Im August 2025 war die Lage noch ziemlich eindeutig: Spotify hatte seine Preise erhöht, Apple Music war günstiger, und selbst umfangreiche Playlists ließen sich inzwischen mit überschaubarem Aufwand übertragen. Wer ohnehin über einen Wechsel nachdachte, bekam damit ein brauchbares Argument für Apple Music.

Knapp elf Monate später zieht Apple nach. Seit Mitte Juli 2026 kostet Apple Music in Deutschland mehr. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, ob der damalige Wechsel voreilig war und nun alle wieder zurück zu Spotify sollten.

Die Antwort fällt weniger spektakulär aus: Apple Music ist teurer geworden, liegt bei den wichtigsten Tarifen aber weiterhin unter Spotify. Der Wechsel war deshalb nicht umsonst. Die neue Preisrunde zeigt allerdings, wie schnell ein vermeintlich dauerhafter Preisvorteil beim Musikstreaming verschwinden kann.

Wie Playlists zwischen den beiden Diensten übertragen werden können, haben wir bereits in unserem Beitrag Spotify wird teurer – so nimmst du deine Playlists einfach mit zu Apple Music ausführlich erklärt.

Apple Music verliert seinen deutlichen Preisvorteil

Apple erhöht den Preis des Einzelabos von 10,99 auf 11,99 Euro pro Monat. Studenten zahlen künftig 6,99 statt 5,99 Euro. Besonders kräftig fällt die Anpassung beim Familienabo aus: Hier steigt der Monatspreis von 16,99 auf 19,99 Euro. Für Neukunden gelten die neuen Preise bereits, bestehende Abonnenten werden über die Änderung informiert und anschließend auf den neuen Tarif umgestellt. Als Begründung nennt Apple gestiegene Lizenzkosten.
Ein Euro mehr im Monat beim Einzelabo dürfte viele Nutzer ärgern, aber nur wenige unmittelbar zur Kündigung bewegen. Beim Familienabo sieht die Rechnung anders aus. Drei Euro zusätzlich ergeben 36 Euro pro Jahr. Apple erhöht diesen Tarif damit um rund 18 Prozent, ohne dass gleichzeitig ein neuer Leistungsumfang angekündigt wurde.

Das Familienabo war bislang eines der stärksten Preisargumente für Apple Music. Bis zu sechs Personen konnten den Dienst für 16,99 Euro nutzen. Mit nun 19,99 Euro bleibt das Angebot konkurrenzfähig, der Abstand zu Spotify fällt aber deutlich kleiner aus.

Spotify ist weiterhin nicht günstiger

Der direkte Preisvergleich spricht auch nach der Apple-Erhöhung nicht für eine Rückkehr zu Spotify. Das Spotify-Einzelabo kostet in Deutschland derzeit 12,99 Euro pro Monat. Premium Family liegt bei 21,99 Euro, der Studententarif bei 6,99 Euro. Zusätzlich bietet Spotify ein Duo-Abo für zwei Personen zum Preis von 17,99 Euro an.

TarifApple MusicSpotifyEinzelperson11,99 Euro12,99 EuroZwei Personenkein eigener Duo-Tarif17,99 EuroFamilie19,99 Euro21,99 EuroStudenten6,99 Euro6,99 Euro

Beim Einzelabo bleibt Apple Music einen Euro pro Monat günstiger. Auf ein Jahr gerechnet beträgt der Unterschied zwölf Euro. Familien zahlen bei Apple weiterhin zwei Euro weniger pro Monat und sparen damit gegenüber Spotify 24 Euro im Jahr. Studenten zahlen bei beiden Anbietern denselben Preis. Die offiziellen Apple-Tarife umfassen beim Familienabo bis zu sechs Personen mit jeweils eigener Mediathek und eigenen Empfehlungen.

Für einen Haushalt mit genau zwei Nutzern kann Spotify Duo allerdings interessant sein. Der Tarif kostet zwei Euro weniger als Apple Music Family, ist jedoch auf zwei Konten begrenzt. Apple bietet zwischen Einzel- und Familienabo keinen vergleichbaren Tarif an.

Wer 2025 allein wegen des niedrigeren Preises zu Apple Music gewechselt ist, hat daher keinen finanziellen Grund, nun wieder zurückzugehen. Spotify kostet weiterhin mehr oder im Studententarif genauso viel. Ein erneuter Umzug der Playlists würde Arbeit verursachen, ohne anschließend die monatlichen Ausgaben zu reduzieren.

Umsonst war der Wechsel trotzdem nicht

Die Formulierung im Titel lässt sich auch wörtlich beantworten. Wer nach der Spotify-Erhöhung im vergangenen Jahr zu Apple Music gewechselt ist, hat in den Monaten bis zur aktuellen Preisanpassung weniger bezahlt. Dieser Vorteil wird durch die neue Preisrunde nicht rückwirkend aufgehoben.

Hinzu kommt, dass ein Musikdienst selten ausschließlich über den Monatspreis ausgewählt wird. Nach einigen Monaten entstehen neue Playlists, Favoriten werden gespeichert und die Empfehlungen passen sich an das Hörverhalten an. Auch Lautsprecher, Smart-TVs, Autos und Sprachassistenten können bei der Entscheidung eine Rolle spielen.

Ein Wechsel zurück zu Spotify ergibt deshalb erst dann Sinn, wenn dort Funktionen oder die Bedienung besser zum eigenen Alltag passen. Ein einzelner Euro Preisunterschied reicht als Argument kaum aus, wenn man mit Apple Music zufrieden ist. Wer Apple Music wegen Lossless Audio, 3D Audio oder der Einbindung in Apple-Geräte nutzt, bekommt diese Funktionen weiterhin im regulären Abonnement. Apple nennt außerdem den Zugang zu Apple Music Classical als Bestandteil des Tarifs.

Das gilt umgekehrt genauso. Wer Spotify wegen seiner Oberfläche, seiner Empfehlungen oder der Nutzung auf unterschiedlichen Geräten bevorzugt, wird kaum allein wegen zwölf oder 24 Euro im Jahr wechseln. Die Abopreise liegen inzwischen so nah beieinander, dass die praktische Nutzung stärker ins Gewicht fällt.

Der Familienpreis ist die eigentliche Nachricht

Beim Einzelabo folgt Apple dem inzwischen üblichen Muster der Streaminganbieter: Der Preis steigt um einen Euro, während das Angebot im Wesentlichen gleich bleibt. Das ist ärgerlich, verändert die Marktposition aber kaum.

Beim Familienabo verschiebt sich die Rechnung deutlicher. Ein Sprung von 16,99 auf 19,99 Euro lässt sich schwerer übersehen. Gerade Familien sammeln häufig mehrere digitale Abonnements gleichzeitig. Musikstreaming, Videodienste, Cloud-Speicher, Spiele-Abos und Software erscheinen einzeln noch bezahlbar, ergeben zusammen aber eine beträchtliche monatliche Belastung.

Die Reaktionen auf die Preiserhöhung zeigen deshalb auch keine große Bewegung zurück zu Spotify. In den Kommentaren unter der Meldung schreiben mehrere Nutzer eher darüber, Musikstreaming komplett zu reduzieren, vorhandene CDs zu digitalisieren oder eine eigene Musikbibliothek auf einem Server aufzubauen. Andere behalten Apple Music, weil ihnen die Erhöhung noch nicht hoch genug für eine Kündigung erscheint. Diese Kommentare sind nicht repräsentativ, zeigen aber eine interessantere Reaktion als den einfachen Wechsel zum nächsten kostenpflichtigen Dienst.

Für Gelegenheitsnutzer stellt sich zunehmend die Frage, ob ein dauerhaftes Musikabo überhaupt nötig ist. Wer jeden Tag mehrere Stunden Musik hört und regelmäßig neue Titel entdeckt, bekommt für zwölf Euro weiterhin viel geboten. Wer überwiegend dieselben Alben hört, zahlt möglicherweise jahrelang für einen Katalog, den er kaum nutzt.

Der alte Wechsel-Guide bleibt aktuell

Unser damaliger Beitrag verliert durch die Preiserhöhung nicht seinen Nutzen. Dienste wie Soundiiz, TuneMyMusic, FreeYourMusic oder SongShift senken die Hürde beim Anbieterwechsel erheblich. Playlists müssen nicht mehr Titel für Titel neu angelegt werden.

Der wichtigste Punkt hat sich allerdings verändert. Der Transfer sollte nicht mehr als Einbahnstraße von Spotify zu Apple Music verstanden werden. Die Werkzeuge sind vor allem eine Absicherung gegen die Bindung an einen Anbieter. Wer seine Playlists übertragen kann, ist bei der nächsten Preiserhöhung oder Funktionsänderung weniger abhängig.

Dabei bleibt eine Einschränkung: Übertragen werden vor allem Songs, Alben und Playlists. Die über Jahre entstandene Hörhistorie, persönliche Empfehlungen und manche dienstspezifischen Inhalte ziehen nicht vollständig mit um. Technisch ist ein Wechsel heute einfach, völlig verlustfrei ist er weiterhin nicht.

Ein Anbieterwechsel wegen eines Euros lohnt selten

Apple Music ist nach der Preiserhöhung kein besonderes Schnäppchen mehr. Beim Einzel- und Familienabo bleibt der Dienst dennoch günstiger als Spotify. Studenten zahlen bei beiden Anbietern gleich viel, während Spotify mit seinem Duo-Tarif eine eigene Lösung für Zwei-Personen-Haushalte anbietet.

Der Wechsel von Spotify zu Apple Music war damit nicht umsonst. Wer mit Apple Music zufrieden ist, spart weiterhin etwas Geld und hat keinen Anlass, wegen der aktuellen Erhöhung sofort zurückzukehren.

Interessanter ist eine andere Konsequenz: Der jeweils günstigere Streamingdienst kann seinen Preisvorteil jederzeit verkleinern. Ein Wechsel allein wegen des aktuellen Monatspreises ist deshalb eine kurzfristige Rechnung. Bedienung, Geräteunterstützung und die tatsächliche Nutzung des Abos sind inzwischen die belastbareren Kriterien.