Der Einsatz von generativer KI und LLMs gehört heute zu den umstrittensten und am stärksten polarisierenden Themen in der Spieleentwicklung. Spieler und Kritiker achten immer genauer auf die Nutzung solcher Tools in Spielen. Sie durchforsten die Steam-Shopseiten jedes neu angekündigten Spiels, um zu sehen, ob die Technologie während der Entwicklung zum Einsatz kam.

Take-Two, der Mutterkonzern von Grand Theft Auto 6-Entwickler Rockstar, hatte früher eine eigene Abteilung, die erforschen und erproben sollte, wie KI in ihren verschiedenen Formen die Spieleentwicklung unterstützen kann. Das änderte sich jedoch im April, als das Unternehmen Berichten zufolge das gesamte KI-Team vor die Tür setzte.

Dieser Schritt kam überraschend, wenn ihr bedenkt, wie viele Unternehmen die Integration generativer KI in ihren Entwicklungsprozess entweder heimlich oder völlig offen begrüßen. Die meisten der entlassenen Mitarbeiter arbeiteten jedoch überhaupt nicht mit generativer KI.

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Ursprung des KI-Teams und moralische Bedenken

Das Team fing ursprünglich beim Mobile-Entwickler Zynga an, bevor Take-Two das Unternehmen 2022 übernahm. Später weitete man die Zuständigkeiten der Abteilung auf das gesamte Take-Two-Universum aus. In einem Interview mit GamesIndustry.biz verriet Dr. Luke Dicken, der ehemalige Leiter des Teams, dass diese Spezialabteilung bereits 2019 an den Start ging – also lange vor dem öffentlichen Start von ChatGPT im Jahr 2022 und dem darauf folgenden Hype um generative KI.

"Generative KI ist nichts, wofür ich mich jemals besonders begeistert habe", erzählte Dicken. "Ich denke, es gibt eine moralische Verpflichtung, dieses Thema bestmöglich zu steuern. Gleichzeitig muss klar sein: Für jeden Großkonzern in den Jahren 2025/2026 ist ein Verzicht auf generative KI die falsche Antwort, mit der man viele Leute vor den Kopf stößt."

Dicken betonte zu Recht, wie sehr das Thema polarisiert. Er fügte hinzu: "Einige Auswüchse der generativen KI sind so ungeheuerlich, dass ihr sicherstellen müsst, dagegenhalten zu können."

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Traditionelle KI-Techniken versus aktueller Hype

Ihn interessiert stattdessen ein ganzheitlicherer Blick auf das Thema KI – abseits von reiner generativer KI. "Vor fünf Jahren hättet ihr vielleicht erzählt, dass ihr einen Algorithmus habt, der die Inhaltserstellung für Levels in einem Mobile-Titel extrem beschleunigt", erinnert er sich.

"Damals haben uns die Leute angeschaut, als hätten wir zwei Köpfe. Heute hat der KI-Hype ein Klima geschaffen, in dem ich euch erzählen könnte, dass KI euer Spiel auf die Ebene des Quantencomputings hieven wird – und die Leute würden nicken und sagen: 'Ja, wir wollen KI im Spiel'", fügte er hinzu.

Der Vorteil ist: "Es hat die Menschen empfänglicher für Gespräche darüber gemacht, was traditionelle Techniken schon vor Jahren für sie hätten leisten können. Sie lassen sich mittlerweile schneller davon überzeugen, dass so etwas machbar ist."

Aufgrund des völlig überzogenen Hypes um generative KI besteht jedoch leider die Gefahr, dass die meisten Leute der gesamten KI-Forschung den Rücken kehren, wenn die Blase erst einmal platzt.

"Meine Sorge ist, dass generative KI die ganze Sparte in Verruf bringt", fügte er hinzu. "Ich glaube nicht, dass die Leute den nötigen Weitblick und die nötige Differenzierung mitbringen, um die traditionellen Ansätze zu bewahren. Bei den LLMs sind wir jedenfalls schon im Tal der Enttäuschung gelandet."

Wer ist Dr. Luke Dicken?

Dr. Luke Dicken ist ein renommierter KI-Experte, der über Jahre hinweg die Sparte für künstliche Intelligenz bei Zynga und Take-Two leitete. Er ist Gründungsmitglied der IGDA-Spezialgruppe für KI und gilt in der Industrie als Vorkämpfer für den ethischen und traditionellen Einsatz von Algorithmen.