Die Entwickler des erfolglosen Actionspiels MindsEye haben einen offenen Brief an die Geschäftsleitung des Entwicklers Build A Rocket Boy unterzeichnet, in dem sie “langjährige Respektlosigkeit und schlechte Behandlung” der Mitarbeiter anprangern.

Der Brief wurde von 93 aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern von Build A Rocket Boy sowie der Game Workers Branch der Gewerkschaft Independent Workers of Great Britain unterzeichnet.

Nach dem katastrophalen Start zu Beginn dieses Jahres bestätigte das Studio, dass der Entlassungsprozess begonnen habe. In dem offenen Brief behaupten die Mitarbeiter, dass schätzungsweise 250 bis 300 Arbeitnehmer im gesamten Unternehmen nun ihre Existenzgrundlage verloren hätten.

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“Diese Entlassungen sind darauf zurückzuführen, dass Sie sich wiederholt geweigert haben, auf die langjährige Erfahrung ihrer Belegschaft zu hören, was zu einer der schlechtesten Videospielveröffentlichungen dieses Jahrzehnts geführt hat”, heißt es in dem Brief.

Zu den Beschwerden der Mitarbeiter zählen unter anderem mangelnde transparente Kommunikation, “unerträgliche” Überstunden und “katastrophaler Umgang mit Entlassungen”.

“Die Informationen waren spärlich und vage, und Sie haben oft radikale Änderungen an unserer Arbeitsweise vorgenommen, ohne die Betroffenen einzubeziehen oder nur in geringem Maße zu berücksichtigen”, steht in dem Brief.

In den vier Monaten vor der Markteinführung wurden für alle Mitarbeiter acht Überstunden pro Woche vorgeschrieben. Diese wurden als Zeitausgleich mit einem Verhältnis von sieben Stunden pro acht gearbeiteten Stunden vergütet, aber aufgrund “fortwährender Anfragen nach zusätzlichen Arbeiten mit hoher Priorität” konnten viele Mitarbeiter diesen Ausgleich nicht in Anspruch nehmen.

“Wir sind der Meinung, dass Sie den Entlassungsprozess durchweg falsch gehandhabt haben, was zu Verwirrung und Stress für alle Mitarbeiter geführt hat“, heißt es in dem Brief. „Die Mitarbeiter haben falsche Informationen erhalten, Kündigungsschreiben mit falschen Kündigungsfristen ausgehändigt bekommen und wurden in die falschen Teams eingeteilt, sodass ihre Leistungen von den falschen Personen bewertet wurden. Diese und andere Fehler haben möglicherweise zur unrechtmäßigen Entlassung von Dutzenden von Mitarbeitern geführt.”

Weiter heißt es: “Unsere Erfahrungen in diesem Unternehmen sind geprägt von Burnout, Arbeitsplatzunsicherheit, Gesundheitsproblemen und dem Scheitern eines Spiels, in das viele von uns Jahre ihres Lebens investiert haben. BARB muss sich ändern. Die CEOs müssen sich zurückziehen und den qualifizierten Mitarbeitern, die im Unternehmen geblieben sind, die Möglichkeit geben, den Weg in die Zukunft zu gestalten.”

Die Beschäftigten haben folgende Forderungen gestellt:

  • Eine öffentliche Entschuldigung für diese schlechte Behandlung der Beschäftigten und eine angemessene Entschädigung für die entlassenen Beschäftigten
  • Die Möglichkeit für die verbleibenden Beschäftigten, die gekündigt wurden, entweder ihre Kündigungsfrist zu arbeiten oder eine Abfindung zu erhalten
  • Eine konzertierte, sinnvolle und dokumentierte Anstrengung zur Verbesserung der Bedingungen und Prozesse innerhalb des Unternehmens, einschließlich der Anerkennung der IWGB als Gewerkschaft
  • Eine Verpflichtung, bei künftigen Entlassungen offizielle externe Partner einzuschalten, um eine unfaire Behandlung zu verhindern

Der Brief schließt mit den Worten: „Mark Gerhard und Leslie Benzies, Sie bezeichnen Ihre Mitarbeiter oft als ‚Familie‘. Aber wir bitten Sie, sich zu überlegen: Behandeln Sie Ihre eigenen Mitarbeiter wirklich so?“

We stand in solidarity with employees and ex-employees at Build a Rocket Boy as they file legal claims through our union and publish an open letter, condemning the way in which they’ve been mistreated and discarded by the studio’s millionaire executives. https://t.co/WWm4vxKEfd pic.twitter.com/bOOHaQEakQ

— IWGB Game Workers (@IWGB_GW) October 10, 2025

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“Die Behandlung, die die Beschäftigten von Build A Rocket Boy in den letzten 12 Monaten erfahren haben, ist schockierend”, sagte Spring Mcparlin Jones, Vorsitzende der IWGB Game Workers. “Sie wurden regelmäßig von dem Unternehmen, dem sie Jahre ihres Lebens gewidmet haben, herabgewürdigt, betrogen und manipuliert. Trotzdem konnten sie das Vertrauen zueinander bewahren und gemeinsam für eine faire Behandlung kämpfen.”

Scott Alsworth, PR-Beauftragter der IWGB Game Workers, sagte: “Was wir bei Build A Rocket Boy gesehen haben, ist die fortgesetzte Normalisierung, dass millionenschwere Führungskräfte Arbeitnehmer für ihr eigenes Missmanagement und ihre Profitgier zum Sündenbock machen. Die bedauerliche finanzielle Lage, in der sich das Studio derzeit befindet, ist nicht das Werk äußerer Kräfte oder einer fünften Kolonne wütender Gewerkschafter, sondern das eindeutige Ergebnis schlechter Führung, hochgradiger Inkompetenz und offener Verachtung. Die Schuld liegt ausnahmslos bei den Verantwortlichen.”

Der ehemalige BARB-Mitarbeiter Isaac Hudd erklärte, das Studio habe “wenig Rücksicht auf das Wohlergehen seiner Mitarbeiter genommen” und der enttäuschende Start sei auf “eine Reihe schlechter Entscheidungen der Geschäftsleitung” zurückzuführen.

Ben Newbon, ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter, fügte hinzu: “Die Gleichgültigkeit, die das Management gegenüber den Mitarbeitern von Build A Rocket Boy an den Tag gelegt hat, ist wirklich schrecklich. Schon vor dem katastrophalen Start von MindsEye hatten die Mitarbeiter monatelang unter hoher Arbeitsbelastung gelitten, was zu schrecklichen psychischen und sogar physischen Erkrankungen geführt hat, die über den typischen weit verbreiteten Burnout hinausgingen. Die Studioleitung hat sich entschieden, keine Verantwortung für das Scheitern des Spiels zu übernehmen, und stattdessen Saboteuren die Schuld gegeben, als ob einzelne Mitarbeiter oder Online-Influencer dafür verantwortlich sein könnten. Die Arroganz der Führung, zu glauben, sie könne während der gesamten Entwicklung und den anschließenden Entlassungen ungestraft handeln, hat mich und viele ehemalige und noch beschäftigte Mitarbeiter dazu veranlasst, Stellung zu beziehen.”

Newbons Kommentare beziehen sich auf die Behauptung von Co-CEO Mark Gerhard, dass die negativen Reaktionen auf das Spiel durch eine “konzertierte Aktion” gegen das Studio erkauft worden seien.

MindsEye war das Debütspiel von Build A Rocket Boy, das den Startschuss für das benutzergenerierte Metaversum Everywhere des Studios geben sollte.

Allerdings war es von Anfang an mit technischen Problemen behaftet und wurde von Kritikern verrissen. Zwei Führungskräfte verließen das Studio nur eine Woche vor der Veröffentlichung des Spiels.

Seit der Veröffentlichung versprach das Studio Leistungsverbesserungen. Der Publisher IO Interactive distanzierte sich jedoch von dem Projekt, wobei CEO Hakan Abrak erklärte, dass die Zukunft des Unternehmens als Publisher nun in Frage stehe.

Hauptdarsteller Alex Hernandez befürchtete, nach der vernichtenden Kritik an dem Spiel nie wieder in der Spieleindustrie arbeiten zu können.

Eurogamer hat Build A Rocket Boy um eine Stellungnahme zu dem offenen Brief gebeten.