Tagsüber Haremsdame, nachts Auftragskillerin im Dienste des Sultans. So lautet die Prämisse des Action-RPGs Concubine, das seit dem 13. Oktober 2025 im Early Access auf Steam erhältlich ist.
Als Kind türkischer Einwanderer wurde ich sofort hellhörig, als ich auf der Steam-Seite las, dass man im mittelalterlich angehauchten Istanbul eine Konkubine spielt, die tagsüber den Harem bespaßt und nachts die Feinde des Osmanischen Reichs meuchelt. Dass man dabei auf Wunsch splitterfasernackt durch Istanbul schnetzeln darf, weckte allerdings erste Zweifel. Ist das hier wirklich eine historisch fundierte Versoftung osmanischer Frauenpower? Wohl kaum. Andererseits: Im Geschichtsunterricht war ich auch nicht gerade aufmerksam – also will ich lieber nicht vorschnell mit dem Finger auf historische Ungenauigkeiten zeigen.
CONCUBINE Dark Fantasy ARPG Game Early Access Trailer In diesem Video wirkt das Spiel gar nicht mal so schlimm.Auf YouTube ansehenDas Spiel beginnt im überraschend detailverliebten Charakter-Editor. Neben Körpertypen, Gesichtszügen und Frisuren lassen sich Busen und Po bis ins kleinste Detail modellieren – selbst die Größe der Brustwarzen kann frei bestimmt werden. Und genauso wie die Oberweite lässt sich auch das Outfit anpassen: Von fast nichts bis völliger Nacktheit ist alles möglich. Einerseits finde ich es lobenswert, dass der Editor derart in die Tiefe geht, andererseits frage ich mich, warum ein Killerspiel zugleich als Masturbationsvorlage dienen muss.
Ich habe fast alle Gegner problemlos mit Pfeil und Bogen erledigt.Glocken des Todes
Die Story: Der Sultan von Istanbul hat keine Männer mehr, die ihn beschützen könnten. Also wählt er eine seiner Konkubinen zur neuen Waffe gegen Verschwörer und Feinde des Reichs. Sie operiert nachts, kehrt morgens in den Harem zurück – und schleicht sich abends wieder hinaus, um weiter zu meucheln. Klingt ein bisschen wie ein vergessener Russ-Meyer-Sexploitation-Plot à la Die Satansweiber von Tittfield. Das Ganze ist jedoch nicht mit ironischem Augenzwinkern inszeniert, sondern vollkommen ernst.
Yay! In ihrer Freizeit darf die Killer-Konkubine Möbel kaufen und den Palast dekorieren.Dass die Dialoge ausschließlich über Texteinblendungen laufen, während die Spielfiguren stocksteif im Raum stehen – Lippen geschlossen, Blick leer –, sorgt immerhin für eine Prise unfreiwilliger Komik. Es wirkt, als hätte man vergessen, die Gesichter zu animieren. Oder als wären alle Figuren betäubt worden, bevor sie vor die virtuelle Kamera mussten.
Too-Early-Access
Tagsüber kann man aktuell kaum etwas anderes tun, als sich lasziv in Szene zu setzen, den Harem zu möblieren, neue Räumlichkeiten zu erschließen und dafür die Credits einzusetzen, die man sich nachts verdient. Warum allerdings die Killer-Konkubine des Sultans nebenbei auch noch als Innenarchitektin arbeiten muss – und die Umgestaltungsmaßnahmen aus eigener Tasche bezahlt –, erschließt sich mir nicht. Ich bin gespannt, ob der Mangel an freizeitlichen Beschäftigungen dem Early-Access-Status geschuldet ist oder ob der Palast auch in ein paar Monaten noch so trostlos wirkt. Den Alltag in einem Harem hatte ich mir jedenfalls etwas unterhaltsamer vorgestellt.
Es gibt eine Menge Waffen und Ausrüstung.Wenn ihr keinen Bock mehr habt, Zimmer zu dekorieren, wählt ihr auf der Karte einen Einsatzort – von denen ihr im Laufe der Spielzeit immer mehr freischaltet. Ihr werdet dann ins Zielgebiet gebeamt, wo ihr herumlaufen, Gegner mit Nah- oder Fernkampfwaffen abmurksen und Loot einsammeln könnt. Die Steuerung ist dabei grottenschlecht und völlig unpräzise. Zwar lässt sich im Menü die Controller-Steuerung aktivieren, wirklich funktionieren tut sie aber nicht. Dasselbe gilt für den Skilltree: Der ist zwar sichtbar, lässt sich aber nicht benutzen.
Oft werden so viele Infos eingeblendet, dass man nichts mehr vom Kampf sieht.Da die Gegnerintelligenz etwa so niedrig ist wie die des Zielpublikums, dem dieses Spiel gefallen soll, konnte ich fast alle Feinde bequem einen nach dem anderen aus sicherer Entfernung mit Pfeil und Bogen erledigen. Und falls doch mal einer der Trottel auf die Idee kam, sich mir zu nähern, machte ich einfach entspannt ein paar Sidesteps um ein paar Kisten oder andere Objekte herum – bis er nicht mehr wusste, wie man Angriff oder Wegfindung buchstabiert.
In meinem ersten Einsatz wusste ich nicht, wo vorne oder hinten ist.Die nackte Wahrheit
Nicht nur spielerisch sind die Missionen ein Witz, sondern auch technisch. Alles in diesem Spiel wirkt grobschlächtig, unpräzise, karg und lieblos. Und obwohl die Grafik meilenweit von allem entfernt ist, was man heute als „zeitgemäß“ bezeichnen würde, reizt Concubine die PC-Hardware ziemlich. Ein Steam-Rezensent vermutet: Eine CPU- und GPU-Auslastung zwischen 70 und 100 Prozent bei einem Erotikspiel sei in der Regel ein deutliches Warnsignal – häufig ein Hinweis auf einen potenziellen Kryptominer. In einem Kommentar unter der Rezension versichern die Entwickler allerdings, dass es sich bei Concubine nicht um einen solchen Fall handle. Interessantes Detail – und sicher nur reiner Zufall: Die meisten Steam-Accounts, die das Spiel in den Himmel loben, sind auf privat gestellt und haben Steam-Level 0.
Die Waffen, die mir Herr Schnauzbart verkaufen will, sind immer schlechter als jene, die ich während der Missionen finde.In anderen Steam-Reviews wird das Spiel wiederum als dreiste Kopie von She Will Punish Them beschrieben, wobei ich gestehen muss, dass ich besagten Titel nicht kenne. Anscheinend ist der einzige Unterschied, dass man dort keine Haremsdame, sondern eine Dämonin spielt. Ansonsten klingt das Ganze sehr ähnlich: Ein Third-Person-Action-RPG mit klassischen Hack’n’Slash-Elementen. Man erkundet unterschiedliche Levels, plündert Truhen, kämpft mit Nah- und Fernkampfwaffen, rekrutiert Begleiterinnen, dekoriert den Palast und verwaltet ein relativ simples Inventar-System. Wobei She Will Punish Them in allen Belangen überlegen scheint – sowohl grafisch als auch spielerisch. Vermutlich sind ohnehin 99 % aller Spiele da draußen besser als Concubine.
Es gibt keine Sprachausgabe und auch keine Gesichtsanimationen.Apropos: Auf der Entwickler-Website heißt es, das Team bringe zusammen rund 30 Jahre Erfahrung in der Videospielbranche mit. Davon merkt man beim Spielen herzlich wenig. Concubine wirkt in nahezu allen Belangen amateurhaft – und hätte man mir gesagt, es stamme von einem einsamen Incel, der das Spiel abends auf seinem Laptop zusammengeklöppelt hat, während er auf 4chan darüber wettert, dass ihm Ariana Grande zu dünn ist, hätte ich das sofort geglaubt.
Sex sells auch nicht alles
Ja, es ist ein Early-Access-Titel. Ja, theoretisch kann sich noch vieles verbessern. Aber realistisch betrachtet bin ich nicht gerade optimistisch, was die Qualität des Endprodukts angeht. Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass Menschen, die in einem Action-RPG unbedingt nackte Frauen sehen wollen, sich mit einer derart niedrigen Qualität zufriedengeben. Es mangelt schließlich nicht an sexuell expliziten Inhalten im Netz – und ganz ehrlich: Dann spiele ich lieber zum zehnten Mal Assassin’s Creed, während ich mir auf dem Handy ein paar Nacktvideos reinziehe, als auch nur eine weitere Minute an dieses Machwerk zu verschwenden.
Mein Block wurde broken, aber ich weiß nicht genau, warum das der Fall ist.Geplant ist laut Entwickler eine mehrmonatige Early-Access-Phase bis voraussichtlich Q1 2026, mit regelmäßigem, feedbackbasiertem Feintuning. Die Vollversion soll neue Waffen, Gegner, Outfits, Bosse, Regionen und ein finales Kapitel der Geschichte enthalten. Wenn man sich jedoch die derzeit verfügbare Version ansieht, wirkt das Ganze eher wie ein Spiel, das frühestens in ein bis zwei Jahren fertig sein könnte – es sei denn, die Entwickler haben extrem niedrige Ansprüche an ihr eigenes Produkt.
Was mich am meisten wundert, ist das völlige Fehlen jeglicher Selbstironie oder eines satirischen Anstrichs – so wie man es aus der Filmbranche kennt, wo Streifen wie Bad CGI Gator oder The VelociPastor gar nicht erst versuchen, ihre Schrottigkeit als hohe Kunst zu verkaufen, sondern mit ihren Unzulänglichkeiten kokettieren und ihren Trash-Charme bewusst feiern.
Ihr könnt euch auch in sexy Posen präsentieren.Concubine wird jedoch als ernstzunehmendes „sinnliches Dark-Fantasy-Hack-&-Slash-ARPG“ vermarktet, in dem ihr „die monumentalen Schauplätze des mittelalterlichen Istanbuls erkundet und intensive Kämpfe gegen die Horden eines geheimen Kults führt, angeführt von monströsen Bossgegnern aus der antiken anatolischen Mythologie“.
Die Wahrheit ist: Concubine ist weniger Early Access als ein Early Accident.









