, die Langzeitbindung eines MMOs und die Freiheit eines Open-World-Erkundungsspiels vereinen. Die Ambition ist respektabel, aber vieles davon wirkt nicht organisch integriert, sondern wie mehrere Schichten, die sich über den eigentlichen Kern legen – und ihn dabei eher verdecken als verstärken.
Besonders spürbar wird das im Übergang zwischen Solo- und Online-Erlebnis. Auf der einen Seite gibt es eine storylastige Singleplayer-Kampagne, inszeniert mit hochwertigen Cutscenes und überraschend ernsten Themen wie Loyalität, Verrat und sozialer Ungleichheit. Auf der anderen Seite bekommt ihr im Online-Modus noch die typischen MMO-Elemente: Mehrspieler-Aktivitäten, Event-Benachrichtigungen, Chat-Fenster und wöchentliche Limits. Im Solo-Modus fühle ich mich deutlich wohler – das ständige Benachrichtigungsgewitter und die noch verworrenere Menü-Struktur des MMO-Parts ist einfach nichts für mich. Und wenn ich im Online-Modus unterwegs war und eine bestimmte Mission oder Aktivität starten wollte, wurde ich manchmal aufgefordert, in den Solo-Modus zu wechseln, um sie spielen zu können. Da fragt man sich unweigerlich: Warum sie überhaupt im Online-Modus anbieten?
Nicht ganz rund
Technisch hinterlässt die Vorab-Version einen gemischten Eindruck. Auf meinem PC lief Where Winds Meet überwiegend stabil, und die Engine bietet eine beeindruckende Weitsicht sowie flüssige Animationen. Gleichzeitig kam es in großen Städten, aber auch in einigen Dungeons zu spürbaren Performance-Einbrüchen, und gelegentlich tritt sichtbares Pop-in auf. Außerdem wirkt das Interface zu überladen: viele verschachtelte Fenster, verzweigte Menüs und wenig Übersicht. Stellenweise musste ich sogar zur Tastatur greifen, um Menüs zu schließen – ein unnötiger Bruch, wenn man mit Controller spielt. Die audiovisuelle Präsentation liegt jedoch insgesamt auf hohem Niveau. Das Sounddesign ist ebenfalls stark und trägt viel zur Atmosphäre bei, und ein Großteil der Dialoge ist vertont – allerdings nur auf Chinesisch oder Englisch. Menüs, Texte und Untertitel lassen sich immerhin auf Deutsch genießen, auch wenn die Qualität der Übersetzung fragwürdig ist.
Der grafische Detailgrad ist für ein Gratis-Spiel echt beeindruckend.(Where Winds Meet Test)Was mich wirklich gestört hat, waren diverse Bugs. Mehrmals hat das Spiel bestimmte Aktivitäten nicht sauber abgeschlossen. Ein Beispiel: An bestimmten Orten könnt ihr meditieren. Nach so einer Meditation wollte ich an einem Bogenschießwettbewerb teilnehmen – doch mein Bogen ließ sich nicht verwenden, weil weiterhin ‚Meditation beenden (L2)‘ eingeblendet war. Die Benachrichtigung ließ sich nicht schließen und der Bogen erst wieder nutzen, nachdem eine andere Mission gestartet wurde.
Und normalerweise könnt ihr mit dem Steuerkreuz durch Verbrauchs-Items scrollen und etwa Heiltränke nutzen. Manchmal funktionierte das nicht; die Eingabe wurde einfach ignoriert. Wenn das in einem Bosskampf passiert und man sich nicht heilen kann, wird es schnell frustrierend. Bugs dieser Art sind mir leider mehrmals begegnet.
Ähnlich nervig war folgender Vorfall: Ich habe versehentlich einen viel zu starken Gegner angegriffen und wurde sofort überrollt. Klar, eigene Dummheit. Aber ich konnte die Kampfzone nicht mehr verlassen. Neustarten half nicht, ich wurde jedes Mal direkt wieder in den Kampf gebeamt. Auch der Versuch, andere Spieler zur Hilfe zu rufen, schlug fehl. Am Ende habe ich das Spiel einfach ausgemacht, ein paar Stunden gewartet, und nach einem Client-Update konnte ich die Zone endlich verlassen. Dass einige Menüs und Hinweise noch nicht lokalisiert waren und vereinzelt chinesische Texte auftauchten, fiel da kaum noch ins Gewicht.
Crouching Tiger, Hidden Dragon
Die Kämpfe werden spektakulär in Szene gesetzt. (Where Winds Meet Test)Ich möchte noch einmal auf das Kampfsystem zurückkommen. Where Winds Meet orientiert sich weniger an der taktischen Präzision eines Sekiro, sondern eher an einem opulenten Wuxia-Ballett: spektakulär, schwungvoll, manchmal ungenau. Die Kämpfe leben von Bewegung, Tempo und Rhythmus – nicht von einem gnadenlosen Schwierigkeitsgrad. Gegner sind keine unüberwindbaren Mauern, sondern Gelegenheiten, die Fähigkeiten und Eleganz der eigenen Figur auszukosten. Auf höheren Schwierigkeitsgraden muss man sich aber deutlich mehr ins Zeug legen, präzise parieren, die Ausdauerleiste im Blick behalten und gezielt Lücken in der Deckung der Gegner nutzen.
Es gibt auch sonst genug Gelegenheiten, eure Skills unter Beweis zu stellen – etwa durch Gebiete mit hochstufigen Gegnern oder spezielle Achievements, die spürbar fordern und entsprechend belohnen. Auch wenn ich mich von der Fülle an Aktivitäten etwas erschlagen fühle, finde ich es gut, dass man abseits der Kloppereien jede Menge erleben kann, wenn man möchte. Ich hatte beispielsweise nach einem gescheiterten Bosskampf erst einmal die Nase voll, habe eine Weile geangelt und anschließend einen Contest absolviert, bei dem man Pfeile mit der Hand in eine Vase werfen muss.
Manchmal wird fast das gesamte Bild von Einblendungen überlagert. (Where Winds Meet Test)Kann ein Spiel zu viel sein?
Es ist wirklich bemerkenswert, wie viel Inhalt allein der Solo-Modus bietet – und zwar nicht nur im Vergleich zu anderen F2P-Spielen, sondern ganz generell. Abseits der Hauptstory gibt es tonnenweise Zeug zu entdecken: Collectibles, Minispiele, zahlreiche Neben-Quests, Herausforderungen sowie fallengespickte und gegnerverseuchte Dungeons. Man stolpert wirklich alle paar Meter über neue Aktivitäten, und wer zu FOMO (Fear of Missing Out) neigt, bekommt schon in der ersten Stunde nervöse Zuckungen.
Wer ist die Zielgruppe? Ganz klar: Spielerinnen und Spieler, die sich auf Atmosphäre, Weite und ausgiebige Erkundung einlassen möchten. Menschen, die Freude daran haben, durch eine stimmungsvolle Welt zu streifen – und die akzeptieren, dass die Erzählung aus westlicher Sicht gelegentlich etwas naiv wirkt. Wer dagegen ein straff komponiertes Spiel erwartet, bei dem alle Mechaniken nahtlos miteinander verzahnt sind, wird hier anecken. Dieses Spiel ist extrem üppig, aber auch sperrig: ein Werk, das viel bietet und dabei nicht immer ganz geschliffen erscheint.
Während ich einen Verwundeten begleite, werde ich von oben beobachtet. (Where Winds Meet Test)Free to Play oder Pay to Win?
Laut Studio soll das Geschäftsmodell auf kosmetische Items und optionale Komfortkäufe beschränkt bleiben – kein Pay-to-Win, keine Pflichtabos. In der Praxis wirkt das aber etwas anders: Mehrere Währungen, Time-Gating und Stamina-Limits bremsen den Spielfortschritt spürbar und legen ziemlich genau fest, wie schnell man vorankommt. Aggressiv ist das nicht, aber es mindert den Spaß deutlich – gerade für Solo-Spieler wie mich wird es schnell lästig. Ehrlich gesagt: Ich hätte lieber zu Beginn einmal 50 Euro für einen Premium-Pass bezahlt, der die Kampagne von all diesen F2P-Fesseln befreit.
In manchen Dialogen sind Mimik und Lippensynchronität nicht ganz auf der Höhe. (Where Winds Meet Test)Fazit – Where Winds Meet Test:
Ich mag das Setting, die wunderschöne Welt und das Kampfsystem, das auf Abwechslung, spektakuläre Kombos und effektreiche Specials setzt – auch wenn es manchmal etwas unpräzise wirkt. Where Winds Meet fängt den Geist des Wuxia-Kinos erstaunlich gut ein: Melancholie, Pathos und Poesie werden sehr gut ins Medium Spiel übertragen. Viele Szenen brauchen sich in Sachen Inszenierung und Production Value nicht hinter Vollpreistiteln zu verstecken, die 60 Euro oder mehr kosten. Gleichzeitig ist Where Winds Meet hoffnungslos überfrachtet: Die Menüs sind eine Katastrophe, die verschiedenen Währungen überfordern mich und die Bugs nerven auch in der finalen Version. Dazu kommen echte Spielflussbremsen – Stamina-Limits, Time-Gating und andere Mechaniken, die die Progression ausbremsen oder euch schlicht zum Warten verdammen, sofern ihr kein Geld investiert.
Where Winds Meet PROCONTRA- Atmosphärisch dichte Welt mit beeindruckender Architektur und Lichtstimmung
- Großer spielerischer Freiraum durch frei kombinierbare Fähigkeiten und Kampfstile
- Starkes Wuxia-Feeling mit filmischer Inszenierung und hervorragendem Sounddesign
- Vielfältige Aktivitäten – von Kampf über Crafting bis hin zu Fischerei und Erkundung
- Ambitionierter Spagat zwischen Singleplayer-Erlebnis und Online-Game
- Überfrachtete Benutzeroberfläche und teils unübersichtliche Menüs
- F2P-Mechaniken bremsen immer wieder den Spielfluss.
- Fast schon zu viele Aktivitäten und Mechaniken.
- Komplizierte Steuerung
- Gelegentliche Performanceeinbrüche und störende Bugs









