Quarantine Zone: The Last Check im Test – Die Zombie-Apokalypse braucht mehr Bürokratie
Während uns Videospiele über Jahrzehnte eingeimpft haben, dass wir Weltenretter mit übermenschlichen Kräften und reinem Gewissen sind, wählt Quarantine Zone: The Last Check einen schmerzhaft realistischen Pfad. Hier seid ihr nicht der Posterboy des glorreichen Widerstands, sondern das ächzende Zahnrad in einer maroden Maschinerie – die systemrelevante Randfigur, die durch stoische Pflichterfüllung den totalen Kollaps lediglich ein wenig hinauszögert.
Ihr besetzt das wohl undankbarste Nadelöhr der Post-Apokalypse: den Kontrollpunkt einer Schutzzone. Es ist so, als würdet ihr in The Last of Us nicht Joel oder Ellie spielen, sondern einen der anonymen NPCs in Uniform, die am Checkpoint Wache schieben, während die eigentliche Geschichte an ihnen vorbeizieht. Jeder, der vor eurem Tor steht, ist erst einmal nur ein biologisches Risiko auf zwei Beinen. Ihr prüft, ihr scannt und ihr fällt Urteile – mal gestützt auf harte Fakten, mal auf ein flaues Bauchgefühl.
Wer darf rein? Wer landet im Käfig der Quarantäne? Und wer ist bereits so weit drüber, dass nur noch der Gnadenschuss bleibt? Mit einer Checkliste und euren guten Absichten bewaffnet, versucht ihr hier, das Richtige zu tun – und merkt dabei schnell, dass „richtig“ in dieser Welt ein verdammt dehnbarer Begriff ist.
Quarantine Zone | Out Now | Official Gameplay Launch Trailer Der Trailer zeigt tatsächlich alles, was ihr über dieses Spiel wissen müsst. (Quarantine Zone: The Last Check Test).Auf YouTube ansehenMenschen unter der Lupe
Euch steht ein wachsendes Arsenal an Werkzeugen zur Verfügung. Oft genügt aber schon der Blick des geschulten Auges – etwa wenn ein Körper von verräterischen Kratzern und Bisswunden gezeichnet ist, die keinerlei Interpretationsspielraum lassen. Bei Ungewissheit müsst ihr Puls und Temperatur messen, Reflexe mit dem Hammer provozieren, Augen scannen oder mittels eines mobilen Röntgengeräts auf Spurensuche gehen.
Als wäre dieser Wahnsinn nicht schon zermürbend genug, pfeift euer Stützpunkt aus dem letzten Loch. Die Personaldecke ist hier so dünn wie die Überlebenschancen jener Verzweifelten, die draußen vor euren Toren im Dreck kauern. Ihr seid Zöllner, Soldat, Logistiker, Chirurg und Richter in Personalunion. Während ihr nach Schmuggelware fahndet, das Camp ausbaut und die schwindenden Vorräte jongliert, verlangt das System zusätzlich die Inspektion der Quarantänezellen sowie Operationen im Labor, die ihr kurzerhand am lebenden Objekt durchführt.
Manchmal müsst ihr auch innerhalb der sicheren Mauern die Waffe zücken. (Quarantine Zone: The Last Check Test)Triumphiert in der Quarantänezelle die Infektion, bleibt euch nur die thermische Entsorgung: Per Knopfdruck schickt ihr die Unglückseligen in den Flammentod. Im Labor geht die Drecksarbeit aber nahtlos weiter: Ihr entnehmt Organe und analysiert diese, um dem Virus seine Geheimnisse zu entreißen.
Im Forschungsflügel wird es dann endgültig makaber: Dort vegetieren Zombies zu Studienzwecken hinter Gittern – und die leben nicht von Luft und Liebe. Also zwackt ihr regelmäßig gefüllte Leichensäcke ab, karrt sie quer durch das Camp und verfüttert die Überreste an die Testobjekte. Der Zweck heiligt eben die Mittel, und wenn ihr euch am Ende der Schicht erschöpft ins Bett fallen lasst, bleibt nur die stumpfe Hoffnung, dass der nächste Morgen keine neuen Katastrophen im Gepäck hat.
Im Basis-Menü verteilt ihr Ressourcen und baut das Camp weiter aus. (Quarantine Zone: The Last Check Test)Wenn die Bürokratie kapituliert, übernimmt das Blei
Droht die Schutzzone überrannt zu werden, wechselt ihr zur Drohnensteuerung und blast die Untoten per Kamera-Feed aus den fauligen Socken. Doch der Horror lauert nicht nur draußen: Gelegentlich müsst ihr auch im Camp die Waffe zücken, um subversive Elemente „auszusortieren“. Aber machen wir uns nichts vor: Der Shooter-Part ist spielerisch die schwächste Disziplin im Paket und könnte mehr moderne Finesse vertragen.
Aber wisst ihr was? Das ist egal. Das Geballer mag primitiv sein, aber es sorgt für Abwechslung und ist einfach ein angenehmes Ventil für den täglichen Frust der Mangelverwaltung.
Alle paar Tage müsst ihr entscheiden, wohin die Überlebenden geschickt werden. (Quarantine Zone: The Last Check Test)Stichwort Abwechslung: Ein schwarzes Brett versorgt euch täglich mit neuen Anweisungen. Mal sollt ihr nach einem harmlosen Schokoriegel fahnden, den ein findiger Schmuggler als Depot für das Virus zweckentfremdet hat, mal landet ein ganz spezifischer Name auf eurer Watchlist. Die Taschenkontrolle solltet ihr dabei nie auf die leichte Schulter nehmen, denn im Gepäck verstecken sich nicht nur wertvolle Schmuggelwaren oder gefährliche Gegenstände, sondern auch wichtige Hinweise.
Wenn ein Ankömmling unentwegt hustet, mag das wie ein sicheres Symptom für eine Infektion klingen – findet ihr jedoch einen Ratgeber zur Raucherentwöhnung zwischen seinen Habseligkeiten, verliert das verdächtige Geräusch seine Brisanz. Es sind genau diese kleinen Kontext-Hinweise, die manchmal über Menschenleben entscheiden und den Dienst am Checkpoint in eine spannende Indizienjagd verwandeln.
Geld regiert die Welt
Je effizienter ihr euren Job erledigt, desto höher das von der Regierung bereitgestellte Budget. Geht euch das Geld aus, folgt das sofortige „Game Over“ und der Tag muss neu gestartet werden. Die knappen Mittel fließen nur teilweise in die dringende Grundversorgung: Medikamente, Nahrung und vor allem Brennstoff für die Generatoren. Mit der restlichen Kohle könnt ihr Upgrades erwerben und das Camp weiter ausbauen.
Besonders fies: Regelmäßig eintreffende Transporter zwingen euch zur Triage: Entweder ihr entlasst die Schutzsuchenden in den sicheren Hafen der Basis, überstellt sie dem Forschungslabor als Versuchskaninchen oder ihr überlasst sie dem Militär als Kanonenfutter. Das Labor belohnt euch mit wertvollen Forschungspunkten, während jeder unfreiwillige Soldat die klamme Camp-Kasse füllt.
Die Schutzsuchenden sehen häufig ziemlich komisch aus. (Quarantine Zone: The Last Check Test)Kurzum: Wenn ihr das Auffanglager nicht gefährden wollt, müsst ihr euch von der Illusion verabschieden, jeden retten zu können. Moral ist ein Luxus, den ihr euch in Quarantine Zone: The Last Check nur selten leisten könnt. Am Ende bleibt die Frage, ob ihr Einzelne opfert, um die Masse zu retten – oder ob eure Bemühungen ohnehin nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.
Fazit – Quarantine Zone Test
Quarantine Zone: The Last Check hat mich sehr schnell in seinen Bann gezogen und das Kunststück vollbracht, mir die Rolle des abgestumpften Erfüllungsgehilfen als motivierende Erfahrung zu verkaufen. Zu Beginn war ich noch voller Ideale: Ich untersuchte jeden Ankömmling akribisch, um bloß keine Fehlentscheidung zu treffen und niemandem zu schaden. Doch spätestens ab dem sechsten Tag gingen mir die Einzelschicksale am Allerwertesten vorbei. Mein Fokus lag nur noch darauf, so viel Kohle wie möglich reinzuholen, endlich meinen Wachturm aufzurüsten und Forschungspunkte für Upgrades anzuhäufen, die mir den grausamen Alltag am Checkpoint erleichtern.
Im Labor ennehmt ihr Organe und lasst diese analysieren. (Quarantine Zone: The Last Check Test)Im Grunde ist das Spiel eine komplexere und actionreichere Evolution von Papers, Please!, doch der Spielspaß leidet unter spürbaren technischen Mängeln. Vor allem die Controller-Unterstützung ist eine Baustelle: Regelmäßig musste ich genervt zur Tastatur greifen, weil Menüoptionen weder auf den Xbox-Controller noch auf den DualSense reagierten. Noch ärgerlicher ist es, wenn die Crouch-Taste versagt, während man in die Hocke gehen will, um zu prüfen, ob das an der Wade nur ein Tattoo oder ein verdächtiger Ausschlag ist.
Hinzu gesellen sich unschöne Clipping-Fehler, bei denen Objekte regelmäßig ineinander ragen. Was den Spielspaß ebenfalls dämpft, ist die Monotonie der NPCs: Die Ankömmlinge dreschen ewig gleiche Phrasen und sehen oft so aus, als wären sie per Zufallsbutton in einem Charakter-Editor ausgewürfelt worden. Das ist bitter, denn mit mehr Feinschliff und Liebe zum Detail wären vier Sterne definitiv im Bereich des Möglichen gewesen.
Quarantine Zone: The Last Check PROCONTRA- Starke Atmosphäre, die den moralischen Verfall am Checkpoint perfekt einfängt
- Motivierende Spirale aus Camp-Management, Forschung und bitterem Überlebenskampf
- Personenkontrolle ist wie spannende Detektivarbeit
- Das Spiel zwingt euch immer wieder zu schmerzhaften Entscheidungen
- Fehlerhafter Controller-Support
- Unschöne Clipping-Fehler und technischer Schludrian trüben die Immersion
- NPC-Monotonie: Ankömmlinge wirken oft wie lieblos ausgewürfelte Klone und auch ihre Sprüche wiederholen sich
- Die Drohnen-Kampf-Einlagen sind nicht ganz so anspruchsvoll
- Spürbarer Mangel an Feinschliff









