Star Wars Andor Folgen 7 bis 9 haben mich total fertig gemacht. So betroffen, ausgelaugt, sprachlos habe ich mich nach einer TV-Serie selten gefühlt
Kommen wir gleich zur Sache. So froh ich war, dass man in Sachen Qualität keine Abstriche gemacht hat, so sehr hatte ich in der ersten Hälfte der zweiten Staffel von Andor das Gefühl, dass das Zusteuern auf Rogue One Andor als Show limitierte. Wir wissen schließlich, dass es für viele Figuren nicht gut enden wird. Und dass die Zeitsprünge dafür sorgen, dass uns einiges schmerzlich durch die Lappen geht und für gelegentliche, ungewohnt expositorische Dialoge sorgt, irritierte mich ebenfalls mehr als mir lieb war. Aber nach dem dritten Dreierpack an Episoden bin ich wieder restlos begeistert - nein! Erschlagen.
Ehrlich: Nach Folge acht musste ich erst mal eine Pause einlegen, so beklemmend war der Spannungsaufbau, so bitterböse der Vorwand des imperialen Geheimdienstes, den konstruierten Aufstand auf Ghorman mit maximaler Brutalität niederzuschlagen. Als am Ende Dreenas flehende Funksprüche mit kippender Stimme über den Äther hallen – “is there no one who can help us?! Is there no one” – und sich anschließend die Hymne Ghormans dieses Mal nicht als Lied des Widerstandes, sondern als wunderschönes, todtrauriges Requiem über die Credits legt, war ich emotional vollkommen am Ende. Das habe ich so schon lange nicht mehr erlebt.
Andor Folge 8 als dickstes TV-Brett des Jahres
Und wie sie hier alle ihr Fett wegkriegen! Syril bekommt vor Augen geführt, wie dieses Imperium funktioniert, in dessen Hierarchie er als Korinthen kackender Bürokrat empor eiferte. Er verliert jeden Glauben daran, dass das Imperium wirklich die Ordnung symbolisiert, die er für sein Leitbild hielt. Beinahe geläutert mischt er sich unter die eingekesselten Ghor, nur um durch den Anblick Cassians an sein altes Versagen erinnert zu werden. Ihr Kampf ist brutal und auch in seiner Sinnlosigkeit unfassbar bitter. Kurz bevor Syril Cass töten kann, fragt der Unterlegene ihn “Wer bist du?” – und zerstört mit Syrils Illusion, die Sache zwischen ihm und diesem Rebellen sei jemals etwas Persönliches gewesen, auch seinen letzten Lebenswillen. Der folgende Genickschuss wirkte wie eine Erlösung.
Andor | Season 2 Trailer | Streaming April 22 on Disney+ Auf YouTube ansehenKurz darauf werden wir Zeuge, wie sich Dedra Meero in einer ihrer wenigen menschlichen Regungen beinahe aus ihrer Haut windet. Man bekommt fast Schmerzen beim Zuschauen, aber man hält sie gerne aus, wenn es nur bedeutet, dass sie jede Sekunde umso schlimmer spürt. Wir werden Zeuge des beinahe metaphysischen Schauspiels einer Seelenamputation. Nur, dass ihr Innenleben in diesen Momenten nicht mit chirurgischer Präzision entfernt wird, sondern mit einem Industriestaubsauger durch das Loch, an dem eigentlich ihr Herz sein sollte. Wie sich hier eine ungekannt intensive Szene auf die nächste schichtet, ist unbeschreiblich. Für mich eine der besten Folgen Fernsehen, die ich je gesehen habe.
Dieser Episode nachzufolgen, war unfassbar schwierig. Was folgte, war aber ein ebenso bewegender, die Kehle zuschnürender Herzschlag-Thriller, in dem der Senat und vor allem Mon Mothma ihre Reaktion auf den Genozid abwägen und dabei den Knast oder Schlimmeres riskieren. Der Kontrast zwischen diesen Senatsszenen und dem Mummenschanz aus den Prequels ist trotz desselben Sets frappierend.
Die Senatorin muss endgültig ihre liberale Tarnung aufgeben und rebellische Farbe bekennen, was Genevieve O’Reilly in einer aufwühlenden Rede wundervoll macht, als sie den Tod der Wahrheit und Verlust der “objektiven Realität” beklagt. Worte, die zeitgemäßer nicht sein können, was wieder einmal unterstreicht, wie sehr es dieser Show, Andor, darum geht, zum Kampf gegen Faschismus aufzustacheln, geradezu zu radikalisieren. Die Serie hält das für so wichtig, dass sie unserem Protagonisten gleich noch seine Love-Story cancelt, als Bix spurlos verschwindet, damit Andor die Rebellion für sie nicht aufgibt. Noch so ein Moment, in dem die Gilroys uns den Teppich unter dem Hintern wegziehen.
Die Macht ist auch mit Andor
Ich gebe zu, Folge sieben sorgte mich zunächst etwas, als eine Macht-Heilerin eine Art prophetische Qualität an Andor spüren will – das ist ein ähnlicher emotionaler Schluckauf, wie wenn mal wieder kurz ein etwas lustig aussehendes Alien zu sehen ist. Diese Serie ist so geerdet, kunstvoll und traurigerweise nah an aktuellen Ereignissen, dass einen immer kurz schüttelt, wenn man daran erinnert wird, dass es eigentlich Sci-Fi ist. Insgesamt aber ist diese Serie weiterhin ein Wunderwerk in Sachen Szenenbild, Sets und sogar Effekten. Das ist längst Kinoformat und mit einer Liebe zum Detail gesegnet, die jeder Beschreibung spottet.
Ich bin jedenfalls beinahe sprachlos, wie gut die Show auf diese klimaktischen Momente hingearbeitet hat und mittlerweile voll und ganz bei Season 2. Einfach monumentales Fernsehen in unvorhergesehener Verpackung. Schade, dass es nächste Woche auch schon wieder vorbei ist. Ich werde Andor vermissen und hoffe, Tony Gilroy macht in irgend einer Form bei Star Wars weiter.









