Steam Machine teilt aus: Darum lehnt Valve billige Hardware-Subventionen rigoros ab
Während Valve mit seiner neuen Steam Machine langsam in das traditionell von Konsolen dominierte Wohnzimmer drängt, öffnet sich das Unternehmen nicht nur für Vergleiche mit den Geräten, die dort bereits thronen. Es muss sich auch daran messen lassen, wie Firmen wie Sony, Microsoft und Nintendo ihr Geschäft aufziehen.
Ein passendes Beispiel dafür ist die Subventionierung. Seit es Konsolen gibt, bieten die Sonys, Microsofts und Nintendos dieser Welt ihre Hardware zu Preisen an, mit denen sie kaum Gewinn machen. Sie subventionieren die Geräte, um euch den Kauf schmackhaft zu machen. Im Gegenzug haben sie jemanden, dem sie Spiele und Abo-Dienste verkaufen können.
Angesichts dessen ist der Gedanke gar nicht so abwegig, dass ein reiches Unternehmen wie Valve bei der Steam Machine genauso verfahren könnte – doch weit gefehlt. Seit der heutigen Preisbekanntgabe der Steam Machine wissen wir, dass Valve einen Bogen um Subventionen macht – und zwar im Namen dessen, was das Studio als Freiheit bezeichnet.
Offene Ökosysteme statt künstlicher Preisnachlässe
"Auch wenn [eine Subventionierung] wie eine einfache Lösung aussieht", erklärte Valve in einer Pressemitteilung, "passt sie nicht zu unseren Vorstellungen davon, wie gesunde Ökosysteme entstehen. Wenn wir bei Valve an etwas felsenfest glauben, dann an die Tatsache, dass offene Systeme auf lange Sicht besser sind – sowohl für uns als auch für die Kunden."
"Wenn Unternehmen ihre Hardware unter den Herstellungskosten verkaufen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, oder exklusive Inhalte dafür kaufen, tun sie das, um ein geschlosseneres System aufzubauen. Ein System, in dem ihr nicht mehr frei wählen könnt, welche Software ihr nutzen wollt", fügte Valve hinzu. "Das wollen wir für PC-Hardware nicht, und wir glauben, dass ihr das auch nicht wollen solltet."
Das ist eine ziemlich scharfe Ansage. Ich habe deshalb in einem Interview vor der heutigen Ankündigung bei Valve nachgehakt, um herauszufinden, ob im Team überhaupt jemals über Subventionen gesprochen wurde. "Na ja, das Thema kommt in Gesprächen schon mal auf", erzählte mir Interface-Designer Lawrence Yang, "aber am Ende landen wir immer wieder bei unseren eigentlichen Zielen und unserer Philosophie rund um den PC und offene Ökosysteme."
Keine Kundenbindung durch künstliche Plattform-Barrieren
"Wie es schon im Blog heißt: Wenn Hardware subventioniert wird oder man Exklusivtitel für eine bestimmte Plattform bringt, geschieht das meistens, weil das jeweilige Unternehmen [die Verbraucher] an sich binden will. Daran glauben wir einfach nicht. Wir finden, dass ihr ein gekauftes Spiel auf jedem PC solltet abspielen können. Und ein PC ist nun mal ein PC: In dem Moment, in dem man anfängt, Dinge an bestimmte SKUs oder Modelle zu koppeln, ist es in unseren Augen kein echter PC mehr. Die Idee, Inhalte oder Hardware zu subventionieren, läuft dem komplett zuwider."
Aber ihr könnt Steam-Spiele doch auch nicht außerhalb von Steam spielen – ist das nicht im Grunde dasselbe? "Das Argument könnte man so wohl vorbringen", entgegnete Yang, "aber gleichzeitig riegeln wir unsere Hardware nicht ab. Ihr könnt Windows installieren, ihr könnt andere Spiele-Stores auf dem Steam Deck oder der Steam Machine nutzen, und wir arbeiten aktiv daran, genau das möglich zu machen. Wir finden nicht, dass Menschen an einen einzigen Spiele-Store gekettet sein sollten."
Gelassener Blick auf potenzielle Next-Gen-Konkurrenz
Aktuell bietet Valves Steam Machine ein teures, aber ziemlich einzigartiges Gesamtpaket fürs Wohnzimmer: einen winzigen PC im Konsolenformat, der sich auch so bedienen lässt, aber Zugriff auf den riesigen Steam-Katalog bietet. Was passiert jedoch, wenn Microsofts Next-Gen-Xbox Project Helix aufschlägt? Das soll, laut Xbox-Chefin Asha Sharma, ein Hybrid aus PC und Konsole werden, der "beim Thema Leistung die Führung übernimmt und sowohl eure Xbox- als auch eure PC-Spiele abspielt".
Es ist zwar unklar, ob Sharma damit meint, dass Project Helix auch Titel außerhalb des Xbox-Ökosystems abspielt. Wir können aber wohl fest davon ausgehen, dass Microsoft das Gerät subventionieren wird. Theoretisch blicken wir hier also auf ein leistungsstärkeres und potenziell günstigeres Gerät als die Steam Machine – falls und wann immer Project Helix tatsächlich erscheint. Macht sich Valve deswegen Sorgen?
Ein neuer Ort für das vertraute PC-Erlebnis
Ingenieur Yazan Aldehayyat zuckte bei der Frage nur mit den Schultern. "Wir glauben an die Wahlfreiheit", sagte er, "je mehr Optionen die Leute also haben, desto besser aus unserer Sicht. Es ist genau wie vorhin gesagt: Die Steam Machine ist für die Spieler einfach nur ein weiterer Weg, ihre Games zu zocken. Je mehr Wege es gibt, desto besser. Aus unserer Perspektive ist Project Helix also eine feine Sache für Gamer. Wenn die Leute dadurch eine weitere Option bekommen, die andere Leistungsklassen oder Erlebnisse bietet, ist das großartig."
Wie sehr die Steam Machine den Konsolenmarkt im Wohnzimmer aufmischen wird, bleibt abzuwarten. Ich vermute allerdings, dass der hohe Preis – den Valve ursprünglich so nicht geplant hatte – das Ganze etwas ausbremsen wird. Valve selbst sieht die Steam Machine (zumindest öffentlich) gar nicht unbedingt als Vorstoß in klassisches Konsolenterritorium. "In diesen Kategorien denken wir gar nicht", meinte Yang.
"'Konsole' bedeutet für viele Menschen ganz unterschiedliche Dinge. Wir wollen den Leuten einfach dabei helfen, ihre Spiele auf mehr Arten zu spielen und mehr Spaß damit zu haben. Wir glauben, dass wir durch die Entwicklung eigener Hardware unseren Kunden einen besseren Service bieten und Steam an mehr Orten verfügbar machen können. Das Wohnzimmer ist eben einer dieser Orte."









