Es gibt MMORPGs, die dich mit einer Taverne, einem Holzschwert und drei Ratten im Startgebiet begrüßen. RF Online Next entscheidet sich für die andere Richtung. Hier beginnt alles mit Metall, Feuerkraft, überdimensionierten Gegnern, Kampfanzügen und einem Universum, das schon in den ersten Minuten so tut, als würde gleich ein ganzer Planet auseinanderbrechen. Das ist angenehm kompromisslos, auch wenn der Einstieg dadurch weniger wie ein klassisches Rollenspiel wirkt und stärker wie ein technisch aufgepumpter Sci-Fi-Prolog mit Mobile-MMORPG-DNA.

RF Online Next ist der offizielle Nachfolger von RF Online und wird von Netmarble als Sci-Fi-MMORPG für PC und Mobile positioniert. Der globale Start erfolgte am 16. Juni 2026, auf PC-Seite ist das Spiel unter anderem im Epic Games Store gelistet, dort als kostenloses Basisspiel mit möglicher In-App-Monetarisierung. Textsprachen sind laut Store unter anderem Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Koreanisch, Japanisch und weitere Sprachen; die Audioausgabe ist dort mit Koreanisch und Englisch angegeben.

Damit ist RF Online Next genau in jener Zone unterwegs, in der mobile MMORPGs seit Jahren um Aufmerksamkeit kämpfen: große Welt, viele Systeme, schnelle Progression, hübsche Charaktere, Auto-Funktionen, PvP-Versprechen, Bosskämpfe und genug Menüs, um einen kleinen Kontrollraum damit zu tapezieren. Das kann funktionieren, wenn die Systeme sauber ineinandergreifen. Es kann aber auch schnell in Richtung Bedienoberfläche mit eingebautem Spiel kippen. Der erste Eindruck ist deshalb spannend, weil RF Online Next beides gleichzeitig zeigt: eine technisch starke Präsentation und eine frühe Spielstruktur, die sehr deutlich aus dem modernen Free-to-play-MMORPG-Baukasten kommt.

Schon die Klassenauswahl macht klar, dass RF Online Next weniger auf mittelalterliche Fantasy-Archetypen setzt. Statt Magierrobe, Lederrüstung und Streitaxt stehen hier BioSuits im Zentrum. Netmarble beschreibt dieses System als dynamischen Klassenwechsel über BioSuits, bei dem Spieler ihren Kampfstil anpassen können, ohne den kompletten Fortschritt zu verlieren. Dazu kommen große Kriegswerkzeuge wie MAU und Launcher sowie mächtige Beschwörungen wie Animus. Im Spiel selbst fühlt sich das zuerst wie eine Mischung aus Charakterklasse, Kampfanzug und Rollenwechsel an. Punisher, Phantom, Enforcer oder Psypher wirken weniger wie feste Berufe, eher wie taktische Rüstungsprofile für bestimmte Kampfsituationen.

Der Einstieg setzt stark auf Schauwerte. Die Figurenmodelle sind sauber, die Animationen wirken für ein Cross-Plattform-MMORPG ordentlich und die Sci-Fi-Kulissen haben genug technische Details, um sofort einen gewissen Produktionswert zu vermitteln. Besonders auffällig ist, dass RF Online Next schon früh zwischen Bodenkampf, Missionsführung, großen Gegnern und ersten Flugmechaniken wechselt. Der Kampf ist dabei direkt genug, um sofort verständlich zu sein, aber spürbar darauf ausgelegt, dass viele Abläufe automatisiert oder halbautomatisch laufen können. Im angespielten Material zeigt sich unter anderem eine Auto-Kampf-Funktion, die Gegner selbstständig angreift, aber offenbar nicht immer durchgehend aktiv bleibt oder sich situationsabhängig wieder deaktiviert.

Das ist für RF Online Next ein wichtiger Punkt. Wer ein klassisches MMORPG erwartet, bei dem jeder Pull, jede Rotation und jede Bewegung manuell sitzt, wird sich an der frühen Spielphase reiben. Die Gegner fallen anfangs sehr schnell, die Missionen führen recht eng durch die Umgebung, und die Bedienung hat diesen typischen Mobile-MMO-Rhythmus aus Questmarker, Zielwechsel, Fähigkeitstaste und automatischer Unterstützung. Das macht den Einstieg bequem, nimmt dem Kampf aber zunächst etwas Druck. In den ersten Minuten entsteht kaum das Gefühl, wirklich gefordert zu werden. Eher geht es darum, die Systeme freizuschalten, die Oberfläche zu verstehen und sich durch den Prolog führen zu lassen.

Interessanter wird RF Online Next dort, wo es seine eigene Sci-Fi-Identität stärker ausspielt. Die Flugsequenzen bringen sofort mehr Vertikalität in die Welt, auch wenn der erste Eindruck eher nach klar definierten Flugabschnitten als nach völlig freier Bewegung zu jeder Zeit aussieht. Trotzdem hebt sich das Spiel damit von vielen generischen Mobile-MMORPGs ab. Die Idee, mit BioSuit, Fernkampf, Nahkampf, Magie-ähnlichen Energieangriffen, Drohnen beziehungsweise Begleitern und später großen Kriegsmaschinen zu arbeiten, passt zur RF-DNA. Epic beschreibt RF Online Next ebenfalls mit frei wechselbaren Klassen über BioSuits, groß angelegtem PvP, World Boss Raids und Flug-Action in einem Sci-Fi-Universum.

Die Klassen selbst sind optisch stark inszeniert. Punisher setzt auf Feuerkraft aus der Distanz, Phantom wirkt als schnelle Nahkampfklasse, Enforcer geht in Richtung defensiver Frontkämpfer, während Psypher eher die Rolle einer Fernkampf- beziehungsweise Force-Klasse übernimmt. Dazu kommen weitere BioSuit-Varianten, die das Spiel nach und nach stärker öffnen. Gerade für Einsteiger ist angenehm, dass die Klasse offenbar wechselbar bleibt. Wer sich beim ersten Charakter nicht sicher ist, muss also nicht sofort das MMO-Äquivalent einer Steuererklärung unterschreiben. Das nimmt Druck aus der Charaktererstellung und passt zu einem Spiel, das stark über Sammeln, Wechseln und Optimieren funktionieren dürfte.

Die Kehrseite liegt in der Systemmenge. Bereits früh tauchen Menüs für Ausrüstung, Titel, Relikte, Verbesserung, Begleiter und weitere Progressionsschichten auf. Das ist bei Netmarble-Spielen keine Überraschung. RF Online Next will offensichtlich langfristig beschäftigen und wird dafür viele kleine und große Fortschrittsmechaniken nutzen. Für erfahrene Mobile-MMORPG-Spieler ist das vertraut. Für klassische PC-MMORPG-Spieler kann es schnell nach Systemüberladung aussehen. Entscheidend wird sein, wie fair die Progression später bleibt und wie stark das Spiel im Endgame auf tägliche Routinen, Ressourcenmanagement und Zahlungsanreize setzt.

Grafisch macht RF Online Next im Ersteindruck eine gute Figur. Selbst bei mittleren Einstellungen wirkt die Präsentation sauber, die Umgebungen haben Tiefe, und die Gegnerdesigns sind groß genug gedacht, um das Sci-Fi-Kriegsszenario zu tragen. Besonders die Bossmomente zeigen, wohin die Reise gehen soll: riesige Kreaturen, Barrieren, massive Angriffe, große Kampfarenen und ein Gefühl von Eskalation. Noch fehlt in der frühen Phase allerdings das MMO-Gefühl. Der Einstieg ist stark instanziert und wirkt mehr wie ein Solo-Prolog. Erst später dürfte sich zeigen, ob RF Online Next seine großen Versprechen von Fraktionskrieg, Massenschlachten und World Bosses auch technisch und spielerisch stabil einlösen kann.

Genau dort liegt die eigentliche Spannung. Netmarble bewirbt RF Online Next mit massiven PvP-Schlachten, in denen viele Spieler gleichzeitig kämpfen sollen. Der Google-Play-Eintrag spricht von groß angelegtem PvP, World Boss Raids, Sacred Weapons und frei wechselbaren Klassen über BioSuits. Solche Versprechen klingen im Store immer gewaltig. Entscheidend ist später, wie gut Server, Balance, Monetarisierung und Steuerung zusammenspielen. Ein Mobile-MMORPG kann im Trailer wie ein intergalaktischer Krieg aussehen und sich im Alltag trotzdem wie eine tägliche Aufgabenliste mit hübscher Rüstung anfühlen. RF Online Next muss beweisen, dass hinter dem Stahl auch Spieltiefe steckt.

Für den Start ist RF Online Next aber interessanter als viele austauschbare Genrevertreter. Das liegt am Setting, an der RF-Marke, an den BioSuits und an der Mischung aus Kampfanzügen, Flugmechanik und großem Kriegsgerät. Der erste Eindruck zeigt kein revolutionäres MMORPG, aber ein aufwendig produziertes Sci-Fi-Spiel, das sofort weiß, welche Reize es setzen will. Wer schnelle Progression, starke Optik, automatische Komfortfunktionen und ein großes Systemgerüst mag, dürfte schnell hineinfinden. Wer ein vollständig manuelles, entschleunigtes Online-Rollenspiel sucht, wird sich an der frühen Automatisierung und der sehr geführten Struktur stören.

Am Ende bleibt RF Online Next ein Spiel mit zwei Gesichtern. Die Präsentation macht Lust auf mehr, die Systeme wirken umfangreich, und das BioSuit-Konzept gibt dem Klassendesign einen eigenen Dreh. Gleichzeitig riecht der Einstieg deutlich nach Free-to-play-MMORPG mit vielen Menüs, vielen Belohnungen und viel späterem Optimierungsdruck. Genau deshalb lohnt sich der Blick: RF Online Next könnte für Sci-Fi-Fans ein starkes neues Mobile- und PC-MMORPG werden, solange man weiß, worauf man sich einlässt. Der Stahl glänzt. Jetzt muss sich zeigen, wie viel Substanz darunterliegt.