Die Nintendo Switch 2 ist kaum ein paar Monate alt und liefert mit Donkey Kong: Bananza sowie Metroid Prime 4: Beyond bereits zwei absolute Ausnahmetitel ab, die meine GOTY-Liste für 2025 im Sturm erobert haben. Außerdem darf ich The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom endlich in einer Qualität erleben, die meinen Sehapparat nicht mehr mit flimmerndem Pixelmatsch beleidigt. Rückblickend betrachtet war der Start der Nintendo Switch 2 ein voller Erfolg – für Nintendo und uns Fans gleichermaßen.

Oder bin ich mittlerweile zu altersmilde? Fehlt mir schlicht die nötige Prise Skepsis? Wenn ich mir das giftige Echo im Netz ansehe, scheint mein positives Urteil jedenfalls auf ziemlich wackeligen Beinen zu stehen. Selbst in meinem privaten Umfeld gibt es enttäuschte Nintendo-Jünger, die in der Switch 2 keinen tollen Nachfolger, sondern ein Mahnmal für Nintendos Profitgier sehen. Für sie ist die Konsole nichts weiter als ein fieses Werkzeug, um uns erneut das Geld für Produkte aus der Tasche zu ziehen, die wir schon längst im Regal stehen haben.

Der schmerzhafte OLED-Verlust

Das Display ist in meinen Augen definitiv eine Frechheit. Es grenzt an vorsätzlicher Boshaftigkeit, dass uns Nintendo nach der brillanten OLED-Ära nun wieder auf ein herkömmliches LCD-Panel starren lässt. Die Rechtfertigung aus Kyoto lautet, dass man nur so HDR10-Unterstützung und 120 Hz bei 1080p im Handheld-Modus realisieren konnte. Wir kennen das alte Lied längst auswendig: In spätestens 18 Monaten steht die OLED-Version für 500 EUR im Regal. Die Gaming-Welt wird aufschreien, Nintendo verfluchen und am Ende doch geschlossen die Kohle hinblättern. Wir sind nämlich treue Konsumopfer, die sich als Enthusiasten und Liebhaber bezeichnen, um den eigenen Kaufrausch beim Blick in den Spiegel zu rechtfertigen.

Der vorläufige Verzicht auf OLED rächt sich auch an der Steckdose. Wer Metroid Prime 4 oder ähnlich anspruchsvolle Titel unterwegs zocken will, sollte die Powerbank besser mit Panzertape am Gehäuse befestigen. Dass die Switch 2 bei der Akkulaufzeit gegen das alte Modell den Kürzeren zieht, ist ein Armutszeugnis für die neue Hardware-Generation. Auch wenn ich persönlich als stationärer Spieler davon verschont bleibe, hinterlässt dieser Rückschritt einen faden Beigeschmack im Gesamtkonzept. Eine schwächelnde Ausdauer verträgt sich einfach nicht mit dem vollmundigen Versprechen eines überlegenen Nachfolgers. Wir können uns zumindest mit der Gewissheit trösten, dass die kommende OLED-Revision nicht nur schöner leuchtet, sondern auch einen längeren Atem beweist.

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Portieren geht über Studieren

Am 15. Januar erscheint die Nintendo Switch 2 Edition von Animal Crossing: New Horizons und nur sieben Tage später folgt mit Final Fantasy VII Remake Intergrade ein weiterer Fan-Liebling. Die Reaktionen darauf könnten aber kaum gegensätzlicher ausfallen. Während die eine Hälfte der Community bereits den Sekt kaltstellt, sieht die andere lediglich die ersten Anzeichen für eine Flut digitaler Aufwärmgerichte. Titel, die an der schwachbrüstigen Hardware der ersten Switch kläglich scheiterten, werden nun als glänzende Neuheiten vermarktet. 69,99 EUR für ein angestaubtes FF-Remake zeigen deutlich, wohin die Reise auf der Switch 2 geht. Man kann dieses Angebot als späten Fan-Service oder schlicht als dreiste Abzocke bezeichnen. Fest steht nur, dass sich die Switch 2 in wenigen Monaten über 10 Millionen Mal verkauft hat und diese Konsolen lechzen jetzt nach Futter.

Für mich war Donkey Kong: Bananza die positive Überraschung des vergangenen Jahres.

Oder ist die kollektive Schnappatmung über Nintendos digitale Preisgestaltung vielleicht doch etwas unfair? Die Aufregung um die 69,99 Euro für das Final Fantasy VII Remake verpufft augenblicklich, sobald man den Realitätscheck im stationären Handel wagt. Dort findet man das Spiel bereits für knapp fünfzig Steine, womit es preislich exakt auf Augenhöhe mit der digitalen PlayStation-Fassung liegt. Noch absurder wird der Abzockvorwurf, wenn man sich die Situation bei Animal Crossing ansieht. Ein Upgrade-Pack für weniger als fünf Euro ist ein Musterbeispiel für faire Preisgestaltung. Nintendo erlaubt es den Fans des Originals, ihre geliebte Insel mit auf die neue Hardware zu nehmen und dabei von der deutlich höheren Rechenleistung zu profitieren, und zwar zum Preis eines großen Cappuccinos. Das ist kein Wucher, sondern ein erstklassiger Fan-Service, der zeigt, dass man in Kyoto durchaus verstanden hat, dass man seine Kundschaft nicht komplett ausbluten lassen darf.

Wir sollten uns außerdem die ernsthafte Frage stellen, warum wir Publishern eigentlich verübeln, dass sie mit ihren Produkten auf einer derart erfolgreichen Plattform Geld verdienen möchten. Die Switch 2 ist zweifellos die Konsole der Stunde und es ist nur konsequent, dass die beliebtesten Titel der letzten Jahre dort ein neues, lukratives Zuhause finden. Das ist kein Akt der Beutelschneiderei, sondern schlichtweg eine kluge Business-Entscheidung. Die Erhöhung der Profitabilität durch Portierungen sichert letztlich auch die Entwicklung künftiger Projekte.

Mario Tennis Fever – Was der Platz bereithält (Nintendo Switch 2) Mario Tennis Fever ist sicher ganz nett, aber über Super Mario Odyssey 2 würde ich mich mehr freuen.Auf YouTube ansehen

Bleiben wir realistisch

Ohne eine lukrative Multiplattformstrategie wäre das finanzielle Risiko für Publisher in der heutigen Zeit kaum noch tragbar. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel und nicht jeder Port ist ein Geschenk an die Menschheit, aber mein Neffe freut sich wie ein kleines Schnitzel darauf, endlich in den Genuss von Elden Ring zu kommen.

Ich möchte hier aber nichts schönreden, sondern die Lage schlichtweg differenziert betrachten. Fakt ist, dass der Flitterwochen-Bonus langsam aufgebraucht ist. Nintendo muss jetzt beweisen, dass die Konsole mehr darstellt als nur eine neue Hülle für unsere alten Lieblingsspiele. Ich persönlich warte gespannt auf den nächsten echten System-Seller aus dem Hause BigN, denn genau für diese hauseigenen Produktionen kaufe ich mir Nintendo-Hardware. Wobei mich das für den 12. Februar angekündigte Mario Tennis Fever absolut nicht juckt. Mich interessiert aber brennend eure Meinung zur Switch 2: Bereut ihr den Kauf bereits oder seid ihr mit der bisherigen Performance und dem Spiele-Output zufrieden?