25 Jahre Starlancer - Erinnert ihr euch noch daran? Es war offiziell kein Wing Commander, aber verdammt nah dran
Heute vor 25 Jahren erschien ein Spiel, das der ein oder andere vielleicht schon wieder vergessen hat, weil es leider eine einmalige Sache war: Starlancer. Für mich füllte der Titel eine Lücke, die nach dem Aus der Wing Commander-Reihe entstand, deren letzter Teil (Prophecy) 1997 veröffentlicht wurde. Dessen Schöpfer, Chris Roberts, lieferte hiermit wiederum nach seinem Weggang von EA ein Spiel der gleichen Machart ab, das zugleich ein Prequel für das einige Jahre später veröffentlichte Feelancer darstellt.
Ein Wing Commander mit anderem Namen
Was Roberts hier im Sinn hatte, merkt man direkt von Beginn an. Denn mit Ausnahme des Namens ist es im Grunde einfach ein Wing Commander mit (damals) moderner Technik und coolem Sci-Fi-Militär-Setting. Einer der größten Unterschiede ist, dass ihr hier nicht gegen Außerirdische kämpft. Vielmehr ist alles etwas bodenständiger, denn man verlagerte den weltlichen Konflikt zwischen West und Ost kurzerhand in den Weltraum.
Unter dem Zusammenschluss der Allianz agieren hier die USA, die EU, Japan, Australien und andere gegen die Koalition, bestehend aus Russland, China und dem Nahen Osten. Nachdem die Streitkräfte der Koalition einen Überraschungsangriff auf die Allianz starten, versinkt das Sonnensystem im Krieg. Als Teil des 63rd Volunteer Squadron leistet ihr euren Beitrag dazu, die Guten zu verteidigen. Klar, das ist alles klischeebeladen und auch Patriotismus trieft hier und da aus Starlancer, doch das tat dem Spielspaß keinen Abbruch.
Starlancer hat abseits solcher Momente ein wirklich gutes Gefühl einer Kriegsatmosphäre vermittelt. Ein Szenario, bei dem viel auf dem Spiel steht und das mich mit zahlreichen Wendungen und spannenden Missionen vor den Bildschirm fesselte und stets dazu motivierte, mein Bestes zu geben. Ob Eskortflüge, umfangreiche Schlachten oder verdeckte Einsätze in feindlichen Bombern, Abwechslung hatte Starlancer mehr als genug zu bieten. Und es war genau das, wonach ich mich als Genre-Fan zu jener Zeit sehnte.
StarLancer Intro HD Auf YouTube ansehenZwar konntet ihr mit gesammelter Erfahrung und Erfolgen neue Schiffe und Ränge freischalten, die Schiffe mit unterschiedlicher Bewaffnung ausstatten und eure Flügelmänner herumkommandieren, ein vor Innovationen strotzendes Spiel war Starlancer dennoch nicht. Was es nicht zwingend sein musste. Die lineare Kampagne war auch so, wie sie war, fesselnd genug, überzeugte mit ihrer stimmigen Atmosphäre und der glaubwürdigen Welt. Ich mochte zugleich das Design, für das man sich hier entschieden hatte. Realistischer, dreckiger, nicht so Sci-Fi-mäßig glänzend und sauber. Was ebenfalls seine Reize hat, nur hier würde es absolut nicht passen. Es gab obendrein einen Multiplayer-Modus, mit dem ich mich damals jedoch nicht beschäftigte. Und über die deutsche Sprachausgabe legen wir lieber den Mantel des Schweigens. Wer es gespielt hat, weiß warum.
In der Theorie also ein Wing Commander für eine neue Ära, wenn schon Electronic Arts selbst die Reihe nicht mehr fortsetzt. Wie gesagt, in der Theorie. In der Praxis sah das leider anders aus. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen zurück, wodurch wir nie eine Fortsetzung von Starlancer sahen, wenn man mal vom offeneren Freelancer absieht, das einen gänzlich anderen Fokus hat. An der Qualität von Starlancer lag es sicherlich nicht, vielmehr am sinkenden Interesse des Gaming-Marktes an diesem Genre. Ein Wandel, dem auch verschiedene andere, einst einst beliebte Franchises zum Opfer fielen, man denke nur an FreeSpace oder die X-Wing-Reihe von LucasArts. Es gab Zeiten, da waren solche Spiele das Maß aller Dinge auf dem PC-Markt, nicht zuletzt dank Chris Roberts' Bemühungen mit Wing Commander 3 oder 4.
Angesichts des sinkenden Interesses am Genre bin ich grundsätzlich froh darum, dass Microsoft damals Starlancer und Freelancer nicht einfach von vornherein abgesägt hat. Sonst wären uns zwei tolle Spiele entgangen. Es zu spielen, ist heute allerdings nicht so einfach. Starlancer ist daher einer der Kandidaten, bei denen ich mir eine Rückkehr auf GOG wünschen würde, um sie noch einmal spielen zu können. Wenn ihr das genauso seht, könnt ihr ja auf GOGs Dreamlist dafür abstimmen. Ich hab's getan und hoffe, dass GOG irgendwann einmal Starlancer aus dem Hut zaubert.









