Stop Killing Games steht kurz vor einem bedeutsamen Schritt, denn in gerade einmal 13 Tagen soll die Europäische Kommission eine Entscheidung zur Initiative fällen, die von über einer Millionen Menschen in Europa unterstützt wird. Nun soll es aber ein Treffen zwischen Vertretern der Kommission und Ubisoft gegeben haben, zu dem Stop Killing Games keinen Zutritt hatte. In einem Statement befürchtet die Initiative, dass dies ein schlechtes Zeichen für den Verbraucherschutz sein könnte.

Was fordert Stop Killing Games?

Die Europäische Bürgerinitiative Stop Killing Games fordert, dass Videospielhersteller gesetzlich dazu verpflichtet werden, Software so zu gestalten, dass sie nach der Abschaltung von Servern weiterhin nutzbar bleibt. Das Ziel ist nicht die dauerhafte Wartung von Online-Diensten, sondern die Bereitstellung von Offline-Modi oder Server-Tools, damit bezahlte Inhalte für Kunden nicht dauerhaft unzugänglich werden, wie es beispielsweise bei The Crew der Fall war.

Ubisoft am Verhandlungstisch, aber Stop Killing Games nicht

Im Januar erreichte die Initiative Stop Killing Games eine Millionen verifizierte Unterschriften und konnte so auch endlich vom Europäischen Parlament und der Kommission behandelt werden. Auch wenn sich nicht alle Beiträge mit dem eigentlichen Anliegen beschäftigten, schien das Parlament im Großen und Ganzen den Verbrauchern Recht zu geben. Die Kommission soll dagegen gespaltener gewesen sein.

Nun kam jedoch der nächste Hammer, denn laut einem Post von Stop Killing Games fand ein Treffen “für geladene Gäste” mit Abgeordneten der EU-Kommission statt. Es waren auch Vertreter von Ubisoft sowie CEO Yves Guillemot anwesend. “SKG wurde nicht eingeladen”, heißt es weiter.

Auslöser für das Ganze war die Abschaltung der Server von The Crew, einem Ubisoft-Titel, was das Spiel de facto unzugänglich für all jene machte, die dafür bezahlt hatten. Ziel der Kampagne ist es nicht direkt zu verhindern, dass Live-Service-Titel abgeschaltet werden können, sondern dass Spieler, die für das Game bezahlt haben, durch Offline-Modi oder Ähnliches weiterhin Zugang zum Spiel bekommen können.

Mehrere Klagen und Beschwerden gegen Ubisoft

Bei einer solchen Debatte ist es natürlich auch nur fair und wichtig, Ubisoft selbst zu Wort kommen zu lassen. Doch dass das Ganze hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss von Vertretern von SKG geschehen ist, hat einen sehr faden Beigeschmack.

“Der CEO von Ubisoft trifft sich heute zu einem ‘Treffen nur für geladene Gäste’ mit der Europäischen Kommission, das von VGE [Video Games Europe] ausgerichtet wird, zwei Wochen vor der geplanten Antwort der EU-Kommission auf unsere [Europäische Bürgerinitiative].”

Weiter heißt es: “Das ist das Bild, das diesen Moment einleitet: Ubisoft am Verhandlungstisch, mit seinem CEO an der Spitze, im Raum mit hochrangigen Vertretern der Europäischen Kommission, kurz bevor die Kommission voraussichtlich auf die Kampagne Stop Killing Games reagieren wird.”

“Ubisoft hat The Crew eingestellt, eines der Beispiele, die dazu beigetragen haben, die Einstellung von kostenpflichtigen Online-Spielen zu einem internationalen Verbraucherthema zu machen und die erfolgreichste Petition dieser Bewegung voranzutreiben.”

Kritik am Zeitpunkt des Treffens

Dabei ist SKG nicht die einzige Verbraucherbeschwerde gegen Videospielentwickler und Publisher. Auch in Frankreich selbst muss sich Ubisoft nun einer Klage durch eine Verbraucherrechtsorganisation stellen. Zudem konnte eine ähnliche Kampagne in den USA erste Erfolge erzielen und wird bald im State Senate in Kalifornien verhandelt. Auch dies könnte Auswirkung auf die Branche weltweit haben.

“Ubisoft sieht sich nun wegen dieser Abschaltung mit rechtlichen Schritten konfrontiert, unter anderem seitens der französischen Verbraucherorganisation UFC-Que Choisir; das Unternehmen wurde in Kalifornien wegen derselben Angelegenheit bereits verklagt und wird zudem von französischen und australischen Verbraucherschutzbehörden untersucht. Der Zeitpunkt lässt sich unmöglich ignorieren”, liest sich der Post weiter.

“Die Veranstaltung findet dreizehn Tage vor der erwarteten Antwort der Europäischen Kommission auf eine Bürgerinitiative statt, die von mehr als einer Million verifizierter Unterstützer getragen wird”, endet der offene Brief.

Während ich nicht denke, dass der Zeitpunkt besonders überraschend ist, sind die Umstände des Treffens es schon. Bisher hat sich Ubisoft noch nicht dazu geäußert, doch selbst wenn, frage ich mich, ob mehr als PR-Sprech bei rumkommen würde. Dass Ubisoft hier noch Gehör findet ist richtig und gehört zu einem demokratischen Prozess dazu. Dass dies hinter verschlossenen Türen und ohne Vertreter von SKG oder neutrale Berichterstatter stattfindet, halte ich dagegen für ein schlechtes Zeichen. Es bleibt spannend, was die EU-Kommission in etwa zwei Wochen verkünden wird.