Onimusha: Way of the Sword – Capcoms fast vergessener Underdog ist einfach unnachahmlich. Wir sind sowas von wieder da!
Wenn eine Serie nach fast zwanzig Jahren wieder fortgesetzt wird, ist man ja immer ein bisschen vorsichtig. Wie viele Leute von damals kommen hierfür zurück? Wird der Geist des Originals eingefangen? Brauchen wir heute überhaupt noch Onimusha? Schließlich sind Samurai-Spiele mit dämonischen Gegnern heute keine Seltenheit mehr. Die Nioh-Reihe oder Titel wie Sekiro und auch diverse kleinere Spiele haben dieses Feld in der Zeit, seit dem letzten Onimusha reich bestellt.
Und dann darf man sich bei Capcom eine etwa viertelstündige Demo anschauen – leider nicht spielen – und spürt ihn direkt wieder, diesen unverwechselbaren Charme dieser Reihe.
Ein legendäres Gesicht für einen legendären Charakter
Das beginnt bereits mit der Tatsache, dass die Handlung erneut in die reale Historie des Landes eingebunden ist und man als Hauptcharakter erneut eine reale historische Person wählte, der man das Gesicht eines berühmten japanischen Schauspielers verlieh: Hier spielen wir den legendären Samurai Musashi Miyamoto, der sich das Gesicht von Toshiro Mifune (Yojimbo, Seven Samurai, und viele, viele mehr) borgte und widerwillig Besitzer eines Oni-Handschuhs wurde. Den will er, zusammen mit der weiblichen Stimme, die in dem Armschutz zu wohnen scheint, tunlichst wieder loswerden. Aber natürlich überziehen Dämonen das Land und das neue Stück Ausrüstung erweist sich als extrem praktisch.
Onimusha: Way of the Sword - 2nd Trailer: Formidable Foes Emerge Auf YouTube ansehenDas Spiel versprüht direkt wieder diese verschrobene, aber irgendwie selbstbewusste Extravaganz, wenn man in der Gegend um den Kiyomizu Tempel finsteren Geschehnissen nachgeht oder sich mit der Stimme im Handschuh kabbelt. Was hier an Gegnern kreucht und fleucht, ist derart fantasievoll und meisterhaft gestaltet, die Feinde können mit dem ikonenhaften Antlitz Mifunes problemlos mithalten. Klar sind da die normalen, pilzköpfigen, vernarbten Genma-Dämonen. Aber vor allem die schwebenden Genma sind wirklich eine Augenweide: Sie schlucken die Seelen, die ihr eigentlich eurem Oni-Handschuh einverleiben wollt, und nutzen sie, um magische Attacken auszuführen.
Wie sich ihre gallertartigen Körper mit dem Verzehr der Seelen verformen, ihre kränkelnden Nagetieraugen sich widerwärtig denen und verschieben, ist mein liebster visueller Effekt seit langer Zeit. Dachte ich jedenfalls, ich die gefiederten Ninjas gesehen hatte, die von oben als Krähenvögel heran rauschen und sich während der Landung transformieren. Unfassbar kunstvolles Animationshandwerk, das Capcom hier zur Schau stellt.
Überhaupt bewegt sich hier sowieso alles unfassbar stimmig: Insbesondere überzeugt der Schwertkampf in alle Himmelsrichtungen durch Präzision und echt wirkenden, kraftvollen Kontakt. Das wirkt schon beim Zuschauen gefährlich. So und nicht anders muss man Schwerter in Videospielen umsetzen. Spielerisch ist vor allem das Einbinden der Umgebung interessant, wenn man Bambusmatten aufstellt und das Schutz benutzt oder Feinde in Fackeln schubst, um sie zu entzünden. Oder ihr wuchtet sie in aufgehängte Decken, auf dass sie blind um sich schlagen und ihre Kollegen treffen, anstatt euch.
Feinde aus allen Richtungen.Issen Kunstwerk!
Schönspieler freuen sich darüber, dass sie Pfeile nicht nur abwehren und reflektieren, sondern auch auf umstehende Feinde umlenken können. Und sogar die Issen-Konter sind zurück: Noch heute die offensivste Form der Verteidigung: Schlagt ihr mit perfektem Timing exakt in dem Moment zu, in dem euer Gegner euch eigentlich treffen würde, kommt ihr ihm zuvor und erledigt ihn mit einem einzigen Hieb. Neuerdings darf man den Issen auch zur Issen-Chain ausweiten und gleich mehrere Feinde in direkter Folge abholzen. So beendet man Kämpfe, bevor sie überhaupt beginnen. Interessanterweise folgt die Wunde dabei exakt dem Lauf der Klinge. Ich habe gesehen, wie Musashi Miyamoto einem Genma mit einem Issen den Rücken abhobelte. Ein Gedanke, bei dem mir innerlich ein bisschen anders wurde. Die Issen-Breaks unterdessen lassen euch bestimmte Körperteile anvisieren. Je nach getroffener Region wird dann ein anderer Effekt erzielt.
Weiterhin gibt es spezielle Waffen, wie etwa die Doppeldolche, bei deren Einsatz die Gegner Lebensenergie-spendende Seelen ausspucken. Leichte Puzzle-Elemente sind ebenfalls wieder mit von der Partie. Allerdings wird das Absuchen der Umgebung per Oni-Vision, um versteckte, dämonische Wucherungen zu lokalisieren, erfahrene Spielerinnen und Spieler wohl nicht vor maximale Herausforderungen stellen. Aber da es hier ohnehin um die Kämpfe geht, ist es schon in Ordnung, wenn Rätsel euren Fortschritt nicht allzu sehr bremsen.
Die Gegnerdesigns sind zum Teil extrem ausgefeilt und geradezu verschwenderisch animiert.Ein anderes Highlight war übrigens einer der Antagonisten: Sasaki Ganryu war auch im echten Leben ein Rivale Musashi Miyamotos und ist in Way of the Sword ebenfalls Träger eines Oni-Handschuhs. Mit dem Unterschied, dass er Gefallen an dem Ding findet. Das Duell der beiden auf dem Kiyomizu-Tempel war ein wunderhübsch choreografierter Zweikampf, in dem sichtlich eine Menge Gift steckte.
Die erste Möglichkeit, Onimusha Way of the Sword mal selbst anzuspielen, kann jedenfalls nicht früh genug kommen. Ein verspieltes, technisches Kampfsystem mit einer Fülle an Optionen, ein ureigener Charakter, der Finsternis und Leichtigkeit gekonnt in der Waage hält und eine selbstbewusste, serientreue Art Direction lassen die Veröffentlichung im nächsten Jahr in geradezu unfair wirkender Ferne erscheinen. Ich weiß, es gibt im Grunde genug zum Spielen, aber dieses hier hätte ich lieber früher als später.









