Mein Beruf sind Videospiele, mein Hobby natürlich auch, aber man braucht auch etwas, das was anderes als der Job ist, also habe ich ein Zweithobby: Hi-Fi. Ich gehöre hier zu den Leuten, die nicht Porsche-Midlife-Crisis-Money haben, um diese seit den 70ern herumgehende Sucht zu füttern, doch bin ich im Rahmen meiner Möglichkeiten ganz gut unterwegs. Wie weit am unteren Ende der Nahrungskette ich damit immer noch stehe, weiß ich einmal im Jahr, wenn die High End in München stattfindet und Firmen, von denen man noch nie was gehört hat, einen Kran mitbringen, um einen Plattenspieler aufzubauen. Sechsstellig ist da mittlerweile eher die Norm als die Ausnahme und ob jetzt 100 Kilo reines Aluminium gebraucht werden, um eine Plastikscheibe ruhig zu drehen, sei mal dahingestellt. Aber ein heißes Thema sind nicht nur die Geräte, sondern die Kabel. Die Meinungen reichen weit, von "Amazon Essentials reichen allemal" bis zu "echter Klang kommt erst ab einem Meterpreis über 4.000 Euro". Ich liege dazwischen, ich gebe schon mal um die 100 Euro für ein Kabel aus und bin auch bis zu einem gewissen Grad bei analoger Signalübertragung bereit, mich im begrenzten Rahmen auf Diskussionen einzulassen.

So sehen ungefähr 1800 Euro pro Meter bei einem Netzwerkabel aus.

Aber gestern bin ich wieder über ein Extrembeispiel im digitalen Bereich gestolpert: AudioQuest RJ/E Diamond, 1 Meter Cat-7-Kabel für 1.800 Euro. Versprochen werden für das Geld nie dagewesene Dynamik, Bühne und ich weiß nicht, was noch alles. Alles Bullshit natürlich. Parameter wie Räumlichkeit, Basspräzision oder Klangfarbe, die bei analogen Verbindungen eine Rolle spielen können, existieren bei der Übertragung von Netzwerk-Datenpaketen nicht. Solange es gute Kontakte hat, der Stecker sauber montiert ist und das Material gut leitet, sodass es keinerlei Signalverlust gibt, dann ist es nur noch die Frage einer guten Isolation und voilà, kein Bit geht mehr verloren. Ja, Jitter is a thing, nur nicht auf 2 Meter bei einem halbwegs hochwertigen Kabel, das sicher nicht mehr als höchstens 50 Euro kostet. In einem Bereich, in dem manche Leute so weit gehen, eine kühlschrankgroße Batterie für 40.000 Euro hinzustellen, um "sauberen" Strom für "reinen" Klang zu bekommen, kann man wohl alles verkaufen. So weit, so bekannt, so irre ab einem gewissen Level.

Worüber ich begann nachzudenken, als ich dieses Netzwerkkabel zu enden alle Netzwerkkabel bewunderte, war, dass PC-Gamer (bisher) nie diesem Wahn erlegen sind. Das Geld haben sie sicher, denn genug Leute sind immer noch bereit, ein paar Tausend Euro extra für ein paar Frames mehr zu bezahlen. Von den Preisen für ein ordentliches 128-GB-Quartett-Upgrade aktuell reden wir mal gar nicht. Also ja, PC-Gamer geben viel Geld für teure Technik aus, auch der Look darf was kosten, das sind alles rationale, weil messbare Dinge. Okay, der Look nicht, aber wenn der Look gefällt, sind 1.000 Euro für einen schicken Tower nicht zu wild. Am Ende können es schon mal 10-20K für einen Gaming-PC werden, wenn man sich etwas Mühe gibt. Ungefähr, was meine Hi-Fi-Anlage auch kostet. Was mich fasziniert, ist, dass es nicht darüber hinausgeht. Der esoterische Teil dahinter fehlt dann. Mit Ausnahme der Schönheit der RGB-Beleuchtung lässt sich jedes Teil messen. Ob die kleinen Differenzen im oberen Bereich einen Unterschied machen, ob die drei Frames mehr es reißen, das sei dahingestellt. Aber sie sind definitiv da und ihre Existenz basiert nicht auf dem Glauben, dass sie existieren.

PC-Kabel? 50 Euro bitte. Für alle.

Ich habe mich umgeschaut und selbst wenn ich wirklich suche, finde ich bestenfalls PC-Gehäuse, die als Einzelstücke in Handarbeit gefertigt werden. Auch die versprechen nicht einen fließenderen Spielverlauf und schon gar nicht ein nie dagewesenes Erlebnis, das die Wahrnehmung des Mediums für immer verändert – so gelesen bei einem rein digitalen Streaming-Player aus einer kleinen Manufaktur, Kostenpunkt 8.000 Euro. Oder was auch immer sonst Firmen schreiben, um ein Digitalkabel für 3.000 Euro zu verkaufen. Überhaupt Kabel: Ausgehend vom Angebot gibt es beim PC-Bau zwar ein gewisses Interesse an den Farben, was bei einem durchsichtigen Gehäuse Sinn macht, aber die Preise liegen alle niedrig. Wenn jemand ein Festplattenkabel für 100 oder mehr Euro verkauft, habe ich es nicht gefunden. Keiner der Anbieter will meinen Glauben füttern, dass die Festplatte schneller läuft, weil das Kabel aus Esoterium gegossen wurde.

Und ich denke, das ist der Punkt: PC-Spieler sind zu rational. Sicher, wenn so ein Kabel des Weges käme, würde jemand es anschließen, ein paar Messungen durchführen und dann sagen, was Sache ist. Außer den drei Verwirrten, die es kauften, weil Geld keine Rolle spielte und sie es sich für ein paar Wochen schönreden müssen, wäre da ein Haken hinter und die Sache vergessen. Stabile Signalübertragung ist im PC kein kleiner Faktor, aber der Bereich des Messbaren zeigt ganz klar, dass da ganz schnell und sehr preiswert Limits erreicht werden, an denen es einfach nichts bringt, wenn das Kabel "besser" ist.

Okay, ein etwas teureres Kabel für den ambitionierten PC-Gamer habe ich doch noch gefunden: Für sein steuerbares RGB-Mainboard-Kabel möchte Lian Li etwa 100 Euro haben.

Der Unterschied ist wohl, dass im Hi-Fi-Bereich ganz schnell ganz viel Glaube und Subjektivität dabei ist. Das, was bei einem Spiel dargestellt wird, wie schnell eine Platte es liest oder ein Mainboard alles handhabt, lässt sich bis ins Kleinste auf die hundertste Nachkommastelle messen und belegen. Es gibt keinen Raum zu interpretieren und das dürfte der Grund sein, warum sich kein Hersteller bisher so richtig an den kleinen Bereich der PC-Gamer mit viel zu großen Geldbeuteln heranwagte. Beim Hören glaubt schnell einer, dass seine Musik jetzt ganz anders klingt, weil da ein anderes Netzwerkkabel dranhängt. Niemand anders mag das hören, in einem Blindtest würde er wahrscheinlich sein Kabel nicht heraushören, aber das ist egal, weil die Selbstsuggestion zu stark ist. Ich habe gelacht, als Denon damals das erste „Audio“-Netzwerkkabel für 500 Euro auf den Markt brachte. Heute kann man nur sagen: Was für Anfänger, so was Billiges wird doch kein echter Hi-Fi-Pro benutzen. Hat wahrscheinlich nicht mal die Perfect-Surface-Technologie aus extrem reinem Silber.

Ich selbst bin sicher kein echter High-End-PC-Gamer. Aber bitte, bitte, bitte, liebe PC-Gaming-Community: Messt fröhlich weiter, testet jeden Versuch, ein besonders großartiges Kabel für absurdes Geld unter den Teil des Volks zu bringen, der zu viel Geld herumliegen hat, und sagt einfach weiter, was Sache ist. Sonst endet dieses Hobby auch irgendwann mit, ich zitiere: "Digitalkabel mit feinsten Quarz-Fasern, ein Meisterwerk für die Ewigkeit".