Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties beleuchten zwei Seiten derselben Medaille in klassischem Yakuza-Stil
Auf die Kiwami-Version von Yakuza 3 habe ich schon ewig gewartet. Besonders, weil der seinerzeit auf PS3 erschienene dritte Teil der westlichen Welt einiges an Content vorenthalten hatte. Ja, in der Remastered Collection für PS4 gab es dann fast zehn Jahre später die fehlenden Inhalte dazu, das Kampfsystem habe ich aber immer noch als eher träge im Kopf und die Grafik war auch nicht bahnbrechend besser. Sei’s drum, die rührigen Entwickler von Ryu Ga Gotoku Studio haben die Fan-Wünsche erhört und im Februar kommenden Jahres erscheint eine komplette Neuauflage in schicker Dragon-Engine-Grafik, erweitert um zusätzliche Aktivitäten und neue Zwischensequenzen.
Und das ist noch nicht alles: Das Yakuza-Erlebnis kommt gleich im Doppelpack. In dem eigenständigen Spiel Dark Ties übernehmt ihr die Rolle von Yoshitaka Mine, dem Antagonisten aus Yakuza 3. Aber der Reihe nach: Ich konnte bereits die Demo spielen und mich in Yakuza 3 Kiwami sowie Dark Ties jeweils eine gute halbe Stunde austoben. Gerne wäre ich wesentlich länger auf den Straßen von Okinawa und Kamurocho unterwegs gewesen, aber vielleicht kann ich mit meinem ersten Eindruck eure Vorfreude ein wenig steigern.
Finger weg von meinem Waisenhaus
Dem armen Kazuma Kiryu ist auch einfach keine Ruhe gegönnt. Als Leiter des Morning Glory-Waisenhauses am Strand von Okinawa kümmert er sich aufopferungsvoll um seine Adoptivtochter Haruka Sawamura und eine Schar Waisenkinder. Aber die traumhaft gelegene Immobilie weckt Begehrlichkeiten bei den örtlichen Yakuza-Clans, die erheblich lukrativere Pläne für das Grundstück im Sinn haben. Als wieder ein unrechtmäßiger Räumungsbescheid eintrudelt und seltsame Gestalten vor dem Waisenhaus herumlungern und die Kinder verängstigen, macht Kiryu das, was er wohl am besten kann: Er kümmert sich auf seine unnachahmliche Art um die Angelegenheit.
In den Prügeleien wechselt ihr zwischen dem brachialen „Drache von Dojima: Kiwami“- und dem neuen „Ryukyu“-Kampfstil mit traditionellen Waffen aus Okinawa.Also macht er sich direkt auf in die Stadt, um der in die Sache verwickelten Ryudo-Familie einen „freundlichen“ Besuch abzustatten. Das Vorhaben scheitert zunächst an dem sehr von sich und seinen Kampfkünsten überzeugten Clan-Captain Rikiya Shimabukuro, der sich „Fighting Viper“ nennt. Nach einer ausgiebigen Zwischensequenz, aus der förmlich das Testosteron tropft, wenn der Fiesling seinen muskulösen Oberkörper entblößt und stolz sein Viper-Rückentattoo zeigt, geht es nach kaum fünf Minuten Spielzeit direkt zur Sache.
Brachiale Kämpfe und der neue Ryukyu-Stil
Eine richtige Herausforderung stellt die Viper aber nicht dar, sondern dient eher als Boxsack für das Kampftutorial. Zur Verfügung stehen zwei Kampfstile: einmal der bekannte „Dragon of Dojima“-Stil, bei dem Kazuma Kiryu wüste Schläge austeilt, Feinde packt und durch die Gegend wirft oder Gegenstände wie Fahrräder, Pflanzenkübel oder was sich sonst so auf der Straße findet mit Schmackes auf die Gegner pfeffert. Neu ist der „Ryukyu“-Stil mit einem handlichen Schild und acht unterschiedlichen traditionellen Waffen aus Okinawa.
So schön kann Okinawa aussehen: Das Remake nutzt die seit Yakuza 6 von RGG Studio genutzte Dragon-Engine und liefert eine brillante und detailreiche Optik.Gegen die normalen Straßengangs, die wie gewohnt an fast jeder Ecke auf Ärger aus sind, ist der Dragon-Stil mehr als ausreichend, um die vorlauten Typen in den Staub zu schicken. Bei stärkeren oder mit Pistolen bewaffneten Gegnern sind der Schild, mit dem sich mit dem perfekten Timing auch Kugeln abfangen lassen, und die Waffen ein großer Vorteil. Mit einem Tastendruck könnt ihr den Stil blitzschnell wechseln und so immer neue Kombinationen ausprobieren.
Mir gefällt das dynamische Kampfsystem mit knackigem Trefferfeedback und zwei extrem unterschiedlichen Stilen auf Anhieb richtig gut. In der Demo hatte ich die Wahl zwischen Standard-Kämpfen und einer Auto Assist-Option, bei der nur eine einzelne Taste gedrückt werden muss, um Kombos auszuführen. Wer sich also lieber auf die 100+ Nebengeschichten, Missionen und Minispiele oder die unzähligen Sammelgegenstände konzentrieren und sich dabei von Rabauken nicht groß stören lassen möchte, macht sich das Leben einfacher.
Yoshitaka Mine, der Bösewicht aus Yakuza 3 bekommt seine eigene spielbare Geschichte als tragischer „Held“.Nachdem die Viper besiegt wurde, ist der Weg für Kiryu in das Hauptquartier der Ryudo-Familie frei. Das wird aber just in diesem Moment von einem Schlägertrupp der verfeindeten Tamashiro überfallen und er muss erneut seine Fäuste bzw. seine Waffen sprechen lassen. Der Überfall wird zurückgeschlagen und die Ryudos zollen ihm ihren Respekt. Damit ist die spielbare Hauptquest leider schon zu Ende. Wer das Original kennt, weiß aber, dass das erst der Beginn der komplexen Geschichte ist.
Ein paar Minuten Spielzeit hatte ich noch, die ich mit einem stärkenden Imbiss, ein paar kühlen Bier, einem Kleiderwechsel in einer nahegelegenen Boutique, dem Anpassen meines Smartphones mit Stickern und Anhängern und natürlich einem emotionalen Duett zusammen mit Haruka in einer Karaoke-Bar verbracht habe. Neu ist wohl auch ein Teamkampfmodus, bei dem ihr eine ultimative Motorradgang aufbauen sollt, die die Straßen Okinawas schützt. Soweit bin ich leider bei Weitem nicht gekommen, aber ich merke schon: Im Februar nächsten Jahres sollte ich mir nicht zu viel vornehmen.
In Mine schlummert die Macht der Dunkelheit, die er im Modus „Dunkles Erwachen“ erweckt, um seine Gegner besonders brutal niederzustrecken.Keiner liebt mich
Der tragische „Held“ der neuen und eigenständigen Geschichte Dark Ties ist Yoshitaka Mine, ein unerbittlicher Gegner von Kiryu aus Yakuza 3. Die Story erklärt wie es dazu kam, dass der einst erfolgreiche Geschäftsmann in die Unterwelt abgerutscht ist. Ohne zuviel zu verraten, Mine wird von seinen ehemaligen Kompagnons aus seinem eigenen Unternehmen geworfen und realisiert, dass er keine persönlichen Bindungen zu anderen Menschen hat. Das soll sich jetzt ändern und er sucht ausgerechnet bei den Yakuza nach Anerkennung und Loyalität. Dabei ist Daigo Dojima vom mächtigen Tojo-Clan sein Vorbild.
Da ein direktes Treffen vorerst ausgeschlossen ist, heftet sich Mine an die Fersen des frisch aus dem Gefängnis entlassenen Yakuza Kanda. Ein wirklich widerliches Subjekt, das sich nach der Entlassung aus dem Gefängnis direkt in den fiktiven Tokioter Stadtteil Kamurocho aufmacht, um seinen Spaß zu haben. Ziel der spielbaren Hauptmission der Demo ist es, Kanda im Gewühl aufzuspüren - was nicht schwer ist, da der Standort auf der Karte markiert wird -, eine Weile zu verfolgen und in einem Zweikampf zu besiegen. Das wäre in gut zehn Minuten erledigt, wenn nicht an jeder Kreuzung eine Truppe Rabauken eine Schlägerei anfangen würde.
Vor fünf Minuten hat sich Mine noch mit dem gerade aus dem Gefängnis entlassenen Kanda aufs Heftigste geprügelt. Jetzt sind sie Freunde fürs Leben?Aber das gehört eben dazu und ihr könnt euch gleich mal mit dem schnellen Kampfsystem von Mine vertraut machen, das vom Shootboxen, einer Mischung aus Thai- und Kickboxen, inspiriert ist. In den Kämpfen fliegen nicht nur Mines Fäuste, sondern er schickt seine Gegner auch mit akrobatischen Trittsprüngen auf die Matte. Während Mine kräftig Schaden austeilt, füllen sich mit Stacheldraht umwickelte Herzen auf. Ist eines oder mehrere davon vollständig gefüllt, löst ihr „Dunkles Erwachen“ aus. In diesem Kampfmodus wird der kühle Geschäftsmann Mine von der Macht der Dunkelheit besessen und zu einem Berserker, der alles plättet, was sich ihm in den Weg stellt.
Abseits der Action könnt ihr euch natürlich auch mit Mine einfach die Zeit mit aberwitzig vielen Nebentätigkeiten und Minispielen vertreiben. Und ja, auch mit Mine habe ich natürlich direkt eine Karaoke-Bar besucht. Laut offiziellen Informationen soll es auch einen Untergrund-Kampfclub und einen Modus „Überlebenshölle“ geben, bei dem sich Mine in einem Verlies Herausforderungen stellen muss. Wie umfangreich die Kampagne von Dark Ties im Vergleich zu Yakuza 3 ausfallen wird, kann ich nicht einschätzen. Aber ich habe jetzt schon richtig Lust darauf, mehr über den Charakter zu erfahren.









