The Last Caretaker könnte mein Spiel des Jahres 2026 werden …
Kurze Einordnung zum Einstieg: The Last Caretaker ist bereits seit November 2025 erhältlich. Aber wir reden hier von Build 0.6.0.606448, also Early Access in seiner reinsten Form. Version 1.0 wird wohl Ende 2026 über die Ziellinie gehen und wäre damit qualifiziert für die GOTY-Saison 2026.
Fertig ist das Spiel noch lange nicht. Laut Roadmap fehlen noch viele wichtige Inhalte. Dass ich trotzdem süchtig bin und innerhalb weniger Tage über 30 Stunden Spielzeit angehäuft habe, sagt alles über die besondere Qualität.
Als Spielplatz dient mal wieder die Postapokalypse, diesmal in der „alles abgesoffen“-Variante: eine Welt, in der Städte nur noch als Unterwasser-Deko existieren. Dass die Menschheit komplett ausgerottet ist, nehme ich jetzt einfach mal an – sicher wissen tu ich es (noch) nicht. Bisher habe ich jedenfalls weder trockenes Festland gesehen noch einen einzigen Menschen getroffen – zumindest keinen, den ich nicht selbst gezüchtet habe.
Just do it
Ihr steckt nämlich im Blechkörper einer Service-Einheit, deren Aufgabe es ist, tiefgekühlte Zellen – vom Spiel fast zärtlich „Menschensaat“ getauft – aufzuspüren. Diese zieht ihr in einer sogenannten Lazarus-Maschine im Schnellverfahren auf, um sie schließlich per Rakete ins All zu schießen, damit die Menschheit an einem anderen Ort neu anfangen kann.
Klingt nach einer „Bring A nach B und dann nach C“-Situation. Ist es aber nicht. Euch erwartet eine Mammutaufgabe, deren Komplexität sich Stück für Stück offenbart. Learning by Doing ist angesagt, denn The Last Caretaker verzichtet auf lange Tutorials und Zwischensequenzen, die euch alles fein säuberlich vorkauen. Wer verstehen will, warum die Welt den Bach runterging, muss jede Ruine wie einen Tatort lesen.
The Last Caretaker - Update 01: Last Humans Trailer Das Spiel wird laufend verbessert und ich bin süchtig danach.Auf YouTube ansehenEuer wichtigstes Fenster in die Vergangenheit sind die sogenannten PECO-Terminals. Diese Konsolen liefern nicht nur Lore-Häppchen, sondern gewähren euch auch Zugriff auf Kamerasysteme und versiegelte Bereiche. Der Haken: In dieser abgesoffenen Welt ist funktionierende Infrastruktur ein Fremdwort. Strom kommt nicht einfach aus der Wand; er ist eine von mehreren Ressourcen, die ihr euch hart erarbeitet. Bevor ihr also Terminals und andere Gerätschaften nutzen könnt, müsst ihr erst einmal den Saft andrehen.
Eine einfache Möglichkeit ist, die Umgebung nach Batterien abzusuchen und diese per Kabel an die benötigten Maschinen anzuschließen. Das hilft allerdings nur kurzfristig, da jede Batterie irgendwann leer ist. Nachhaltiger wird es mit Solaranlagen oder Windrädern, die ihr so verkabelt, dass die Energie am Bestimmungsort landet. Aber: Paneele liefern nachts keinen Strom und Windräder stehen bei Flaute still. Ihr könnt den Überschuss jedoch in Batterien zwischenspeichern, um diese Durststrecken zu überbrücken. Wie ihr die nötige Infrastruktur am Ende ans Laufen bekommt, bleibt euch überlassen – Hauptsache, der Saft fließt.
Diese Dinger sind eigentlich relativ harmlos, aber ich brauche die Biomasse.Energie ist Leben
Und weil ihr ein maschineller Caretaker seid, müsst ihr eure eigene Energieversorgung ebenfalls permanent im Blick behalten. Euer Akku ist euer Leben. Jede Bewegung, jede Aktion und jedes Einschalten der Taschenlampe frisst Strom. Wenn die Anzeige auf null fällt, ist Feierabend. Zum Glück dürft ihr euch per Kabel an praktisch jede Stromquelle hängen und wieder aufladen. Ihr könnt aber auch selbst zur Power-Bank werden, indem ihr den Stromfluss im Kabel per Knopfdruck umleitet. Dieses Energietransfer-System wird mit jeder Stunde interessanter, weil ihr immer mehr Tricks und Anwendungen entdeckt.
Mir fiel zum Beispiel erst nach einigen Stunden auf, dass ich die leergeschossene Energiepistole zum Aufladen direkt an meinen eigenen Body anschließen kann. Eigentlich naheliegend, aber ich war schon immer schwer von Begriff.
Mit jeder neuen Stufe lassen sich neue Gerätschaften freischalten.Damit zum nächsten Punkt: Ihr trefft unter anderem auf feindselige Roboter, rätselhafte organische Kreaturen und Wesen, die wie Hybride aus Fleisch und Metall wirken. Was es mit ihnen auf sich hat? Das ist nur eines der vielen Mysterien, denen ihr im Spiel auf den Grund gehen dürft.
Neben der erwähnten Energiepistole findet und craftet ihr im weiteren Spielverlauf diverse Argumentationshilfen, von der Granate bis zum Scharfschützengewehr. Und falls ihr dachtet, Solaranlagen und Windräder wären beim Thema Energiegewinnung bereits das Ende der Fahnenstange, dann sei euch gesagt: Das ist lediglich die Spitze des Eisbergs.
Die Stille des Meeres
Da die Welt im Grunde eine einzige, gigantische Suppe ist, steht euch ein kleines Schiff als Transportmittel zur Verfügung. Der Haken an der Sache: Der Kahn schluckt nicht nur Strom, sondern giert auch nach Treibstoff. Ihr solltet also mit einem geschärften Blick über den Ozean schippern, denn auf rostigen Plattformen und verlassenen Bohrinseln warten prall gefüllte Tanks auf einen neuen Besitzer. Mit Schläuchen bewaffnet leitet ihr das flüssige Gold direkt ins Schiff oder füllt es in Behälter für die spätere Nutzung.
Das Herumschippern hat eine fast schon meditative Wirkung.Wenn ihr schon mal halbwegs festen Boden unter den Füßen habt, solltet ihr die Gelegenheit nutzen: Zerlegt den herumliegenden Schrott vor Ort und füllt eure Rohstoffbestände für das nächste Crafting-Projekt auf. Parallel dazu lohnt sich die Suche nach großen Funktürmen. Einmal aktiviert, lüften sie den Nebel auf der Weltkarte und markieren interessante Ziele, was Hobby-Entdecker zusätzlich motiviert. Dass die Reise dabei nicht nur an der Oberfläche stattfindet, versteht sich von selbst – auch unter Wasser warten Geheimnisse darauf, von euch entschlüsselt zu werden.
Ganz nebenbei sammelt ihr Erfahrungspunkte, die ihr direkt in essenzielle Upgrades wie mehr Tragkraft oder Energie investiert. Mit jeder neuen Stufe erweitert sich zudem euer Crafting-Repertoire, wodurch sich die Motivationsspirale immer schneller dreht: Bessere Skills und neue Gerätschaften vergrößern auch euren Aktionsradius. Wer beispielsweise tiefer tauchen kann, erschließt sich buchstäblich neue Ebenen der Spielwelt. So verzahnt sich eine Mechanik mit der nächsten, während das spielerische Puzzle Stück für Stück vervollständigt wird.
Die ganze Thematik weckt wohlige Erinnerungen an einen meiner absoluten Lieblingsfilme: Silent Running mit Bruce Dern. Nur mit dem feinen Unterschied, dass Derns Figur damals versuchte, den letzten Rest Natur vor dem Vernichtungswahn der Menschheit zu retten. Wahrscheinlich ist es einfach diese einsame, melancholische Sci-Fi-Stimmung, die ich mit dem Film assoziiere.
Auch unter dem Meeresspiegel gibt es jede Menge zu entdecken.It’s Alive!
Eine Sache verrate ich noch: Den gesammelten Schrott und die organischen Überreste nutzt ihr für weit mehr als profanes Werkzeug oder Waffen, denn in der Lazarus-Maschine werdet ihr zum Herrscher über die Schöpfung. Die neuen Menschen, die ihr heranzüchtet, lassen sich gezielt genetisch veredeln. Ihr steigert die „Qualität“ eurer Kolonisten, macht sie intelligenter und widerstandsfähiger und sorgt so dafür, dass sie nicht schon beim ersten Anflug einer Space-Grippe aus den Latschen kippen.
Das Beste daran: Was im ersten Moment kompliziert klingen mag, spielt sich in der Praxis erstaunlich intuitiv. Ich persönlich mache normalerweise einen Bogen um das Crafting-Survival-Genre, weil mir die ständige Kontrolle von Hunger-, Durst- oder Müdigkeitsbalken schlicht zu kleinteilig ist – oft artet das Gameplay dadurch viel zu schnell in Arbeit aus.
The Last Caretaker setzt die Prioritäten jedoch anders und rückt die Erkundung der Welt sowie das stückweise Entschlüsseln ihrer Geheimnisse ins Zentrum. Selbst das Verlegen der Leitungen, um die Versorgung mit Strom und Sprit sicherzustellen, verkommt nie zur bloßen Fleißaufgabe. Vielmehr funktionieren diese Handlangertätigkeiten wie eigenständige Rätsel, für die es eigentlich immer mehrere Lösungswege gibt.
Da meine Batterie voll ist, lade ich das Terminal einfach mit meiner Energie auf.Fazit:
Ich bin diesem Spiel bereits jetzt hoffnungslos verfallen. Wenn man bedenkt, was die Entwickler noch alles in der Hinterhand haben – von neuen Gegnertypen und zusätzlichen Umgebungen über Jetskis und Gyrocopter bis hin zu einer Anbindung an den Weltraum, die im PECO-Terminal bereits angedeutet wird, sich aber noch nicht nutzen lässt –, ist meine Neugier kaum noch zu bändigen. Bereits im Frühjahr erfahren wir zudem, was es mit den Datenanschlüssen unter den Terminals auf sich hat, die derzeit ebenfalls noch ohne Funktion sind.
Mein ursprünglicher Plan, The Last Caretaker erst einmal zur Seite zu legen und in Ruhe reifen zu lassen, ist übrigens krachend gescheitert. Ich komme einfach nicht davon los. Das Spiel drückt bei mir exakt die richtigen Knöpfe und entfaltet eine Sogwirkung, der ich mich aktuell nicht entziehen kann. Es gibt im Moment schlicht kein anderes Game, das mich derart konsequent in seinen Bann zieht, aber das Jahr ist ja noch jung.









