Spieleindustrie-Boom in Deutschland: Anzahl der Firmen steigt um 81 % seit 2018, aber das bedeutet nicht viel
In der Welt der trockenen Statistiken taucht die Zahl „81 Prozent“ sonst eher bei Butterpreisen oder in den Verspätungsbilanzen der Deutschen Bahn auf. Hier jedoch geht es um etwas anderes: um die aktuelle Studie des Verbands der deutschen Games-Branche (game) zur florierenden Industrie. Demnach ist zwischen 2018 und 2024 die Zahl der Studios hierzulande um 81 Prozent gestiegen. Ein digitales Wirtschaftswunder? Schön wär’s.
Bevor wir den Gaming-Standort Deutschland zur neuen digitalen Supermacht ausrufen, sollten wir die Zahlen objektiv betrachten. Ein Zuwachs bei den Unternehmen von 594 auf stolze 948 Studios innerhalb von sechs Jahren ist eine Zahl, die auf dem Papier glänzt. Doch wer die Branche beobachtet, weiß, dass Masse allein noch keinerlei Aussagekraft hat.
Man muss nur einen Blick auf die Top-20 der meistverkauften Spiele in Deutschland 2025 werfen, um die traurige Wahrheit zu erkennen: Wie viele der Titel wurden in Deutschland entwickelt? Trommelwirbel: Anno 117 Pax Romana ist der einzige in Deutschland produzierte Titel in den Charts. Und das, obwohl es sich um die deutschen Verkaufscharts handelt. Blickt man auf internationale Listen, wird das Bild nur noch trauriger. Deutschland spielt als Entwicklungsstandort in den relevanten globalen Verkaufslisten faktisch keine Rolle.
Die Förderung und ihre Schattenseiten
Der Verband identifiziert die 2020 gestartete Bundesförderung als den zentralen Wendepunkt – den sprichwörtlichen „Game Changer“. Die Zahl der Beschäftigten wuchs um 20 % auf mittlerweile 14.800 Angestellte. Besonders bemerkenswert: Der Anteil der Frauen in der deutschen Games-Industrie ist von 25 % auf 30 % geklettert.
The Berlin Apartment - TRAILER | btf Games The Berlin Appartment ist übrigens ein interessantes Spiel, aber halt nix für die breite Masse.Auf YouTube ansehenDoch dieses Wachstum bleibt umstritten, denn im Grunde erleben wir bei der Spieleförderung dasselbe Trauerspiel wie seit Jahren bei der deutschen Filmförderung. Es wird nicht gefördert, was weltweiten Erfolg verspricht, sondern was Politik und pädagogisch orientierte Gremien für förderwürdig halten. Da die Studios existenziell auf diese Mittel angewiesen sind, entsteht in Deutschland nicht das nächste Arc Raiders, sondern eher ein sozialkritisches Adventure über ein kleines Dschungel-Mädchen namens Ayana, das davon träumt, sich irgendwann ein Fahrrad kaufen zu können.
Das ist natürlich überspitzt formuliert, denn es werden ja auch Titel gefördert wie Star Trek Voyager: Across the Unknown oder Titan Quest 2, und die haben definitiv mehr Mass-Appeal. Aber auch game-Geschäftsführer Felix Falk hat erkannt, dass Luft nach oben ist: "Die Games-Branche liefert, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die Games-Förderung zahlt sich für Deutschland aus. Doch der eigentliche Turbo wurde noch gar nicht gezündet.“
Kurz: In den kommenden Jahren muss die deutsche Games-Branche unter Beweis stellen, dass die steigende Zahl an Gründungen und Fördermitteln auch in handfeste Erfolge in den internationalen Verkaufscharts mündet.









