Ein schönes Aufbaustrategiespiel mit großem Wuselfaktor, in dem man gerne baut und seinen Pagoniern bei der Arbeit zuschaut.

Ich könnte es mir an dieser Stelle sehr einfach machen, indem ich es einfach kurz halte: liebt ihr Die Siedler? Dann kauft euch Pioneers of Pagonia und werdet glücklich damit. Punkt. Das reicht als Beschreibung und Einordnung eigentlich schon aus. Nachdem die klassische deutsche Wusel-Reihe bei Ubisoft mit dem neuesten Teil Die Siedler: Neue Allianzen etwas unter die Räder gekommen ist, liefern Volker Wertich und sein Team bei Envision Entertainment den echten Nachfolger ab.

Wuseln mit den Pagoniern

Wie ihr es von den Siedlern kennt, geht es hier darum, sich auf verschiedenen Inseln auszubreiten, eure Siedlung wachsen zu lassen und sich mit den lokalen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Das können in der Kampagne zum Beispiel Gegner in Form von Banditen sein, die gegebenenfalls eure Aufbaubemühungen stören und durcheinanderbringen könnten.

Wie man es kennt, baut alles aufeinander auf. Ihr braucht erstmal natürlich Bewohnerinnen und Bewohner, was noch mit am einfachsten ist. Darauf baut wiederum alles Weitere auf, indem diese fleißigen Leute Materialien durch die Gegend tragen. Daraus entstehen dann neue Wohnhäuser, Werkstätten und so weiter. Wo dann Werkzeuge, Waffen und ähnliche Dinge entstehen - für die ihr teilweise andere Rohstoffe oder Bestandteile benötigt.

Zuerst einmal braucht ihr Unterkünfte.

Das alles funktioniert auch grundsätzlich sehr gut und gibt euch auch die Möglichkeit, zum Beispiel bestimmte Bauprojekte zu priorisieren oder an anderen Stellschrauben zu drehen. In einer Mission hatte ich zwar eine Kupfermine errichtet, doch es fehlte an Personal dafür, weil es wiederum an Werkzeug mangelte - für das ich mehr Kupfer benötigte. Ein kleiner Teufelskreis. Die Lösung? Kurzzeitig ein anderes Gebäude in die Pause schicken, damit die Arbeiter, die bereits mit passendem Equipment ausgestattet waren, dorthin wechseln und ihr vorhandenes Werkzeug mitbringen.

Da sind kleine Dinge, auf die ihr achten müsst. Erst recht, wenn eure Siedlung mit der Zeit größer und größer wird. Das Spiel leistet aber gute Dienste dabei, euch auf etwaige Schwachstellen hinzuweisen. Und wenn ihr doch den Eindruck habt, es hapert an einer Stelle, lohnt sich eine kleine Recherche und ihr stoßt meistens recht schnell auf den Grund dafür. Schrittweise wird somit alles ein bisschen komplexer und umfangreicher, ohne dass ihr plötzlich von einer Welle der Komplextität überschwemmt werdet. Das gilt erst recht für die Kampagne, die euch in mehreren verschiedenen Missionen durch unterschiedliche Inselregionen führt und euch nach und nach mit allen Gegebenheiten vertraut macht. Ihr entwickelt euch sozusagen mit jeder Mission weiter und wenn ihr dann durch seid, könnt ihr noch unendlich viel Zeit in prozedural generierte Karten stecken.

Reinzoomen und zugucken macht immer wieder Spaß.

Diese bieten euch nämlich die Option, bestimmte Faktoren der Gestaltung selbst zu bestimmten, von der Zahl der neutralen Fraktionen über die Geländetypen bis hin zur Schwierigkeit der Feinde. Sofern ihr denn überhaupt gegen andere antreten möchtet, denn schließlich müsst ihr das nicht, wenn ihr nicht wollt - einfach entsprechend einstellen und schon könnt ihr ganz in Ruhe aufbauen.

Besonders spannend ist der kooperative Multiplayer-Modus. Hier übernehmt ihr gemeinsam (bis zu vier Spielerinnen und Spieler) die Kontrolle über eine Fraktion und kümmert euch gemeinsam um die weitere Entwicklung. Entsprechende Multiplayer-Spiele könnt ihr sogar speichern und sie lassen sich von jedem im Team fortsetzen. Einen kompetitiven Multiplayer-Modus gibt es wiederum nicht.

Wenn die Siedlung wächst und gedeiht, braucht ihr auch immer mehr Platz.

Eine detaillierte, farbenfrohe Welt

Und wenn das eigentliche Gameplay funktioniert, macht der andere Aspekt, der Spiele wie Pioneers of Pagonia auszeichnet, gleich doppelt so viel Spaß. Ich meine natürlich das Zuschauen, für das ich mir zwischendurch immer mal wieder Zeit nehme. Ich beobachte meine Pagonier dabei, wie sie Werkzeuge herstellen, Rohstoffe einsammeln oder sich in den Kampf gegen Feinde stürzen. Und das sieht alles nicht nur hübsch detailliert, sondern gleichermaßen schön animiert aus. Anders gesagt: es ist immer wieder eine Freude, eine kleine Pause vom Management zu machen und den Pagonieren bei ihrem Treiben zuzuschauen.

Überhaupt befindet sich Pioneers of Pagonia nach der Early-Access Phase (seit Dezember 2023) in einem sehr guten Zustand. Performance-Probleme hatte ich nicht, nur einmal ganz zu Anfang einen Absturz, aber in den Stunden danach überhaupt nicht mehr. Auch im Spielverlauf selbst sind mir bislang keinerlei grobe Bugs aufgefallen, die den Fortschritt blockieren oder zunichtemachen würden. Die Spielbalance auf den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden war in der Testphase noch nicht ganz ausgefeilt, das wurde jedoch zwischenzeitlich nachgeholt. Kurzum: technisch gibt sich Pioneers of Pagonia keine Blöße.

Gekämpft wird auch ein bisschen.

Pioneers of Pagonia - Fazit

Pioneers of Pagonia ist am Ende genau das geworden, was sich Siedler-Fans gewünscht und von Die Siedler: Neue Allianzen nicht bekommen haben. Ein Spiel, das euch glücklich machen wird, egal ob nur beim Spielen (alleine oder mit anderen) oder auch beim Zugucken. Groß zu bemängeln gibt es dabei in meinen Augen tatsächlich nichts, im Rahmen der zweijährigen Early-Access-Phase hatte man genug Zeit, um am Spiel zu feilen. Und diese Zeit blieb nicht ungenutzt. Pioneers of Pagonia spielt sich sehr gut, sieht sehr hübsch aus und auch die entspannten Klänge sorgen währenddessen für ein angenehmes Spielgefühl, bei dem man gut runterkommen kann. Letztlich definiert es das Genre nicht neu, doch wenn ihr ein Aufbaustrategiespiel sucht, das euch für die nächsten Wochen und Monate gut beschäftigen kann - und das noch dazu zu einem sehr fairen Preis -, macht ihr mit Pioneers of Pagonia nichts falsch.

Pioneers of Pagonia PROCONTRA
  • Umfangreiche Kampagne
  • Durchdachte Spielsysteme
  • Wuselfaktor glänzt durch detaillierte Grafik und Animationen
  • Schöne Soundkulisse, die zum entspannten Spielgefühl beiträgt
  • Prozedural generierte Karten und Editor verlängern Spielzeit deutlich
  • Kein kompetitiver Multiplayer-Modus