Habt ihr schon mal mit Leuten darüber gestritten, ob Sci-Fi oder Fantasy besser ist? Egal, ob als Buch, Film oder Spiel, diese Diskussion scheint immer wieder aufzukommen. Sogar mein Bruder fängt diesen Streit immer wieder von vorne an. Während ich gerne Fantasy lese, ist er ein Sci-Fi-Ultra. Doch dass diese Auseinandersetzung selbst in Entwicklerstudios vorkommt, hätte ich nicht gedacht.

Ein Autor, der nicht schreiben darf

Exakt so Split-Fiction-mäßig scheint es jedoch bei BioWare zugegangen zu sein, berichtet der ehemalige Dragon Age-Autor David Gaider. Nachdem er 2016 BioWare verließ, gründete er mit anderen das Indie-Studio Summerfall Studios in Melbourne. Auf Social Media teilte Gaider nun seine Erfahrungen mit den beiden Teams von Dragon Age und Mass Effect, die ihm zufolge nicht miteinander auskamen.

Diesen Disput erlebte Gaider auch am eigenen Leib, als er die Geschichte von Anthem schreiben sollte, nachdem das Team zuvor die Mass Effect-Trilogie beendet hatte. Während das BioWare-Management ihn explizit um eine Science-Fantasy-Story bat, schien der Rest des Teams sich dessen nicht bewusst gewesen zu sein und meinte, dass es sich zu sehr nach Dragon Age anfühlt.

“Ich bekam ständig Rückmeldungen, dass es 'zu sehr Dragon Age' sei und dass alles, was ich schrieb oder plante, 'zu sehr Dragon Age' sei... die Implikation war, dass *alles*, was wie Dragon Age ist, schlecht sei”, erklärt Gaider in seinen Posts. “Und doch war dies ein Team, in dem ich jedes Feedback akzeptieren und darauf reagieren musste, so dass ich es schließlich STÄNDIG änderte.”

“Ich werde nicht näher auf die Probleme eingehen, sondern nur sagen, dass es klar wurde, dass dieses Team kein RPG machen wollte. Sie waren sogar sehr gegen RPGs. Dennoch wollten sie, dass ich meinen magischen Schreibzauberstab schwinge und eine Geschichte in BioWare-Qualität erschaffe, ohne mir auch nur eines der Werkzeuge zu geben, die ich dafür bräuchte.”

Spalter!

Das Ganze sei aber auch schon lange ein Problem gewesen, sagt Gaider. Im Grunde habe es zwei grundverschiedene Studios unter einem Dach gegeben: “Unterschiedlich geführt, sehr unterschiedliche Kulturen, es hätten genauso gut zwei verschiedene Studios sein können. Und sie kamen nicht miteinander aus.”

Das soll dem Studio auch bewusst gewesen sein, doch sind die Lösungsversuche allesamt gescheitert. Zumeist wurden auch nur Mitarbeiter aus beiden Teams ausgewechselt, um für mehr internen Austausch zu sorgen. Gebracht hat das aber nicht viel, denn der Publisher EA soll beide Spieleserien und somit auch Teams sehr unterschiedlich behandelt haben. Diese Ungleichbehandlung führte nur zu einer weiteren Spaltung innerhalb von BioWare.

Diese Spaltung bekam Gaider auch zu spüren: “Das Team wollte mich dort nicht haben. Ganz und gar nicht.” Am Ende führte diese Erfahrung auch zu Gaiders Kündigung und schließlich der Gründung seines eigenen Studios.

BioWare selbst arbeitet seit 2020 an Mass Effect 5 und hat sowohl interne Umstrukturierungen durchgeführt, als auch viele Mitarbeiter entlassen. Aktuell sollen nur noch etwa 100 Personen bei BioWare arbeiten.