Happy Birthday, du alter Gratis-DVD-Player! Wie bei so vielen stand auch mir eher früher als später eine PlayStation 2 zuhause – allerdings erst, nachdem ich mir eingestanden hatte, dass SEGAs Dreamcast letztlich doch keinen Stich gegen Sony machen wird. Die vermutlich stärkste PlayStation-Generation aller Zeiten hatte so wahnsinnig viele Meilensteine zu bieten und ein derart diverses Portfolio, dass es für mich außer Zweifel steht: Die PS2 ist ohne Gleichen.

Also, Reden wir mal über die Spiele. Aber anstatt jetzt zur Feier des Tages über all die gigantischen Lieblingsspielkandidaten von God of War über Metal Gear Solid oder Gran Turismo zu quasseln – Sachen, die sowieso jeder kennt – dachte ich mir, dass ich ein paar Geheimtipps herauspicke, die so vielleicht nicht jeder auf dem Zettel hatte.

Let’s go!

1. Shadow of Rome 2005)

Hach, PS2-Capcom ist mir noch das liebste Capcom. Onimusha, Viewtiful Joe, Okami, das unterschätzte Breath of Fire 5 oder eben Shadow of Rome. Man hatte das Gefühl, ihnen gelang irgendwie alles… nun, alles, außer Shadow of Rome zu einem kommerziellen Erfolg zu machen. Und das war irgendwie schade. Dieses Spiel im alten Rom hatte nicht nur ein vor Kraft und drastischer Nahkampfgewalt nur so strotzendes Kampfsystem sowie schöne Arena-Mechaniken. Sogar Streitwagenkämpfe gab ist. Und dann war da der Adventure-Part, in dem man schleichend einer durchtriebenen Verschwörung auf die Schliche kommt. Zweifellos einer der ungewöhnlichsten Titel, an den sich Capcom je getraut hat.

"Chunky" ist das Wort, das ich für die Figuren wählen würde.

Ich bin bis heute ein bisschen traurig, dass der angedachte Nachfolger nie herausgekommen ist.

2. Summoner 2 – 2002

Volition konnte auch mal was anderes als die krawalligen Open Worlds von Red Faction und Saints Row: Summoner 2 war ein erstaunlich tiefschürfendes und wunderbar anders gelagertes Action-Rollenspiel in einer Welt, wie man sie so nicht so häufig sieht. Als Herrscherin Maia lastet große Verantwortung auf euch, denn Gerüchten zufolge seid ihr die Reinkarnation einer Göttin. Das Spiel stellt mit dieser Prämisse einiges an und verläuft alles andere als vorhersehbar. Das hier ist keine Fantasy wie jede andere. Cool fand ich damals vor allem, dass ich mir regelmäßig über die Bitten meiner Untertanen anhören und über sie entscheiden musste.

Eigenwillig ist er, der Look von Summoner. Aber ein dritter Teil wäre mir Hundermal lieber als ein neues Saints Row und Red Faction zusammen.

Ein anspruchsvolles, ausgefallenes West-Rollenspiel, das seiner Zeit vielleicht nicht technisch voraus war, aber heute sehr viel mehr Freunde finden würde.

3. Shox: Rally Reinvented – 2002

Zwischen 2001 und 2008 war EA Big ein Label, das Electronic Arts für Arcade-Trendsportspiele eingerichtet hatte. Darunter erschienen unter anderem die SSX-Spiele und Fifa Street. Tatsächlich hatte ich aber die meiste Zeit in Shox versenkt, einer überraschend kniffligen Rally “Neuerfindung”, deren Rundkurse in drei Zonen unterteilt sind. Jederzeit schmilzt dabei in jeder der Zonen ein Balken herunter, der misst, ob ihr eine Gold-, Silber- oder Bronze-Zeit hinlegt. Schafft ihr in allen drei Zonen Gold, rauscht eine ohrenbetäubende Schock-Welle vor euch die Strecke entlang, mit der ihr mithalten müsst, um einen Geldbonus sowie einen Tempo-Boost zu bekommen. Das war ebenso schwierig wie motivierend und audiovisuell imposant.

Die Shox-Welle auszulösen ist nicht ganz einfach. In ihr mitzufahren ist aber der totale Rausch.

Ein echter Rausch, wenn es einem gelang. Ich bedaure bis heute, dass EA diese Reihe nicht weiterentwickelt hat. Da war so viel Potenzial…

4. Dark Chronicle – 2002

Der Entwickler Level 5 kam wohl nicht nur für mich aus dem Nichts. Mit Dark Cloud und Dark Chronicle gelang ihnen ein unvergessener Doppelschlag, der bis heute für mich sinnbildlich für all die ambitionierten Genre-Mixe steht, die man uns heute so auf Basis solider Action-RPG Mechaniken präsentiert. Dark Chronicle verband komplett mühelos ein sympathische Abenteuer mit Crafting- und Aufbauelementen und hielt so die Experimentierfreude des Spielers durchgehend hoch. Dazu ist es dank seines Cel-Shading-Stils bis heute ganz gut gealtert. Überhaupt hatte Level 5 in der Zeit einen unfassbaren Lauf: Dragon Quest 8, Rogue Galaxy und Jeanne D’Arc für die PSP.

"Crafting", als man noch nicht "Crafting" dazu sagte. Dark Chronicle ist einer der ambitionertesten Genre-Mixe, an den ich mich erinnern kann.

Bis heute eine der beeindruckendsten Fünf-Spiele-Kombo, an die ich mich erinnern kann – und Dark Chronicle ist das Spiel, das für mich exemplarisch für diese Schaffensphase steht.

5. Shadow Hearts – 2001

Ich bin ja sowas wie der Persona-Hipster dieser Redaktion (“Ich fand es schon cool, bevor es jeder und seine Oma kannten”). Aber weil darüber mittlerweile alle bescheidwissen, trommle ich ab sofort für die Shadow Hearts-Reihe, die ihrerseits eine Fortsetzung des PSX-RPGs Koudelka ist. Entwickler Sacnoth existiert heute nicht mehr und die rechtliche Situation ist extrem nebulös, weshalb ich mir eine Wiederbelebung als Remaster wohl abschminken kann. Und das ist extrem schade, denn diese Sorte verschrobenes Horror-JRPG könnten wir heute gut gebrauchen, zumal die Entwickler schon damals erkannt hatten, dass es manchmal etwas langweilig sein kann, sich dröge durch Menüs zu klicken. Schon hier gibt es erste Timing-Minispiele bei den Angriffen und das Szenario, wie dieses, das in einer alternativen Version des ersten Weltkriegs angesiedelt ist, sieht man nicht alle Tage.

Schräg, morbide, besser als ihr ahnt: Shadow Hearts.

Der zweite Teil ist sogar noch besser, aber Teil eins ist schon so gut, dass man hier einsteigen sollte, bevor man sich Shadow Hearts: Covenant zuwendet.

6. Primal – 2003

Primal ist seinerzeit eher gemischt aufgenommen worden und ich sehe warum. Die Steuerung ist lange nicht so rund, wie das hochgradig polierte Äußere vermuten ließ und das Kampfsystem nicht besonders smart. Aber für mich ist Primal in gewisser Weise ein Vorläufer der filmreifen Blockbuster, für die die PlayStation heute bekannt ist und die dann von Naughty Dog oder Sony Santa Monica kommen. Bis heute ist es ordentlich anzuschauen, die finstere Atmosphäre hat nichts von ihrer Sogwirkung eingebüßt und das Duo aus der eigentlich komatösen Jen und Gargoyle-Sidekick Scree ist eines der erinnerungswürdigeren Gespanne der Videospielgeschichte.

Primal - ein früher Sony-Blockbuster, der heute fast vergessen ist.

Schon Wahnsinn, wie groß der Hype um dieses Spiel war und wie restlos es anschließend in der Versenkung verschwunden ist.

7. Psi-Ops: The Mindgate Conspiracy (USK 18) – 2004

Und noch ein Vorläufer vieler moderner Trends. In diesem Fall des heute allgegenwärtigen Trends der Superkräfte-getriebener Actionspiele. Dieser Midway-Titel überzeugte durch coole Telekinese-Späße, schön polternde Physik-Effekte und einen fließenden Wechsel zwischen Stealth und Action. Ich finde den Titel, der in Deutschland nur in einer geschnittenen USK-18-Version zu haben war, bis heute aufrichtig großartig. Es ist eines der am smartesten designten dummen Spiele, die ich kenne. Vor allem aber ist Psi-Ops heute einer der Gründe, warum ich den Niedergang Midways schwer bedaure.

Interessanterweise erschien im zeitnah zu diesem psionischen Actioner Free Radicals Second Sight, das recht ähnlich, aber nicht ganz so krawallig angelegt war.