The Last of Us Season 2 wird im Finale richtig böse, aber das Resultat verwirrt mich immer noch – funktioniert diese Geschichte am Ende als TV-Serie gar nicht?
Spoiler zum Staffelfinale von The Last of Us Staffel 2
Gut, jetzt wieder zwei (?) Jahre warten. Und oh weh… ich bin nicht sicher, ob The Last of Us Part 2 als Serie in dieser Form funktioniert. Es mussten einige Zugeständnisse gemacht werden – Voranstellung von Abbys Motiven und mehrmalige Erinnerung daran, Ellies fast schon kindliche Blauäugigkeit, mit der sie ihren Rachetrip beginnt, mehr Beziehungskram, plötzlich gibt es doch wieder Sporen – und ich bin mir nicht sicher, ob es das wert war. So spannend diese letzte Folge bisweilen auch inszeniert war, so sehr nervt mich doch, was für Haken die Serie schlug. Anders als im Spiel bin ich mir nicht im Klaren, was ich hier eigentlich fühlen soll.
Immerhin: Die wichtigsten Momente waren extrem schwierig anzuschauen, fand ich. Auf die gute Art. Mels Tod (bei dem Ellie es nicht mal hinbekommt, so zu tun, als würde sie den Anweisungen der Sterbenden Folge leisten – wtf!?) war schlimm, und Jesses Ende war nach seinen ordentlichen Redeanteilen, in denen man ihn richtig lieb gewann, angemessen abrupt und deshalb umso niederschmetternder. Aber es fühlte sich in Summe arg richtungslos an. Als hätte man zu viele Ereignisse in zu wenig Serie quetschen müssen. Das passiert in letzter Zeit viel zu oft...
Season 2 wirkt ein wenig zerfahren...
Ellies “Ausflug” auf die Scar-Insel war, wie die komplette Seraphiten-Geschichte bis jetzt, beinahe komödiantisch beiläufig (wie ist sie bei diesem Wetter in Stiefeln und Klamotten mitsamt ihres Rucksacks überhaupt aus dem Wasser gekommen, noch dazu exakt dort, wo das Boot war?), Isaacs Überlegungen bezüglich Abby im Vorfeld des Angriffs auf die Scars hingen auch komplett seltsam in der Luft. Und nach der Folterung Noras beichtet Ellie den Grund für den Angriff auf Joel und bekommt gewaltige Zweifel, ob das so gerechtfertigt war, um dann Dina zuzustimmen, dass es an der Zeit ist, nach Jackson zurückzukehren. Nur um dann bei Sichtung des Aquariums all das wieder zu vergessen, was wiederum zu ihrem Mord an Owen und Mel führt.
The Last of Us Season 2 | Episode 7 Preview | Max Auf YouTube ansehenIch tue mich wirklich schwer, diesen Zickzackkurs mitzugehen. Im Spiel war Ellies Rachewahn deutlich singulärer, zielstrebiger, und mitreißender. Ich wusste, woran ich war, denn ich wusste zu diesem Zeitpunkt fast nichts über Abby. Das machte es einfach, sie zu hassen, wie hypnotisiert war man. In der TV-Serie wurde es mir mittlerweile dreimal vorgekaut, dass Abby nicht zwangsläufig die Böse ist, weshalb es sich bisweilen anfühlt, als verfiele die Serie bei Ellies Missetaten in eine Art Rechtfertigungsmodus. Und Mels Tod ist jetzt halt doof gelaufen. Auch Ellies Versuch, den Scar zu retten, den die WLF gefangen hatte, wirkte seltsam unpassend.
Demgegenüber stehen vor allem in den Nebenrollen weiter sehr gute Darsteller. Young Mazino gibt einen exzellenten Jesse ab, Isabela Merced spielt Dina mit einer emotionalen Reife, die an einer 23-jährigen wirklich überrascht und Bella Ramseys Monolog, wie einfach es war, Nora zum Sprechen zu bringen, ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen. Hettienne Park und Jeffrey Wright würden als WLF-Anführer problemlos komplette Folgen tragen, schießen ihre Schauspielkunst aber hier bislang lediglich wie Silversterraketen kreuz und quer durch die eigentliche Handlung der Folge. Als Abby die Gruppe dann im Theater attackiert, macht Kaitlyn Dever das mit einer Mischung aus Härte und Verzweiflung, die dem Spiel gerecht wird, wenngleich die Spiel-Abby zu dem Zeitpunkt emotional noch ein bisschen deutlicher wackelte, was ich interessanter fand.
Ein Cliffhanger der besonders gemeinen Art
Mit einem Schuss in eine Schwarzblende hinein endet diese durchaus spannende Szene, nicht aber die Folge. Zuerst wird noch der Perspektivwechsel zu Abby ein paar Tage zuvor vollzogen und ich habe keine Ahnung, wie die Leute, die das Spiel nicht kennen, diesen Cliffhanger aufnehmen werden. Vor allem mit Blick auf die Wartezeit bis womöglich 2027 dürfte die Aussicht darauf, mit Staffel drei nach Joel auch auf Ellie und Dina als Hauptfiguren zu verzichten, eventuell abschreckend wirken. Auf das Echo bin ich jedenfalls gespannt. Auch hier wieder: Als Spiel hat das funktioniert – wir konnten unmittelbar weitermachen, sobald wir den Kloß im Hals runtergeschluckt hatten. Neugier überwog, was Abbys Perspektive genau sein würde. Hier kennen wir sie in Teilen schon, und ich frage mich, ob das sich nicht eventuell rächt, wenn es darum geht, die Zuschauer bis zum Release von Staffel 3 bei Laune zu halten.
Als Spiel waren die The Last of Us Titel - der erste Teil als unbequeme Vater-Tochter-Geschichte, der zweite als mürbe machendes Gedankenspiel über die Natur von Gewalt - absolut herausragende Werke. Als Fernsehserie sind sie immer noch gutes TV-Handwerk, mit vereinzelten bemerkenswerten Momenten. Für mich ist es ein Downgrade dieser Geschichte - dann wiederum ist sie vielleicht auch einfach nicht für mich gemacht.









