Laura Fryer, eine der Gründerinnen von Xbox, warnt in einem neuen Video vor PlayStations Disc-Aus und dem Trend zu rein digitalen Spielen.

Dabei sieht sie besonders die Vergänglichkeit digitaler Spiele als Kritikpunkt und zieht als Beispiel die Rock-Band -Reihe heran.

Verlust digitaler Lizenzen und Kritik an der Darstellung von Verkaufszahlen

Wie Fryer in dem neuen Video angibt, hat sie einst "Hunderte von Dollar für Rock-Band-Songs" ausgegeben, die sie dann später durch ein Lizenzproblem verlor.

Als ihre erste Xbox-Konsole den Geist aufgab und durch ein neueres Modell ersetzt wurde, konnte sie die Songs nicht mehr auf das neue Gerät herunterladen, da sie mittlerweile aus dem Store entfernt worden waren. "Irgendwann haben wir einfach aufgegeben", sagt sie. "Wir haben unser liebstes Familienspiel aufgegeben."

Es ist gut möglich, dass ihr in den vergangenen Jahren schon einmal etwas Ähnliches erlebt habt. Angesichts des Trends in Richtung digitaler Games könnte so etwas in Zukunft jedoch häufiger passieren.

Das erwähnte Rock-Band-Problem ist für Fryer kein "einmaliger technischer Fehler", sondern "die Blaupause für das, was Sony als Nächstes plant. Wenn mich die Leute also fragen, was ich von Sonys Ankündigung halte, komplett auf Digitalmedien umzustellen, muss ich immer genau daran denken."

Des Weiteren kritisiert sie den vermeintlich hohen Anteil von Digitalspielen bei Verkaufszahlen, da bei solch allgemeinen Vergleichen auch immer rein digitale Titel mit einbezogen würden. Das lasse "Digitalmedien weitaus dominanter erscheinen, als sie es in Wirklichkeit sind".

Wer ist Laura Fryer?

Laura Fryer gehört zu den einflussreichsten Veteraninnen der Spielebranche. Als eines der Gründungsmitglieder des ursprünglichen Xbox-Projekts leitete sie die Advanced Technology Group (ATG) bei Microsoft und fungierte später als Executive Producer für den Mega-Hit Gears of War.

Die Rolle von GTA 6, das Ende des Gebrauchtmarkts und Sorgen um Steam

Eine wichtige Rolle bei dieser Sache spielt ihrer Ansicht zufolge auch Rockstars Grand Theft Auto 6: "Sony hat darauf gewartet, dass Rockstar den ersten Schritt macht und die Kritik einsteckt, um jetzt aufs Ganze zu gehen und das zur neuen Normalität zu machen", sagt sie. Gleichzeitig sei den Unternehmen der Gebrauchtmarkt ein Dorn im Auge: "Alle großen Player – Sony, Microsoft, selbst Hollywood – ziehen hier an einem Strang. Digitalmedien töten den Gebrauchtmarkt und verhindern, dass die alte Spielebibliothek auf der nächsten Konsole mit neuen Titeln konkurriert."

Trotz aller Kritik sei eine digitale Zukunft "unvermeidlich" und selbst bei vermeintlich vernünftigen Unternehmen wie Valve könne es durch Führungswechsel irgendwann zu Anpassungen kommen: "Ich gebe zu, dass meine Steam-Bibliothek ebenfalls größtenteils digital ist, weil ich darauf vertraue, dass sie mir die Spiele nicht wegnehmen", sagt Fryer. "Aber ich mache mir darüber Sorgen, denn Plattformen hängen von einer guten Führung ab. Gabe Newell wird Steam nicht ewig leiten, und wir haben bei Xbox gesehen, wie schnell sich Prioritäten verschieben können, wenn ein neues Management das Ruder übernimmt."

"Digital ist so lange praktisch, bis jemand anderes entscheidet, dass es für euch genug ist. Und es gibt einige Spiele und Filme, von denen ich niemals genug bekommen werde", resümmiert sie. "Physische Medien garantieren euch echten Besitz, nicht wahr? Und in meinem Fall hätte die Disc diese unersetzlichen Erinnerungen geschützt."

Warum digitale Spiele plötzlich verschwinden

Das von Fryer erwähnte Problem rund um "Rock Band" ist ein bekanntes Branchen-Phänomen: Spiele, die stark auf lizenzierte Musik oder Marken setzen, müssen nach Ablauf der Verträge (meist nach 5 bis 10 Jahren) oft zwangsweise aus den digitalen Stores entfernt (Delisting) werden.