Erinnert ihr euch noch, als ihr vor zehn Jahren vielleicht auf einmal wesentlich mehr Menschen auf den Straßen gesehen habt? An speziellen Orten oder dort, wo ihr sonst vielleicht niemanden erwartet hättet. Der Grund dafür war Niantics Pokémon Go, das am 6. Juli 2016 - zuerst in Nordamerika und Australien, ab dem 13. Juli auch in Europa - auf die Welt losgelassen wurde. Es war sicherlich nicht der erste große Hype rund um ein Mobile-Game, aber einer, der die Menschen spielerisch nach draußen lockte.

Ich dachte mir damals … ach komm, probier es doch einfach mal aus. Nicht lange danach stieg meine Frau mit ein und in den Jahren danach begleitete uns das Spiel durch den Alltag und über Grenzen hinweg bis in Urlaube. Es war einfach ein besonderes Gefühl, Pokémon in der realen Welt zu finden. Derselbe Sammeltrieb, der in den Titeln der Hauptreihe zum Tragen kommt, entfaltete auch hier eine gewaltige Sogwirkung - ohne dass man sich dafür eine Nintendo-Konsole kaufen müsste.

Die Dynamik der Community und Probleme mit Spoofing

Schnell stieg die Popularität, ich ging dank der App schlicht deutlich mehr spazieren als zuvor – um die Monster zu fangen, an Events teilzunehmen und Eier auszubrüten. An Community Days liefen wir immer und immer wieder dieselbe Strecke ab, trafen uns zu Raids, lernten andere Leute aus der Umgebung kennen. Und ja, wir stürzten bei einzelnen Gelegenheiten in der Anfangszeit zum Auto, weil in der Nähe ein wirklich seltenes Pokémon aufgetaucht war.

Beim Pokémon Go Fest 2019 war einiges los.

Es war eine verrückte Zeit und irgendwie zugleich auch die beste Zeit in Pokémon Go. Jeder lernte alles kennen, man unterstützte sich gegenseitig - es entstand der Eindruck, dass Niantic gemeinsam mit uns wuchs. Wir freuten uns über Verbesserungen und Neuerungen, während Arenen teils verbittert umkämpft waren und je nach Region dominierten unterschiedliche Teams. Manchmal vielleicht etwas zu sehr, als dass es noch Spaß gemacht hätte, wenn man bereits nach wenigen Minuten wieder aus einer Arena flog und sich maßlos darüber ärgerte. Einzelne Spieler waren regelrecht verhasst, da einige von ihnen auch Spoofing betrieben, also das GPS und damit gleichermaßen das Spiel täuschten, um sich zu Arenen zu teleportieren, obwohl sie Zuhause auf der Couch hockten.

Für Niantic war Pokémon Go der perfekte Sturm. Das richtige Spiel zur passenden Zeit. Der Hype war regelrecht greifbar und es war schon toll mitanzusehen, wie so viele Spielerinnen und Spieler vor Ort an einem Strang ziehen, um sich zu helfen, zu unterstützen und einen zumeist fairen Konkurrenzkampf zu liefern. Von den lokalen Pokémon Go Festen ganz zu schweigen, zum Beispiel in Dortmund. So viele Fans gleichzeitig an einem Ort, darum bemüht, das meiste aus dem Event herauszuholen und Gleichgesinnte zu treffen.

Routine im Alltag und der Reizverlust durch Event-Masse

Den Höhepunkt hat Pokémon Go - zumindest für mich - schon lange hinter sich. Nach den aufregenden Anfangsjahren wurde alles immer mehr zur Routine. Ein Event knüpfte an das nächste an, man wurde regelrecht mit Pokémon überschwemmt. Nachvollziehbar, dass immer mehr ins Spiel kommt. Mit der schieren Masse in Pokémon ist nicht nur bei mir aber irgendwann ein bisschen der Reiz abhandengekommen. Ich habe die App zwar nach wie vor auf meinem Smartphone, schaue aber nur noch unregelmäßig und eher kurz rein. Das ist schade, gleichzeitig denke ich mir allerdings, dass ich über viele Jahre hinweg eine großartige Zeit mit Pokémon Go hatte. Es war ein toller Trip, doch jetzt ist es auch mal gut. Nicht mehr so häufig am Handybildschirm zu hängen, hat auch seine Vorteile.

Ob Pokémon Go noch zehn weitere Jahre schafft? Gut möglich, immerhin ist Pokémon eine zugkräftige Marke - es kommen immer wieder potenzielle neue Spielerinnen und Spieler nach - und der Pokédex wächst nach wie vor. Ich werde wahrscheinlich nicht mehr voll einsteigen, aber ich werde es in Erinnerung behalten, dass es mir ein paar sehr schöne Gaming-Momente beschert hat. Alles Gute, Pokémon Go.