Eine Digital-Rights-Aktivistin hat im Vereinigten Königreich eine Sammelklage gegen Steam eröffnet, bei der die Marktmacht der Plattform und ihre 30-Prozent-Provision in der Kritik stehen. Der CEO von Epic Games hat es sich hier natürlich nicht nehmen lassen, wieder einmal gegen Valve zu schießen und vergleicht die Geschäftspraktiken von Steam mit einem gierigen Autohändler.

Die Klage geht weiter

Die Aktivistin Vicki Shotbolt hat eine Sammelklage gegen Valve beim UK Competition Appeal Tribunal eingereicht, die Millionen Bürger des Landes vertritt. Der Vorwurf umfasst vor allem das bewusste Ausnutzen von Steams Marktstellung durch Valve, was verhindert, dass Spiele in anderen Stores günstiger verkauft werden und es erschwert, günstigere Kaufkanäle zu bewerben.

Laut Klage seien Publisher im Grund gezwungen, so den gleichen Preis wie auf Steam zu verlangen, wodurch Kunden seit 2018 zu viel Geld bezahlt hätten. Der Schaden soll sich dadurch auf etwa 900 Millionen Euro belaufen. Diese Sammelklage wurde nun von dem Gericht zugelassen, was nicht bedeutet, dass Valve schuldig ist. Doch der Fall wird nun ernsthaft verhandelt.

Steam ist wie ein Autohändler?

Der CEO von Epic Games, Tim Sweeney, hat natürlich seine Unterstützung für diese Klage ausgesprochen. “Die Regeln von Steam verbieten ausdrücklich, dass Spiele Spieler zu konkurrierenden Kaufmethoden lenken, sodass jeder 30% an Valve zahlen muss”, schreibt er auf Social Media. “Apple und Google taten dasselbe, bis das Gericht diese Praxis ausdrücklich für rechtswidrig befand. Jetzt tun sie es nicht mehr!”

“Heute steht es Entwicklern in den USA frei, Nutzer von iOS- und Android-Apps zu konkurrierenden Kaufmethoden zu leiten. Apple und Google erheben auf diese Transaktionen keine Gebühren. Auf Computern und Smartphones ist Valve der einzige große Store, der weiterhin an der Zahlungsbindung und der 30-prozentigen Gebühr festhält.”

“Das ist so, als würde ein Autohändler 30% der Benzinkäufe verlangen”, schreibt in nachfolgenden Posts.

Die Guidelines sprechen eine andere Sprache

In den Kommentaren und Anmerkungen wird allerdings schnell darauf hingewiesen, dass Sweeneys Aussagen in dieser Absolutheit schlicht nicht stimmen. Auch wird häufig auf Steams eigene Regelungen verwiesen, wo es heißt: “Es ist in Ordnung, zu unterschiedlichen Zeiten Rabatte für Steam-Keys in verschiedenen Shops anzubieten, solange ihr plant, Steam-Kunden innerhalb eines angemessenen Zeitraums ein vergleichbares Angebot zu unterbreiten.”

“Bietet Steam-Kunden keine schlechteren Konditionen als Käufern von Steam-Keys”, heißt es weiter und auch das Gerichtsurteil, auf das Sweeney sich bezieht, ist nicht so eindeutig, wie es dargestellt wird. Am Ende ist es durchaus eine spannende Klage mit interessanten Punkten, doch ist es auch nicht verwunderlich, dass Sweeney diese Situation nutzt um gegen seinen wohl größten Konkurrenten zu schießen.