Toriki ist ein schönes Abenteuer für die ganze Familie, das erfahrene Adventure-Hasen aber deutlich unterfordert.

Was ist Toriki?

Toriki ist ein kooperatives, App-gestütztes Erkundungs-Brettspiel für Familien (1-4 Personen). Das von Wojciech Grajkowski entworfene und bei Lucky Duck Games / Mirakulus erschienene Abenteuer kombiniert analoges Brettspiel-Material mit digitalen Rätseln.

Brettspiele, die eine Geschichte erzählen, sind im Jahr 2026 keine Seltenheit mehr. Über deren erzählerische Qualität kann man sich natürlich streiten. Oftmals bewegt sich die Handlung nicht auf dem Niveau eines Videospiels oder eines Kinofilms. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Zuletzt hatte ich sehr viel Freude mit The Dark Quarter, das eine intensive Story mit düsterem Szenario und ausgefeilten Charakteren zeichnete. Für jüngere Mitspieler ist der Titel indes nicht geeignet. Das 18er-Label steht schon aus gutem Grund auf der Verpackung. Mit Toriki: Eine Insel voller Abenteuer kommt aus dem gleichen Hause aber eine Alternative mit ähnlichem Ansatz, die schon eine Altersempfehlung ab acht Jahren bekommen hat.

Kooperative Inselerkundung für die ganze Familie

Wie schon bei The Dark Quarter kommt bei Toriki eine App zum Einsatz, die ihr kostenlos bei Google Play, im App Store oder bei Steam herunterladen könnt. Ohne Smnartphone oder Tablet lassen sich die Abenteuer auf der Insel nicht bestreiten. Analoges Spielmaterial gibt es aber natürlich trotzdem. Ihr beginnt euren Ausflug auf die Südseeinsel zunächst auf einem kleinen Strandabschnitt. Die restliche Insel müsst ihr im Verlauf der Kampagne erkunden. Passende Spielplanteile befinden sich in geheimnisvollen Umschlägen, die ihr aber erst öffnen dürft, wenn euch das Programm dazu auffordert.

Den kleinen Küstenabschnitt der Insel Toriki steuert ihr nicht ganz freiwillig an. Als Forscher tretet ihr die Reise zwar gemeinsam mit eurem Biologie-Professor an, um die Geheimnisse der Insel zu erkunden, doch kurz vor dem Ziel erleidet die Expedition Schiffbruch. Ihr werdet an den Strand von Toriki gespült und müsst euch anfangs ohne große Vorräte oder Ausrüstung durchschlagen. Die Wissenschaft muss also vorerst hinten anstehen. Jetzt geht es erstmal ums nackte Überleben. Eine Handvoll Proviant konntet ihr retten. Außerdem habt ihr noch ein Messer, eine Axt, eine Schaufel und ein Fernrohr von Bord eures Schiffes geborgen.

Zunächst sieht eure Gruppe nur den südlichen Zipfel der Insel Toriki.

Überlebenskampf auf der Südseeinsel

Die Insel ist in mehrere Felder aufgeteilt. In eurem Zug dürft ihr euch ohne weitere Kosten genau ein Feld weit vom Basislager fortbewegen. Jede weitere Bewegung kostet euch eine Einheit Nahrung. Nach dieser Phase dürft ihr euren aktuellen Ort erkunden und mit ihm interagieren. Dazu zieht ihr die App heran, sie zeigt euch alle verfügbaren Aktionsmöglichkeiten auf. Alles abgehandelt? Dann dürft ihr das Tablet (oder das von euch gewählte Endgerät) an den nächsten Spieler in der Runde weiterreichen. Die Züge fallen vergleichsweise kurz aus. Ellenlange Wartezeiten sind daher nicht zu befürchten. Auch längere Texte tauchen in Toriki nicht auf. Die wenigen Zeilen sollten aber allen Mitspielenden vorgelesen werden, damit alle Abenteurer über sämtliche Informationen verfügen.

Dieses gesammelte Wissen ist in Toriki besonders wertvoll. Häufig werdet ihr bestimmte Materialien benötigen, um damit eine der zahlreichen Zwischenmissionen zu erfüllen. Zu Beginn werdet ihr zum Beispiel recht schnell einen Unterschlupf bauen müssen und ein Lagerfeuer wäre vermutlich ebenfalls von Vorteil. Später tauchen selbstverständlich noch so einige überraschende Ereignisse auf, die euch immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Die Erkundung der gesamten Insel ist dabei auf jeden Fall von hoher Bedeutung.

Die App zeigt euch vor Ort eure Aktionsmöglichkeiten an.

Eine lebendige Insel voller Überraschungen

Mich haben die Abenteuer auf Toriki stark an das Spielgefühl eines klassischen Point-and-Click-Adventures erinnert. Viele Orte müssen mehrfach besucht werden, um etwaige Gegenstände aufzulesen, sie mit anderen zu kombinieren und so eine Vielzahl von Rätselaufgaben zu lösen. Dabei spielt euer Basiscamp im Süden der Insel eine große Rolle. Nur dort lassen sich zwei Fundstücke miteinander in Verbindung bringen, um damit ein neues Objekt zu erschaffen. Habt ihr die richtige Kombinationsmöglichkeit entdeckt, erhaltet ihr ein neues Item, mit dem ihr hoffentlich eines der gerade anstehenden Probleme lösen könnt.

Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel ist moderat. Adventure-Veteranen dürften die meisten Aufgaben im Handumdrehen lösen. Toriki möchte sich klar als Familienspiel positionieren, von daher sollte der Anforderungsgrad ganz gut passen. Erwartet also keine megakomplexen Puzzles im Stile von Monkey Island oder Day of the Tentacle. Selbst unerfahrene Rätsellöser feiern hier schnell Erfolgserlebnisse, Frustmomente dürften eher selten auftauchen. Falls es doch mal nicht richtig klappt, dürft ihr euren Professor um Hilfe bitten fragen. Er muss verletzt am Basislager zurückbleiben, steht euch aber mit seinem weisen Rat zur Seite. Nutzt ihr den Prof als Hilfefunktion, macht sich das am Ende der Kampagne allerdings mit einem kleinen Malus auf die Endbewertung bemerkbar.

Euer Basislager auf der Insel gewinnt zunehmend an Komfort.

Abenteurergruppe ohne Profil

In Toriki ist eigentlich immer etwas los. Stetig werden kleine Ereignisse und Probleme eingestreut, die euch neue Aufgaben vor die Füße werfen. Auch die Geheimnisse der Insel werden Schritt für Schritt enthüllt. Am Anfang ist die Reichweite euer größtes Problem. An jedem Tag auf der Insel dürft ihr lediglich drei Züge absolvieren. Neigt sich die Sonne zum Horizont, müsst ihr unweigerlich in das Basislager am südlichen Zipfel der Insel zurückkehren. Von dort aus müsst ihr euch am nächsten Morgen erneut ins Innere der Insel vorkämpfen. Ein Missstand, den ihr ebenfalls bald beheben solltet.

Auf diese Weise entsteht ein angenehmes Progressionsgefühl. Ihr erhaltet immer mehr Ausrüstungsgegenstände, das Lager gewinnt zunehmend an Komfort und sogar der Nachschub an Nahrung ist irgendwann gesichert. Was allerdings ein wenig fehlt, ist der Ausbau der Charakterprofile selbst. Jede Spielfigur unterscheidet sich einzig und allein durch ihre ausgerüsteten Gegenstände. Ihr gewinnt keine neuen Fähigkeiten hinzu und überhaupt bleiben eure Avatare während des kompletten Durchlaufs profillos. Das hält das Spielgeschehen zwar einfach, Adventure-Freunde werden die Ausgestaltung der Charaktere aber sicherlich vermissen.

Auf der Insel gibt es allerlei unbekannte Tiere und Pflanzen zu entdecken.

Für die Bewältigung der gesamten Kampagne müsst ihr zwischen sechs und acht Stunden einkalkulieren. Da ihr das Abenteuer vermutlich nicht in einer einzigen Sitzung durchpeitschen wollt, lässt sich der Spielstand mit Hilfe der App problemlos speichern. Nach Abschluss der Partie könnt ihr das ganze Material mit wenigen Handgriffen in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Lediglich das Lexikon, in dem ihr im Verlauf ständig Notizen hinterlegt, lässt sich nicht ohne Weiteres resetten. Verwendet daher am besten beim Beschreiben einen Bleistift. Dann könnt ihr eure Aufzeichnungen mit einem Radierer wieder entfernen. Alternativ lässt sich das Lexikon auch als Dokument herunterladen und ausdrucken. Einem wiederholten Durchlauf steht somit nichts im Wege. Blöd nur, dass ihr jetzt schon die meisten Geheimnisse der Insel kennt…

Toriki – Testfazit

Toriki ist ein wundervolles Adventure, das sich in erster Linie an eine jüngere Zielgruppe richtet. Es eignet sich perfekt, um im Kreise der Familie ein entspanntes Abenteuer zu genießen. Auf bockschwere Puzzles wurde ebenso verzichtet wie auf eine detailreiche Ausgestaltung der Charaktere. Im Vordergrund steht klar die Entdeckung der Insel, die auch tatsächlich so einiges zu bieten hat.

Durch die schnellen Spielzüge halten sich die Wartezeiten selbst bei der Vollbesetzung mit vier Personen noch arg in Grenzen. Der Geduldsfaden der kleineren Mitspieler wird also nicht allzu sehr auf die Probe gestellt. Die Mischung aus digitalen und analogen Spieleelementen ist geglückt. Es wird zwar schon viel mit dem Tablet hantiert, zwischendurch geht es aber immer wieder zurück an den Spieltisch. Neue Inselfragmente kommen hinzu, die ihr dann nach Hinweisen für die ständig neu aufploppenden Aufgaben abgrast. Adventure-Veteranen, die ein Monkey Island noch vor dem Frühstück durchspielen, fühlen sich aber unterfordert.

TORIKI PROCONTRA
  • Familienfreundliches Spielkonzept
  • Erinnert an die guten alten Point-and-Click-Adventures
  • Keine langen Wartezeiten dank kurzer Spielzüge
  • Kooperatives Rätsellösen
  • Für Adventure-Veteranen viel zu einfach
  • Nach dem Durchspielen kaum Wiederspielwert