Wuchang: Fallen Feathers im Test – Ein wundervoller Fashion-Simulator mit Soulslike-Elementen – oder andersherum, wenn ihr wollt
Mein Start mit Wuchang: Fallen Feathers war holprig, aber ich bin froh, dass ich mich durchgebissen habe. Auch wenn Wuchang und ich zu Beginn erst mal miteinander warmwerden mussten, haben mich die wunderschöne Kulisse und der feminine Touch in diesem Soulslike motiviert.
Vogelgrippe, aber mach es kannibalistisch
Wuchang: Fallen Feathers fängt relativ simpel an, mit Wuchang als meiner amnesiegeplagten Protagonistin. Eigentlich finde ich Protagonisten mit Gedächtnisverlust schon recht ausgelutscht, doch die Entwickler haben in der Auflösung am Schluss eine gute Erklärung dafür, was mich mit diesem Erzählklischee versöhnt hat.Ganz simpel gehalten leidet Wuchang an der Feathering-Krankheit, so wie fast das ganze fiktive China in diesem Spiel. Und so machen wir uns auf die Suche nach einem Heilmittel. Bei Feathering scheint es sich nicht bloß um ein paar Federn zu handeln, die einem wachsen (und zugegebenermaßen an Wuchang ziemlich cool aussehen). Es ist eher wie eine Pest, die sich durchs Land zieht. Sie treibt ihre Erkrankten in den Wahnsinn. Die Opfer verwahrlosen, werden Kannibalen, und wie man meinen sollte, macht sich das stark in der Umgebung und Kulisse des Spiels bemerkbar. Blutüberströmte Leichen, Töpfe mit Eingeweiden und widerliche Mutationen begegneten mir immer wieder im Spiel.
Ich bin ein Blindfisch
Auch wenn die Geschichte spannend ist, hat die Erzählweise ein Manko für mich. Ganz im Stil anderer Soulslike-Titel müssen Spieler sich die Geschichte selbst zusammensetzen, durch Tagebucheinträge, Erzählungen und ohne viele Cutscenes. Da das Spiel seine Geschichte zu 80 Prozent über Texte erzählt, die unglaublich klein geschrieben sind. Und ich habe es schon auf einem großen Fernseher gespielt. Es ist bedauerlich, dass es keinerlei Einstellungen für die Schriftgröße gibt. Ich musste mich oft direkt vor den Fernseher stellen, um mitlesen zu können. Die Dialoge waren zudem fast schon monoton und leise, das hat mich stellenweise echt zum Gähnen gebracht. So geht mitreißende Erzählkunst schon mal nicht. Allein eine angenehmere Schriftgröße hätte da schon viel geholfen.
Wunderschön und doch so groß
Aber genug gemeckert. Die Stärke von Wuchang liegt im Level-Design. Seine riesige, faszinierend gestaltete Spielewelt gibt viel Raum für ausgiebige Erkundung, ohne die oft überflüssige Weite einer Open World zu bemühen. Die Welt ist groß genug, um sich auch mal zu verlaufen, aber dennoch nicht so riesig, dass man ständig die Orientierung verliert.
Dennoch ist die Welt nicht langweilig-offensichtlich aufgebaut. Manchmal stand ich an Weggabelungen und musste dreimal überlegen: War ich hier schon? Bin ich da gestorben? Die Maps von Wuchang sind clever aufgebaut und miteinander verzahnt, nach und nach all die verschlossenen Türen zu öffnen und neue Wege und Abkürzungen zu erschließen, macht auch in diesem Soulslike einen großen Reiz aus. Eine Karte gibt es übrigens nicht. Im ersten Durchlauf hat mich das nicht gestört, weil Wuchang klug genug aufgebaut ist. Aber um die Welt später nach Geheimnissen abzugrasen, wäre Map wünschenswert gewesen.
Selbst in eisigen Gebieten hat Wuchang das passende Outfit.Was mich außerdem überrascht hat, waren die verschiedenen Biome, die Entwickler Leenzee im Spiel integriert hat. Es fühlte sich an, als sei man ein ganzes Jahr unterwegs – auf die gute Art –, durch frische grüne Wälder, mit kleinen Siedlungen, hinter Schlossmauern, durch kühlen Schnee oder herbstliches Laub in Dörfern. Jedes Gebiet war einzigartig und hat mich mit seiner Schönheit wirklich überrascht. Die Umgebung und der stilvolle Soundtrack begleiten die Dramaturgie von Wuchangs Reise auf atmosphärische Art. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet!
Immer stylisch in den Kampf
Aber was darf bei einer Wanderung durch verschiedene Witterungen nicht fehlen? Richtig, die passende Kleidung! Und sind wir mal ehrlich: Wuchang ist ein richtiges Mädchen. Trägt einer ihrer Feinde ein süßes Kleidungsstück, geht sie über Leichen. Ich kann es ihr nicht verübeln, denn Leenzees Designer haben sich bei den Outfits selbst übertroffen. Wer will bitte keine gläsernen Schuhe tragen?
Auch Drachenhörner sind ein cooles Accessoire.Dass Wuchang so einen schicken Kleidungsstil hat – sexy, selbstsicher, elegant –, freut mich sehr. Aber noch mehr, dass die Kleidung nicht rein kosmetisch ist. Jedes Outfit hat seine Vor- und Nachteile und ist in bestimmten Momenten echt hilfreich. Als Fan von Dress-up-Spielen war ich von der Stilsicherheit Wuchangs begeistert. Wie oft läuft man in Games wie ein Clown durch die Gegend, der mit seinem Bus in einen Second-Hand-Laden gekracht ist? In Wuchang darf ich meine Feinde mit femininer Energie ins Jenseits befördern – und sehe danach vielleicht wieder ein bisschen schicker aus.
Das Langschwert ist mein
Jetzt, wo wir abgehakt haben, wie stylish Wuchang in den Kampf zieht, sollte ich auch über ihren Kampfstil reden. Die Gute ist richtig talentiert: Sie beherrscht fünf Waffenarten, darunter Speere, Langschwerter, Kurzschwerter, Zwillingsklingen und Äxte. Jede Waffe hat ihren eigenen Stil und ein eigenes Moveset. Ich mochte es besonders, das Langschwert zu schwingen, schnelle, aber dennoch kraftvolle Angriffe, die Wuchang nicht aus der Puste brachten.
Die Pandamütze gehört zu Wuchangs stylischen Highlights.So einen großen Baum habe ich lange nicht mehr gesehen
Auch wenn das Kampfsystem zu Beginn etwas unflexibel wirkte, konnte ich es auf dem monströsen Skill-Baum gut ausbauen. Besonders gut gefiel mir, dass jede Verbesserung sofort Auswirkungen hatte. Nicht nur Skills für Waffen schaltet man hier frei, auch Wuchang selbst verbessert ihre körperlichen und magischen Fähigkeiten. Außerdem hat jede Waffe zwei Spezialattacken: eine erlernte Disziplin und eine vorgegebene. Parieren, sonst so präsent in Soulslikes, war hier übrigens keine Selbstverständlichkeit. Ich musste es erst freischalten. Bei meinem Langschwert war es anfangs nicht dabei. Ich war verwirrt, ob ich überhaupt Paraden brauchte. Die Magie-Skills sind stark und cool, sie sind sogar von Gegnern inspiriert. Fand ich eine Attacke eines Feindes besonders nervig, konnte ich sie einfach selbst nutzen. Bumm, die Gegner leiden genauso wie ich damals.
Wuchang und ihre Bosse
Bei den Bossen gibt es viel Licht, aber auch etwas Schatten. Die monströseren unter ihnen gefielen mir sehr gut. Einige wirklich groteske Kreationen faszinierten mich aufrichtig und brannten sich in mein Gedächtnis. Später setzt Wuchang öfter mal auf menschliche Bosse, was ich meist etwas langweiliger finde. Was den Schwierigkeitsgrad angeht, gewöhnt man sich zu Beginn an viele der leichteren Endgegner gewöhnen, aber das Spiel zieht den Schwierigkeitsgrad schnell an. Besonders menschliche Gegner waren fast schon göttlich stark und haben mich teils stundenlang beschäftigt. Und doch hat es Wuchang geschafft, mich nicht zu enttäuschen. Jeder verlorene Kampf hat mich motiviert, es noch einmal zu versuchen.
Eines der wohl abscheulicheren Monster in Wuchang: Fallen Feathers.Man braucht einen langen Atem, wie in jedem Soulslike. Der richtige Moment zum Angriff zählt. Ich war besonders froh, dass das Spiel eher auf Ausweichen als Parieren setzte, als Parier-Muffel ein Segen! Nervig war aber, dass ich manchmal nur mit bestimmten Skills weiterkam. Was anderes funktionierte schlicht nicht. Das war bisweilen frustrierend, denn ich musste erst 5 Stunden leveln, um einen neuen Pfad im Skilltree auszubauen. Zum Glück bekommt es Wuchang hin, dass auch das ordentlich Spaß macht.
Hier und da ein Ruckler
Aber wie läuft das Spiel auf der PlayStation 5? An mir sind die schlechten Reviews zur PC-Version nicht vorübergegangen. Auf meiner PS5 lief es aber relativ flüssig. Ein paar Ruckler beim Speichern gab es, und bei gelegentlichen Freezes krallte ich mich vor Schreck in meiner Decke fest, weil ich dachte, das Spiel wäre abgestürzt. Aber es ist nie passiert, auch im Kampf nicht.
Fazit
Wuchang: Fallen Feathers ist sicher nicht die Krone der Soulslike-Schöpfung. Aber es ist solide und hat mich mit seiner fabelhaft inszenierten Spielwelt und seinem femininen Charme begeistert. Das Spiel bleibt schwer, ist aber nie unfair, und mit dem riesigen Skilltree gibt es für mich auch jetzt noch viel zu tun. Nur in die Erzählweise hätten die Entwickler etwas mehr Feinschliff einfließen lassen können, und eine Option zur Anpassung der Schriftgröße sollte bei derart kleinen Texten Pflicht sein. Wer ein Soulslike mit ostasiatischem Flair, stilvoller Protagonistin einigen coolen, verrückten Bossen sucht, dem kann ich Wuchang: Fallen Feathers definitiv ans Herz legen.
wuchang: Fallen Feathers PROCONTRA- Wirklich faszinierende Spielwelt mit verschiedenen Biomen
- Süße Outfits mit verschiedenen Vorteilen
- Riesiger Skilltree, der einiges bietet
- Schöner Soundtrack
- Viel zu kleine Schrift in Texten
- Performance nicht ganz so flüssig









