Tim Cain über Fallout, Crunch und die Frage, wann Leidenschaft zur Selbstausbeutung wird
Crunchtime, extreme Arbeitszeiten und kein Tageslicht während der Hochphasen der Entwicklung sind immer noch Probleme in der Videospielentwicklung. Das ist jedoch unglücklicherweise kein modernes Phänomen, wie Fallout-Chefentwickler Tim Cain in seinem neuesten YouTube-Video erzählt. Darin berichtet er auch von einem normalen Tag während seiner Zeit bei Interplay Entertainment.
Aus dem Leben eines Entwicklers
Immer wieder gibt es schockierende Berichte über Arbeitsbedingungen während der Spieleentwicklung und absurde Arbeitszeiten in den Hochphasen. Dieses Problem plagt die Branche allerdings schon seit langem, wie Tim Cain auf seinem YouTube-Kanal berichtet. Dort gibt er immer wieder spannende Einblicke in die Videospielentwicklung, Arbeitsbedingungen oder erzählt Anekdoten aus seinen zahlreichen Jahren als Entwickler.
In seinem neuen Video gibt er Einblick in seinen Arbeitstag, während er 1995 am ersten Fallout bei Interplay Entertainment arbeitete. Obwohl schon die Vorproduktion unregelmäßig und kräftezehrend war und auch der Endspurt 1997 nicht weniger als sieben Tage Wochen verlangte, klingt auch der “gewöhnliche” Arbeitstag während der Hauptphase 1995 sehr anstrengend.
A Typical Day Of Making Fallout Auf YouTube ansehen“Ich fuhr oft im Dunkeln zur Arbeit und im Dunkeln nach Hause”, fasst er das Ganze zusammen. Denn sein Tag startete 6 Uhr morgens mit der Versorgung seiner Katze und der anschließenden Fahrt ins Büro. 7 Uhr fängt er an zu Arbeiten und hörte, abgesehen von einer Mittagspause, erst zwischen 19 und 19:30 Uhr auf.
Ein zweischneidiges Schwert
Da war jedoch noch nicht der Feierabend in Sicht, denn danach standen häufig Meetings mit den Producern an, für die auch Berichte geschrieben werden mussten: “Ich weiß nicht, wer sie gelesen hat. Ich vermute, dass sie manchmal nicht gelesen wurden, weil sie manchmal Fragen enthielten, die nie beantwortet wurden. Aber die Berichte wurden geschrieben.”
Danach hielt er alles in detaillierten Notizen fest, ohne die das Video so vermutlich nicht existieren könnte, und ging 22 Uhr ins Bett. Doch selbst Samstage blieben nicht von Cains Arbeitswut verschont, denn hier arbeitet er häufig trotzdem, um “in Ruhe zu coden”. In dieser Zeit entstanden viele wichtige Features und Tools für das Entwicklungsteam. “Ich gebe euch die Features, wenn ihr [mir] Inhalte gebt”, fasst Cain nüchtern zusammen.
Wer sich jetzt denkt ‘Das klingt heftig’ hat absolut recht. Doch Cain hat das Ganze trotzdem Spaß gemacht: “Ich weiß, dass viele von euch denken: ‘Das ist schrecklich, sie missbrauchen dich mit Crunch.’ Ich wollte das tun. Ich hoffe, dass einige von euch irgendwann einmal die Erfahrung machen dürfen, etwas zu tun, das ihr so sehr liebt, dass ihr Zeit dafür aufwendet, weil ihr es liebt, und nicht, weil ihr dazu gezwungen werdet.”
Natürlich ist Cains Fall ein besonderer und nicht vergleichbar mit dem Alltag eines normalen Entwicklers . Dessen ist er sich auch selbst bewusst und fügt hinzu: “Ich bin froh, dass sich die Dinge geändert haben, das war unhaltbar. Aber es war auch absolut großartig.” Leider gilt dies aber noch lange nicht für die gesamte Branche.









