Ace Combat 8 angespielt: Das Spektakel in den Wolken liefert die richtige Dosis Pathos
Was ist Ace Combat 8: Wings of Theve?
Der achte Teil erscheint gut 30 Jahre nach dem Debüt der traditionsreichen Serie. Im Mittelpunkt stehen einmal mehr die Luftkämpfe eines frei erfundenen Krieges in einer ebenso fiktiven Welt, wobei der Schwerpunkt auf zugänglicher, spektakulärer Action liegt. Die Geschichte steht etwas stärker im Vordergrund als zuletzt und wird zu einem großen Teil in Ego-Perspektive inszeniert. Herauskommen soll das Spiel am 2. Oktober für PC, PlayStation 5 und Xbox-Series-Konsolen.
Ich wurde gerade aus einem Rettungsboot gefischt, da geht es vom Flugzeugträger schon ins Cockpit – nur dass ich meinem Fliegerass dabei nicht zusehe, sondern das alles durch seine Augen erlebe, als würde ich es selbst tun. Dann schließt sich die Kabine und nur wenige Sekunden später bin ich in der Luft. Mit diesem nahtlosen Übergang beginnt die erste Mission in Ace Combat 8 und dieser buchstäbliche Einstieg hat mir ausgesprochen gut gefallen!
Realtiv schwach verteidigte Bodenziele gehören wie üblich zu den einfachsten Zielen.Selbstverständlich muss man nicht jedes Mal die gesamte Prozedur erleben oder gar drauf warten, bis der Flieger endlich im Einsatzgebiet angekommen ist. Ace Combat 8 ist noch immer keine Simulation, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche, nämlich die aufregende Action im Kampf mit anderen Piloten oder gegen Ziele am Boden.
Gemeinsam mittendrin
Es gibt euch außerdem nicht die Kontrolle darüber, wohin ihr geht oder schaut. Die Filmsequenzen aus der Ego-Perspektive laufen vollautomatisch ab, um dem Tempo des kurzweiligen Spektakels gerecht zu werden. So erklären es Brand Director Kazutoki Kono und Producer Manabu Shimomoto, mit denen ich auf einem von Bandai Namco organisierten Event kurz sprechen konnte, wo ich Ace Combat 8 einige Stunden lang gespielt habe. Natürlich hätten die Entwickler darüber nachgedacht, den Spieler frei über das Deck und in die Besprechungsräume spazieren zu lassen. Das könne nach dem Abklingen der anfänglichen Faszination jedoch in Arbeit ausarten, was nicht im Sinne des gewünschten Spielgefühls sei.
Die Geschichte wird zum größten Teil aus den Augen der Hauptfigur inszeniert.Man ist also aus den Augen des stummen Protagonisten oder der stummen Protagonistin (das obliegt allein eurer Fantasie) dabei, wenn er beziehungsweise sie Freundschaften schließt oder an Missionsbesprechungen teilnimmt und zu Beginn eben aus dem Meer gefischt wird. Fürs Militär ist das ein guter Fang! Das macht aus der Rettungsaktion nämlich einen PR-Stunt, indem es euch den Titel eines legendären Piloten verleiht, der seinem Land als Symbol für den Verteidigungskrieg gegen die Invasion aus Sotoa dient. Sein Rufname: Wings of Theve.
Ihr müsst euch das nicht merken, aber Ace Combat 8 spielt erneut in Strangereal, etwa zehn Jahre nach den Ereignissen des letzten Teils. Nachdem das erwähnte Sotoa wirtschaftlich und politisch in die Enge gedrängt wurde, hat es einen Angriffskrieg gestartet, auf den Strangereal nicht vorbereitet war. So ist euer Flugzeugträger, die Endurance, nicht gerade der Technik letzter Schrei, während der Gegner mit teils gigantischer Kriegsmaschinerie angreift.
Ich gehe später noch darauf ein, aber manche Wolkenformationen sehen beeindruckend aus.Da ist zum Beispiel das 450 Meter lange „Land-Schlachtschiff“: eine schwer bewaffnete ausgestattete Festung samt Railgun, die sich durch die einstürzenden Wolkenkratzer einer Stadt schiebt. Damit die eigenen, mit Sprengsätzen gespickten Lastwagen die Panzerung vor dem Fahrwerk dieses Bollwerks ausschalten können, sollte man feindliche Drohnen zerstören, gleichzeitig der Railgun sowie schweren Geschütztürmen und feindlichen Fliegern aus dem Weg gehen und anschließend die von den Lastwagen freigelegten Schwachstellen zerstören.
Das ist kein Kinderspiel – weshalb man nicht alles davon alleine tun muss. Immerhin darf man über vier taktische Muster das Verhalten der Flügelmänner bestimmen. Daraufhin greifen sie das aktuell gewählte Ziel an, agieren komplett selbstständig oder dienen einem als Geleitschutz. Man darf sie außerdem anweisen, Spezialwaffen zu verwenden und kann genau das unterbinden. Und es gibt missionsabhängige Funksprüche, bei denen die Antwort darüber entscheidet, wie sich eine Situation weiterentwickelt. Einmal wurde ich zum Beispiel gefragt, ob eine andere Pilotin Gegner auf sich ziehen soll oder lieber nicht.
Hier sieht man ganz gut, wie groß das 450 Meter lange Land-Schlachtschiff ist.Dass jede Mission dabei von einem munteren Schnattern begleitet wird, in das sich sogar feindliche Piloten einklinken, versteht sich von selbst. Und natürlich wird das alles nicht nur während der Flüge, sondern vor allem in Filmsequenzen mit so viel Kitsch und Pathos inszeniert, wie es vielen japanischen Erzählungen eigen ist. Wobei Pathos nicht im Sinne des unsäglichen Fires of Liberation gemeint ist. Aber wenn es während der Missionsbeschreibung zum Beispiel heißt, dass teure Hotels abgerissen werden müssen, um das Schlachtschiff auszubremsen, dann unterbricht eine Pilotin ihre Vorgesetzte sinngemäß seufzend mit: „Echt jetzt? Aber die hatten den besten Kuchen weit und breit!“
Zwischen den Wolken...
Und wie fühlt sich das eigentliche Fliegen an? Genauso gut wie im Vorgänger, in dessen Vorgänger sowie dem Vorgänger davor und so weiter. Ace Combat 8 macht praktisch genau da weiter, wo Teil sieben zu Ende war, was auch die Steuerung samt der Wahl zwischen einem vereinfachten und dem (relativ) simulationslastigen Flugmodell betrifft. Wer es noch nicht kennt: Das vereinfachte verzichtet unter anderem auf das Rollen des Jets und verstärkt dafür das horizontale Verschieben der Nase, sodass die Steuerung eher einem Shooter gleicht als der eines Flugzeugs.
Wagemutige schalten den Schwierigkeitsgrad dabei auf die höchste Stufe, während cineastische Genießer den Storymodus wählen. Ambitionierte Einsteiger tasten sich außerdem im neuen Trainingsmodus an das Niveau heran, auf dem sie sich wohlfühlen. Abgesehen davon haben die Entwickler großen Wert auf ein gutes Tutorial gelegt, sodass sich Neulinge von Beginn an wohlfühlen sollen.
Ähnlich wie im Vorgänger verdient man durch abgeschlossene Missionen schließlich Geld, das man in zusätzliche Flugzeuge sowie Upgrades steckt, über die man die Eigenschaften des Flugzeugs modifiziert. Mit denen ist man unter anderem wendiger oder schaltet Gegner schneller auf, wobei man nur eine begrenzte Anzahl dieser Teile verbauen darf. Die sind neuerdings zudem in drei Kategorien unterteilt, von denen jede noch mal ihr eigenes Limit maximal einsetzbarer Modifikatoren hat. Selbst den Flügelmännern darf man eigenhändig Flugzeuge und Ausrüstung verpassen – anschließend weist das Spiel dann darauf hin, ob die gewählte Zusammenstellung für die kommende Mission sinnvoll ist.
Jedes Flugzeug darf man mit Upgrades versehen, die Flug- und andere Eigenschaften verändern.Und wie gesagt: Einmal in der Luft, fühlt man sich als halbwegs erfahrener virtueller Pilot sofort wohl und genießt abwechslungsreiche Einsätze mit spielerisch verschiedenen Kapiteln, in denen ständig etwas Unvorhergesehenes passiert. Zumal Ace Combat 8 auch grafisch eine verdammt gute Figur macht. Die Flugzeuge sehen ohnehin klasse aus und sowohl Inselgruppen – ob bebaut oder nicht – wirken erfreulich detailliert als auch... Oh! Ich hatte die Wolken ja noch nicht erwähnt.
Denen wurde beim Sprung auf Unreal Engine 5 nämlich besondere Aufmerksamkeit zuteil, sodass ich für die Vorschau schon zwischen teils beeindruckenden „Wattebergen“ unterwegs war. Schön ist es dabei, wenn das Wasser am Cockpit kondensiert, nachdem man in eine fluffige Schafswolke getaucht ist. Bedrohlich wirkt es dagegen, wenn die Elektronik ausfällt, weil man einen Gegner in einen grauen Gewitterberg verfolgt hat. Und cool ist es auf jeden Fall, wenn man in beiden Fällen die Ruhe bewahrt und den (simplen) Instrumentenflug beherrscht, um genau hinter dem anvisierten Feind ins Himmelblau zurückzukehren.
Klassische Dogfights spielen natürlich eine große Rolle. Die Stärke von Ace Combat ist aber erneut das Erschaffen sehr unterschiedlicher und oft unvorhersehbarer Situationen.Chemtr... sorry: Kondensstreifen verraten außerdem die Flugbahn anderer Flieger und was ebenfalls neu ist: Zerstörtes Material bleibt jetzt noch eine Weile als Schrott erhalten, der bei einem Zusammenstoß Schaden anrichten kann. Passt also auf, dass der zerstörte Propeller eines riesigen Vogels nicht in eurem Armaturenbrett steckenbleibt!
Nein, so weit geht das natürlich nicht – was allerdings nichts daran ändert, dass ich einen Heidenspaß mit der frühen Version von Ace Combat 8 hatte, um zuhause gleich Teil sieben sowie Project Wingman noch mal zu installieren. Vor allem aber freue ich mich jetzt darauf, als Wings of Theve fiktive Geschichte zu schreiben, wenn das Spiel am 2. Oktober vom Deck der Endurance startet.









