The Witcher 3: Blood and Wine verdankt seinen besten Part einem Zeitproblem
Die gefeierte Witcher-3-Erweiterung Blood and Wine hieß ursprünglich eigentlich Bells of Beauclair. Den finalen Namen legte das Team erst mitten in der Produktion fest.
Laut CD Projekt Red-Entwickler Paweł Sasko entschied sich das Team letztendlich für den "fesselnden Titel" Blood and Wine, weil er "den Geist der Geschichte" perfekt einfing. Zudem war er "leichter auszusprechen und zu artikulieren" als Bells of Beauclair – oder BoB, wie das Add-on intern genannt wurde (und ich kann das einfach nicht lesen, ohne die Stimme von Blackadder im Kopf zu haben).
Enger Zeitplan und Herausforderungen in der Produktion
"Als Hearts of Stone im Oktober 2015 erschien, steckten wir schon mitten in den Arbeiten zur zweiten Erweiterung. Blood and Wine kam am 31. Mai 2016 auf den Markt, also nur sieben Monate später. Dieser Zeitplan war absolut hardcore. Ein komplett neues Land, die Hauptstory, Charaktere, Monster, Mechaniken, ein eigenes Weingut für die Spieler und eine Geschichte, die Geralts Reise würdig abschließt. Ach ja, und es musste auch noch besser werden als das Hauptspiel und Hearts of Stone. Ich habe Herausforderungen schon immer geliebt, und die schiere Kühnheit dieses Projekts fühlte sich einfach richtig an", schrieb Sasko in einem Social-Media-Beitrag.
Doch so sehr Sasko diese Kühnheit persönlich auch gefiel – es gab ein Problem. "Wir hatten noch nicht die komplette Hauptstory fertig, obwohl Toussaint schon Gestalt annahm und eine Handvoll Quest-Designer bereits an kleineren Aufgaben und Nebengeschichten für Blood and Wine tüfteln mussten", erklärte er. "Wir kannten die Themen von BoB ziemlich gut, die Atmosphäre, die Inspirationen, die erzählerischen Ziele, aber der genaue Ablaufplan fehlte noch. Als er dann stand, passten die meisten Bausteine, die wir bereits entworfen hatten, perfekt zusammen. Wir mussten nur noch ein paar Kleinigkeiten anpassen."
Planänderung im Leveldesign: Vom Druidenwald zur Märchenwelt
Die wohl härteste kreative Debatte im Team von CDPR drehte sich anscheinend um einen Wald. "Die Autoren brauchten für einen bestimmten Handlungsstrang einen Druidenwald – etwas, ohne das die Story quasi keine Luft zum Atmen hatte", erläutert Sasko. "Wir gingen zu den Environment Artists und bekamen die Antwort, vor der sich alle gefürchtet hatten: Zu wenig Zeit, das ist nicht drin. Also änderten wir unsere Strategie: Was, wenn wir stattdessen eine Märchenwelt bauen?"
Doch anders als bei den Märchen, die euch jetzt vielleicht sofort in den Sinn kommen, schwebte den Entwicklern für die Erweiterung etwas weitaus "Verkommeneres und Wilderes" vor. Das Team dachte eher an "verdrehte Archetypen, korrumpierte Geschichten [und] eine visuelle Sprache, die wir vorher noch nie genutzt hatten", sagte Sasko und fügte hinzu, dass das Projekt intern Kraina z Bajki hieß. Dieser neue Ansatz bekam schließlich grünes Licht von den Artists, "weil er sie stilistisch faszinierte und inspirierte" – auch wenn "die Märchenwelt am Ende viel teurer in der Entwicklung wurde, als es der Druidenwald je gewesen wäre", wie Sasko zugab.
Team-Anekdoten, Jubiläumsrückblick und Ausblick auf neue Witcher-Inhalte
"Eine meiner liebsten Erinnerungen an die Produktion dreht sich um einen Friedhof: den Friedhof Mère-Lachaiselongue in der von mir entworfenen Quest rund um den Löffelsammler. Um das Ganze richtig rüberzubringen, brauchten alle Gräber eine Inschrift. Die meisten davon schrieb Karolina Stachyra, die von ihren Kollegen gut gelaunt 'Leichen' forderte. So landete ein großer Teil des Entwicklerteams begraben in Toussaint. Und die Szene, in der Regis und Geralt zusammen auf dem Grabstein sitzen und reden? Sie sitzen auf den Gräbern, die Karolina und Paweł Sasko gehören", schloss er.
"Zehn Jahre. Ein Jahrzehnt, in dem Spieler jede Ecke von Toussaint erkundet, über Entscheidungen diskutiert, Geheimnisse entdeckt und die Geschichten mit einer Leidenschaft am Leben erhalten haben, die mich immer noch umhaut. Ihr habt alle Erwartungen übertroffen, die wir an die Langlebigkeit von The Witcher 3 hatten. An alle, die an BoB mitgearbeitet haben: Ihr habt etwas geschaffen, das uns alle überleben könnte. Ich bin stolz auf euch, ich bin stolz auf das, was wir auf die Beine gestellt haben. Und an alle, die es gespielt haben: Danke, dass ihr Toussaint am Leben haltet."
Dieser kleine Ausflug in die Vergangenheit folgt nur wenige Tage auf die Ankündigung von CDPR, eine dritte Erweiterung für The Witcher 3 zu veröffentlichen. Diese hört auf den Namen Songs of the Past und dreht sich wieder um Geralt. Songs of the Past erscheint nächstes Jahr für PC, PlayStation 5 und Xbox Series S/X. Als Vorbereitung auf das Add-on hat CD Projekt Red die minimalen PC-Systemanforderungen für The Witcher 3 ordentlich nach oben geschraubt. Das Wichtigste vorweg: Das Spiel setzt nun zwingend Windows 11 und eine SSD voraus. The Witcher 4 befindet sich ebenfalls in der Entwicklung – hier wird Ciri die Hauptrolle übernehmen.









