Nintendo zeigt sich endlich mal wieder richtig kreativ. Schon beim Marketing wusste Donkey Kong Bananza aufzufallen: Der unscheinbare Stein auf Donkey Kongs Rücken entpuppt sich als Pauline und schlägt damit eine größere Kurve übers Mario-Franchise. Ja, damit schiele ich auf Super Mario Odyssey. Nun war ich zum Anspielen bei Nintendo in Frankfurt und durfte bereits drei Stunden lang fünf Gebiete des kommenden Donkey Kong-Abenteuers anspielen – und es wurde bestätigt, was schon offensichtlich spekuliert wurde: Ja, es handelt sich beim Entwicklerteam um das von Super Mario Odyssey.

Wie immer seht ihr das Spiel in seiner vollen Aktion im obigen Video. Dort gehe ich detailliert auf Geschichte, Spielelemente, Welten und Musik von Donkey Kong Bananza ein. Im Vordergrund steht Donkey Kongs Fähigkeit, seine rohe Gewalt bei der Suche nach Bananen durch alle Ebenen der Erde sinnvoll einzusetzen. Beim Spielen hatten wir alle Freiheiten, daher hatte ich hier das Gefühl, mir ein sehr umfangreiches Bild machen zu können.

Ausgraben, aufheben, anfreunden

Und "Boom" macht es sehr oft bei Donkey Kong Bananza | Image credit: Donkey Kong Bananza, Nintendo

Die Prämisse von Bananza ist eher sehr einfach gestrickt: Donkey Kong ist der stärkste Affe im Bergbau der Ingot-Inseln. Während andere Affen für die Suche nach wertvollen Kristall-Bananen (Da rieche ich doch eine Swarovski-Kollaboration) Spitzhacke und Helm brauchen, schafft Nintendos Lieblingsaffe das mit bloßen Fäusten. Sein größter Traum: Bananen. Als DK einen lila Stein aus einem Krater holt, entpuppt sich dieser später als Pauline. Pauline hat einen ganz anderen Traum, aber das gleiche Ziel: Den Erdkern erreichen.

So beginnt eure gemeinsame Reise in die tiefsten Schichten der Erde. Diese Rahmenhandlung steht zwar Nintendo-typisch nicht im Vordergrund und kann auch ein bisschen vernachlässigt werden, es gibt aber trotzdem häufig sehr schön animierte Szenen, die mit Paulines Gesang an Disneyfilme erinnern. Auch die Dynamik zwischen dem kleinen Mädchen und ihrem großen Affen entwickelt sich im Laufe des Spiels interessant weiter und wirkte auf mich sehr sympathisch.

Die Erdschichten sind gleichzeitig die Level des Spiels, die aufzeigen, wie gutes Spieldesign funktioniert: Donkey Kong kann alles zerstören, zerreißen und sogar Teile aus dem Boden oder der Wand heben und die dann auf Gegner oder andere Wände schmeißen. Wie diese ausgerissenen Teile funktionieren, hängt vom Material ab. Nehmt ihr ein Stück Stein, verursacht dieser Schaden oder zerstört Wände, nehmt ihr knisternde Steine, werden sie zur Bumm-Bombe, sobald sie auf härteres Material treffen – gut, um Metall zu beseitigen. Hebt ihr hingegen Lehm oder tonartiges Terrain auf, dann klebt es an anderen Oberflächen, womit ihr euch neue Wege bauen könnt.

Die Karte zeigt alle Schichten des Levels und ist generell sehr gut überschaubar. | Image credit: Donkey Konz Bananza, Nintendo

Obwohl das alles sehr schnell und oft gleichzeitig passiert, fühlt man sich aber nie verloren. Intuitiv wusste ich immer, wohin es zur nächsten Mission ging. Die letzten zwei Level brachten außerdem mehr Hindernisse und Gegner mit, die auch mal zum Nachdenken und kreativ werden anregten. Es scheint mir, da etabliert sich ein gutes Pacing und ein angenehmes Wachstum der Schwierigkeit beim Durchschreiten der Geschichte. Das einzige Manko: Wenn die Kamera mal an der Oberfläche stecken bleibt, während DK sich weiter in den Boden buddelt. Es passierte nicht so oft, aber wenn doch, dann wurde ich schon dolle aus der Immersion gerissen.

Beim Buddeln findet ihr ständig Geld, Juwelen, Schatztruhen, über die ich mich besonders gefreut habe, und anderen glitzernden Sammelkram, der sich sogleich in Währung umwandelt: manchmal Fossile zum Tauschen für Kleidungsstücke von DK und Pauline, ein anderes Mal Bananen, die neue Fähigkeiten freischalten. Traut sich Pauline erstmal zu singen, dann erhält DK Superfähigkeiten und verwandelt sich in verschiedene Tiere. Zum Beispiel in einen Supersayajin– äh, leuchtenden Riesenaffen, womit er stärker wird und zum Beispiel Metall durch bloße Fäuste zerstören kann. Oder in einen Strauß, der kurzzeitig durch die Luft flattert. Wie die Trailer vermuten lassen, werden das aber bei weitem nicht die einzigen Transformationen sein, die DK bereithält.

Interessante Spielemechaniken bei den Retro-Leveln von Donkey Kong Bananza | Image credit: Donkey Kong Bananza, Nintendo

Hier und da gibt es auch besondere Portale, die euch zu Leveln im klassischen 2,5-D-Donkey-Kong-Stil mit Seitenansicht führen. Die strotzen nicht nur von Nostalgie, sondern eben auch vor genau dem Spielgefühl, das man vom alten DK kennt. Und da könnt ihr auch nicht die Light-Version erwarten, sondern auch mal ordentlich komplexe Level, welche die Spielmechaniken von Donkey Kong Bananza sehr gekonnt in die alten Level mit einführen.

Donkey Kong Bananza scheint also insgesamt eine kreative, vielschichtige Sandbox voller Bananen und anderer Diamanten zu werden. Die zuckersüße Dynamik zwischen Pauline und Donkey Kong unterstreicht das freie und kindliche Spielgefühl. Dass die Kamera hier und da mal stecken bleibt, ist zwar ärgerlich, ändert aber nicht wirklich was am Spaß und das nehme ich für ein frisches Leveldesign gerne in Kauf. Ich hab richtig Bock und glaube, das hier wird das erste richtige Spielehighlight für die Switch 2.