Silverfrost im Test: Warum sich das neue Everdell wie ein typisches Everdell anfühlt und sich für viele Fans trotzdem lohnt
Silverfrost macht euch das Leben in Everdell deutlich schwerer und richtet sich daher vor allem an Kenner der Reihe, die jetzt den nächsten Schritt gehen wollen.
Ein neues Jahr, ein neues Everdell! Kaum eine Brettspiel-Reihe wird so liebevoll gepflegt (böse Zungen sagen möglicherweise: gemolken) wie die Serie von Starling Games und Pegasus Spiele. So gesehen ist Everdell das Assassin’s Creed der Brettspielwelt. Das Vorgehen der Verlage scheint zu funktionieren. Die Marke existiert bereits seit rund sieben Jahren und hat bislang etliche Hauptspiele sowie Erweiterungen hervorgebracht. Ein Ende ist nicht abzusehen. Zuletzt gab es Ende 2025 wieder Neues aus Everdell, pünktlich zur SPIEL in Essen. Silverfrost lässt sich unabhängig vom Basisspiel zocken und entführt euch in eine ganz neue Region, die permanent mit den Auswirkungen von Schnee und Frost zu kämpfen hat. Altes Spielgefühl mit neuem Look oder doch echte spielerische Innovation? Wir werden sehen…
Ein Wintertraum in Everdell
Für Everdell-Fans gibt es eine wichtige Konstante, die diese Reihe wohl niemals verlieren wird. Alle Spiele sehen absolut traumhaft aus! Egal welchen Serienteil oder welche Erweiterung ihr euch aussucht, es entsteht unweigerlich dieses schöne „Oh!! Wie ist das süüüüß!“-Gefühl. Und es stimmt, die Illustrationen und überhaupt das gesamte Spielmaterial sind wirklich fantastisch und tragen maßgeblich zum Spielgefühl bei. Ein weiterer Klassiker ist das teils gigantische 3D-Element, das den meisten Teilen beiliegt. Dieses kommt auch in Silverfrost wieder zum Einsatz, jetzt in Form eines beeindruckenden schneebedeckten Berges.
Über den Sinn und Zweck der 3D-Elemente in Everdell lässt sich streiten. Schick sehen sie zwar aus, je nach Positionierung der Spieler am Tisch behindern sie jedoch die Sicht und sorgen für mehr Verdruss als Genuss. Da der Berg in Silverfrost spielerisch relevant ist, lässt er sich nicht einfach wegrationalisieren, jedoch immerhin durch eine alternative flache 2D-Tafel ersetzen. Davon abgesehen, gestaltet sich die Landschaft in Everdell wieder wie aus einem Guss und versprüht sofort eine wundervolle Winter-Romantik.
Silverfrost verzaubert euch mit einer wundervollen Winterlandschaft.Jetzt wird’s kalt!
Doch genug von dieser romantischen Vorstellung. Der Winter hat natürlich seine Schattenseiten, so auch in der Welt von Everdell. Die Schneedecke sieht zwar angenehm wollig-flauschig aus, sie stellt euch in der Realität aber vor enorme Probleme. Eine Winterwelt ist deutlich härter zu bewirtschaften als eine milde Frühlingslandschaft. Wie gehabt versucht jeder von euch, eine prosperierende Stadt hochzuziehen, was durch den Schnee allerdings erheblich erschwert wird. So gesehen ist Silverfrost möglicherweise die härteste Herausforderung, die ihr euch in Everdell jemals gestellt habt. Im direkten Vergleich zum Ur-Spiel sind die Komplexität und der Schwierigkeitsgrad spürbar angezogen.
Noch nie ein Everdell gespielt? Sofern euch ein etwas komplexeres Erlebnis liegt, dann könnt ihr problemlos mit Silverfrost starten. Der jüngste Serienteil enthält alle wichtigen Elemente, die Everdell so beliebt gemacht haben. Die Mechanik bleibt gleich, im eigenen Zug stehen euch im Grunde nur zwei Optionen zur Wahl. Entweder ihr spielt eine Karte von der Hand, indem ihr die darauf angegebenen Kosten bezahlt, oder aber ihr setzt eines eurer Tiere als Arbeiter auf dem Spielbrett ein. Die Welt von Everdell ist vollgestopft mit interessanten Orten. In der Regel findet ihr hier Einsatzfelder unterschiedlicher Art vor. Die effektivsten von ihnen dürfen nur von einem Tier besetzt werden. Gemeinschaftsfelder können hingegen keine Nachteile aufweisen, dürfen aber dafür auch mehr als einem Arbeitertier aufgesucht werden.
Silverfrost spielt sich eine Spur komplexer als die anderen Everdell-Ausgaben.Das typische Everdell-Feeling
Die Orte sind äußerst nützlich, um sich etwa mit frischem Kartenmaterial oder Ressourcen auszurüsten. Von Letzteren gibt es eine Menge: Birken, Moos, Kupfer und Nüsse werdet ihr allesamt brauchen, um Karten von der Hand auszuspielen und diese in eure Stadt zu legen. Bei den Karten gibt es – ganz wie gewohnt – fünf unterschiedliche Varianten. Produktionskarten spendieren ein regelmäßiges Einkommen mit unterschiedlichen Ressourcen zu festgelegten Zeitpunkten, während euch Verwaltungskarten dauerhafte Vorteile bieten. Im Gegensatz dazu stehen die Bewegungskarten, die einen mächtigen Einmaleffekt auslösen. Eine vierte Variante hört auf die verheißungsvolle Bezeichnung „Wohlstand“; diese Karten schütten die Punkte jedoch erst am Spielende aus, sofern ihr bestimmte Bedingungen erfüllt. Bleiben noch die Zielkarten. Sie bringen neue Orte ins Spiel, was die Einsatzmöglichkeiten für die Tiere zunehmend erweitert.
Soweit dürfte das Vorgehen eingefleischten Everdell-Freunden bekannt vorkommen. Neu hingegen ist, dass ihr eines eurer Tiere mit Schneeschuhen ausstattet und es damit offiziell zu einem Mitglied der Silberwache ernennt. Mit den Schneeschuhen erhält das Tier besondere Fähigkeiten und kann bereits besetzte Orte trotzdem besuchen. Alternativ kassiert ihr einen Feuermarker, wenn die Wache einen freien Platz besetzt. Womit wir auch schon bei der nächsten großen Neuerung in Silverfrost wären: dem Feuer.
Die tierischen Arbeiter helfen euch, die Stadt gut durch den Winter zu bringen.Die Macht des Feuers
Das Feuer ist eine weitere wichtige Ressource im Spiel, die es im Basisspiel nicht gibt. Sie interagiert natürlich mit der Kälte und dem Schnee, die in der Silverfrost-Region allgegenwärtig sind. In regelmäßigen Abständen werden sowohl das allgemeine Spielbrett als auch die Städte mit Schneelawinen geflutet. Dadurch werden einzelne Einsatzorte für die Tiere unzugänglich und müssen erst unter Einsatz der Flammen wieder passierbar gemacht werden. Anfangs reicht noch ein Feuerplättchen zum Auftauen, setzt erstmal die Eiseskälte ein, dann müssen es direkt zwei sein.
Durch das Entfernen von Schnee helft ihr natürlich auch indirekt der Konkurrenz, die im weiteren Spielverlauf ebenfalls wieder Zugang zu den zuvor verschneiten Orten erhält. Doch dafür bekommen die fleißigsten Schneeräumer am Ende der Partie auch ein paar Bonuspunkte für die erledigte Arbeit. Kluge Taktiker können sich ein wenig auf den Schneefall vorbereiten. Er kommt mit dem Wechsel der Jahreszeiten, der immer dann ausgelöst wird, wenn ein Spieler in der laufenden Runde keine Aktionen mehr ausführen kann oder möchte. Ein leichter Hang zum Preppertum kann also durchaus belohnt werden. Mit ordentlich Feuer in der Reserve flämmt ihr den Schnee beiseite und kassiert so hoffentlich viele Extrapunkte. Habt ihr jetzt noch Feuerplättchen auf Halde, könnt ihr sie außerdem dafür nutzen, um Leuchtfeuer zu entzünden. Auf diese Weise ruft ihr legendäre Riesenwesen zur Hilfe, die sich hoch in den Wipfeln des 3D-Gebirges tummeln. Unter dem Strich bietet euch Silverfrost einige spannende Optionen mehr an als das Everdell-Original, auf der anderen Seite macht es euch durch den Frost das Leben auch etwas schwerer.
Silverfrost – Fazit
Silverfrost ist ein typischer Vertreter der Everdell-Reihe. Doch im Gegensatz zu Farshore, dem anderen Standalone-Spiel der Serie, haben die Macher hier doch etwas mehr Mut zu Neuem gewagt. Dieses Mal liegt uns in gewisser Weise die Experten-Version von Everdell vor. Passend zur gewählten Winterwelt ist es jetzt deutlich herausfordernder, die eigene Stadt zu Wohlstand und Ansehen zu führen.
Die größte Neuerung ist zweifellos das Zusammenspiel von Feuer und Schnee. Im Spielverlauf müsst ihr einige Schneelawinen über euch ergehen lassen, die euch regelmäßig taktisch bedeutsame Orte blockieren. Das Schneeschippen mit Feuerkraft gehört in Silverfrost somit fast zu eurem Alltag. Das kann in Teilen frustrierend sein. Gerade wenn ihr im Moment keine Feuerplättchen mehr auf Lager habt, kann euch der Schneefall zur unpassenden Zeit die gesamte Planung verhageln. Trotz aller Widrigkeiten betritt Silverfrost nie wirklich Expertenspiel-Gefilde. In vielen Belangen legt es in Sachen Komplexität im Vergleich zur Ur-Version zwar eine Schippe drauf, insgesamt bleibt es aber doch auf einem für viele gut machbaren Kennerspiel-Niveau. Fortgeschrittene Spieler, die noch nie Kontakt mit der Everdell-Reihe hatten, können hier problemlos zuschlagen.
Allen anderen empfiehlt sich vielleicht eher die Anschaffung des Originals oder auch der Duo-Variante. Wer sich bereits ein ganzes Kallax-Regal mit Everdell-Verpackungen vollgestellt hat, kommt an Silverfrost ohnehin nicht vorbei.
SILVERFROST PROCONTRA- Sieht fantastisch aus
- Guter Solo-Modus
- Fordernder als das Original
- Versprüht den typischen Everdell-Charme
- Schneelawinen sorgen für Frustmomente









