Auch wenn es der Name nicht vermuten lässt: Steel Hunters kommt tatsächlich aus dem Haus, aus dem auch World of Tanks und World of Warships stammen, sprich Wargaming. Und tatsächlich waren es gar nicht mal die coolen Mechs, wegen denen ich bei der Ankündigung von Steel Hunters hellhörig geworden bin, sondern vielmehr diese Herkunft.

So wenig ich Panzer nämlich mag, so sehr gefällt mir an den bisherigen Spielen von Wargaming, dass es dort weniger um die Reflexe dekorierter eSportler geht, sondern vielmehr um das überlegte Manövrieren und Taktieren – etwas, das erstaunlich oft fehlt, wenn man im Cockpit eines Mechs Platz nimmt. Selbst ein hervorragender Vertreter wie das letzte Armored Core fühlt sich eher nach Adrenalinspritze an. Dabei würde ich viel lieber stampfende Kolosse durch die Gegend schieben!

Und genau da kommt eben Steel Hunters ins Spiel, denn das Gerät, mit dem man hier ins Gefecht zieht, ist weder wieselflink noch lässt es seine ballistischen Rohre im Stakkato rauchen. Auch die Abklingzeiten sämtlicher Spezialfähigkeiten sind auf eine Art dosiert, dass man den Moment abwarten sollte, in dem man sie effektiv nutzen kann.

Woher ich das weiß? Aus ersten Sitzungen im Playtest, für den man sich derzeit auf Steam anmelden kann und in dem ich sehr schnell auch einen Platz bekam. Nutzt das, falls ihr es nicht ohnehin schon tut! Steel Hunters macht Laune. Wobei es hier nicht um Duelle zwischen zwei großen Teams geht; man spielt ja keinen Krieg nach.

Stattdessen zieht man als Duo in den Kampf, um den Mech durch Upgrades zu stärken und als einziges Duo zu überleben oder den finalen Kontrollpunkt so lange zu verteidigen, bis das Transportschiff eintrifft. Wargaming beschreibt es als Mischung aus Battle Royale und Extraction sowie Hero Shooter und das trifft es ziemlich gut, denn die Einsätze sind dynamischer als die der Panzer und Schiffe und jeder Mech ist einzigartig. Logisch: Die „Helden“ gleichen eher Videospiel-Archetypen als das bei dem sich untereinander ähnelnden, mehr oder weniger wirklichkeitsgetreuen Kriegsgerät der Fall ist.

Steel Hunters - Bilder aus der PC-Beta 1 of 7 Caption Attribution Wenn turmhohe Mechs durch die Landschaft stampfen, geht schon mal was zu Bruch.

Der Clou ist für mich aber wie gesagt das relativ ruhige Taktieren, das unter anderem dadurch entsteht, dass jede Waffe nur recht kleine Magazine leerschießt und das Nachladen so lange dauert, dass man sich währenddessen lieber zurückzieht, anstatt in freier Wildbahn herumzustehen. Die Schildenergie geht unter Beschuss ja ebenfalls schnell zur Neige und obwohl es einen Boost zum Ausweichen gibt, kostet der ebenso wie das Springen Energie, die sich nach Gebrauch erst wieder aufladen muss.

Im Idealfall timt man seine Vorstöße deshalb so, dass man gemeinsam mit dem Kameraden attackiert. Denn wer unvorsichtig ins Kreuzfeuer auch nur halbwegs versierter Gegner gerät, kommt nicht allzu schnell wieder da heraus. Oft hält man zudem lieber die Position, sucht Deckung hinter einem Berg und nutzt eine der zwei Spezialfähigkeiten, die jedem Typ von Mech eigen sind.

Sehr stark sind zum Beispiel die Scharfschützen, weil ihre Treffer anständigen Schaden anrichten und noch über große Distanz in der Mitte des Fadenkreuzes landen. Die Sniper können sich auch unsichtbar machen, um zu fliehen oder im Idealfall Gegner zu flankieren. Im Nahkampf sind sie den meisten Gegnern aber freilich unterlegen.

Ich habe daher auch den so genannten Weaver zu schätzen gelernt, dessen mächtiges MG über kurze Entfernungen Eindruck schindet, während er sich beziehungsweise sein Team mit einem Schild schützt. Mit ihm kann man durch rechtzeitigen Knopfdruck à la Gears of War das Magazin besonders flott wechseln.

Selbstverständlich verstärkt man solche und andere Besonderheiten noch weiter, indem man sich unter anderem dafür entscheidet, ob die Hauptwaffe des Scharfschützen-Mechs beim Zielen über Kimme und Korn größeren Schaden anrichtet oder ob nur der letzte Schuss des Magazins dafür so richtig knallt. Spätere Upgrades füllen dann unter anderem die Munition schneller auf oder stellen „Gesundheit“ wieder her.

Es kommen noch etliche mehr Anpassungen dazu, darunter Spezialfunktionen, die man im Gefecht erst auflesen muss. Außerdem verwandelt man den Mech in eine besonders mächtige Variante seiner selbst, falls man eine bestimmte Anzahl an Hundemarken besiegter Gegner aufliest und das alles sorgt eben dafür, dass die taktisch geprägten Gefechte schon in diesem Playtest einen sehr vielversprechenden Eindruck hinterlassen.

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Mag sein, dass es in Steel Hunters nicht so satt rumst, wie man es im metallschweren Bleiregen vielleicht vermutet – man beobachtet etwas mehr von außen, als dass man sich im Cockpit wähnt. Nicht zuletzt könnten auch die Drohnen, die neben den Mechs der Spieler die Spielwelt bevölkern, aggressiver sein, denn so fühlt sich das ausgepriesene PvPvE mehr nach reinem PvP an.

Aber es ist ja nur ein Test und noch lange kein fertiges Spiel, deshalb warte ich an dieser Stelle erst mal ab. Dass sich die Mechs erstens wie schweres Gerät anfühlen und zweitens nicht nur der Finger am Abzug zählt, sondern überlegte Stellungskämpfe, ist schon mal mehr, als viele andere Spiele um die turmhohen Stampfer hinbekommen!

Ich weiß: Dass es ein reiner Onlinetitel ist, wird nicht jedem von euch gefallen. Aber da ich für meinen Fall schon eine Weile damit liebäugele, mal wieder in ein Spiel der Art World of Warships reinzuschauen…