Predator Badlands ist exakt der Predator-Film, den ich als 12-Jähriger gemacht hätte – und ich weiß nicht mal, ob ich das schlecht finde
Spoiler zum groben Handlungsverlauf von Predator Badlands
Predator Badlands ist definitiv … anders. Ich bin nicht sicher, ob es der Film ist, den es nach Prey gebraucht hätte. Der hatte vor drei Jahren das Interesse an diesem legendären Filmmonster mit einem dreckigen und unterhaltsamen Blick in die Vergangenheit neu entfacht. Nach Predator Upgrade war das nicht so einfach. Badlands verschiebt nun erneut die Perspektive in Richtung des titelspendenden Monsters für leichte Kreaturen-Actionkost.
Es ist das Kino-Äquivalent zu den Geschichten, die ich mir als 12-Jähriger ausdachte, als ich wild Mask-Figuren, Dinosaurier und He-Männer aneinanderkloppte. Ich kann nicht einmal sagen, dass ich Predator Badlands unbedingt schlecht fand. Nein, der Film hat mir sogar Spaß gemacht. Trotzdem vorweg die Warnung: Es ist die Sorte Streifen, die mit jedem Meter tiefer ins Absurde abdriftet.
Die Kombination aus Maske und CG-animierten Mandiblen funktioniert ausgezeichnet.Starker Start
Der Auftakt ist gelinde gesagt fantastisch. Ein kleinerer und ein größerer Predator duellieren sich auf einem fremden Planeten, den die Kamera stimmungsvoll einfing. Brüder, wie sich herausstellt, von denen der kleinere sich vor seinem Klan – vor allem vor seinem Eugenik-begeisterten Vater – zu beweisen versucht. Das kann man, als Fan der Reihe, allzu vermenschlichend finden. Aber es ist nach allem, was wir bisher von ihnen wissen, nicht allzu weit extrapoliert.
Als der Vater dem größeren Bruder befiehlt, den kleineren zu “erlösen”, stellt dieser sich gegen seinen Erzeuger, was er mit dem Leben bezahlt. Allerdings nicht, bevor er Dek, wie der klein geratene Jagdsportler heißt, in seinem Schiff evakuiert – auf einen Planeten mit der gefährlichsten Beute überhaupt: dem Kallisk, vor dem selbst Paps die Knie schlottern. Es sind nur ein paar Minuten, aber sie definieren direkt und unerwartet wirksam, weil nachfühlbar, den persönlichen Einsatz Deks. Dass all diese Exposition mit dem Mittel einer visuell aufregenden Action-Sequenz geschieht, zeigt das große Talent von Regisseur Dan Trachtenberg.
Wenn sogar die Pflanzen Jäger werden, ist man in den Badlands.Der weitere Weg, nach dieser Eröffnung anhand des auf dem Planeten ebenfalls gestrandeten Weyland-Yutani-Androiden Thia (mit viel Spaß bei der Sache: eine um ihre untere Hälfte gebrachte Elle Fanning) das Geschwister-Thema und den Gedanken Thema “Verwandtschaft versus Wahlfamilie” weiterzuspinnen, ist im Grunde nur naheliegend und auch über weite Teile effektiv. Es ist der Ton eines eher leichtherzigen Buddy-Abenteuer-Films, mit dem Badlands viele Zuschauer verlieren dürfte.
Hirn aus. Am besten den Rest des Tages
Insgesamt ist das alles auch ein wenig zu vorhersehbar. Dek kommen die meisten seiner schönen Predator-Cheats bei der Bruchlandung abhanden, dann muss er gegen die exklusiv tödliche Flora und Fauna überleben, schön eine nach der anderen. Und natürlich setzt er sie im großen Finale allesamt gegen die Antagonisten von Weyland-Yutani ein. Durchweg wird das Bild von Jägern und Jägersjägern von Badlands ein wenig ermüdend freigiebig bemüht und komödiantische Brüche ernster Situationen gehen auf Kosten der Logik und sogar des Kreaturendesigns. Wie effektiv am Ende die Eigenbau-Hacks, vor allem der offenbar gedankengesteuerte Säure-Aal als Schulterkanonenersatz funktionieren, das… nun ja, sowas fällt eigentlich nur 12-Jährigen ein, denen Mama anschließend den Kopf tätschelt und ihnen sagt, “das hast du dir aber toll ausgedacht, mein Kind”.
Fannings Thia und Tessa sind coole Ergänzungen zur Geschichte.Bis es dazu kommt, hat man entweder akzeptiert, was dieser Film sein will oder sich ausgeklinkt, um auf den nächsten Predator zu warten, der wieder mehr in Richtung Prey geht. Gehört ihr zur ersten Gruppe, entlohnt der Film eure Geduld mit den Dingen, die seine Glaubwürdigkeit strapazieren, mit kleinen, netten Wendungen bezüglich Thia und Weyland-Yutani, unterhaltsam choreografierten Actionszenen und diversen coolen Kreaturendesigns. Schade, dass ausgerechnet der ach-so-gefährliche Kallisk mehr nach gestrichenem Monster-Hunter-DLC aussieht, als nach Endgame-Content für ausgewachsene Predators.
Mein Highlight war übrigens die Szene, in der Elle Fannings Thia im Tag-Team mit ihren abgetrennten Beinen ein Duo Syntheten zerlegt. Das war kreativ und auf gemeine Weise lustig. Überhaupt war ich überrascht, wie wenig Probleme ich mit dem starken CG-Einsatz hatte. Insbesondere die Predator-Gesichter und viele der Alien-Panoramen haben mir gut gefallen.
Die Syntheten sind entweder super-robust, oder aus demselben Glas, aus dem auch Christbaumschmuck gemacht wird. Immer so, wie der Film es braucht.Predator Badlands ist ein Film, der den Seiten eines Comics des erweiterten Universums entsprungen scheint, ohne sich an Realfilmregeln anzupassen. Er lässt die “Rule of cool” regieren und merkt dabei nicht mal, dass er vermutlich gut die Hälfte seiner Zuschauer abschüttelt, wie das wütende Knochenbison aus der Mitte des Films einen hungrigen Predator. Irgendwo bewundere ich die Zielstrebigkeit, mit der er sein Ding durchzieht, und hatte Spaß dabei. Es ist ein interessanter Versuch, trotzdem würde ich mir wünschen, wir ließen diese fremden Welten für den nächsten Eintrag in dieser Serie hinter uns.









