Paradox gesteht Fehler ein: Bloodlines 2 floppt – 32-Millionen-Abschreibung bestätigt
Paradox hat in einer Pressemitteilung ungewohnt offen erklärt, warum Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2 deutlich hinter den Verkaufserwartungen zurückbleibt – und nimmt die Verantwortung vollständig auf sich. In einer Mitteilung zum Quartalsbericht bestätigte das Unternehmen eine außerplanmäßige Abschreibung von rund 355 Mio. SEK (etwa 32 Mio. EUR) auf die Entwicklungskosten des Spiels. Ein seltener Schritt, der zeigt, wie groß die Diskrepanz zwischen den internen Prognosen und der Realität tatsächlich ausgefallen ist.
Laut Paradox-Chef Frederik Wester liegt der Kern des Problems darin, dass Bloodlines 2 „außerhalb der eigenen Kernkompetenz“ entstanden sei. Paradox ist seit Jahrzehnten auf komplexe Strategie- und Managementspiele spezialisiert. Ein Action-RPG auf Basis einer traditionsreichen Rollenspiel-Marke stellte das Unternehmen vor eine Herausforderung, die es retrospektiv falsch eingeschätzt hat. „Die Verantwortung liegt vollständig bei uns als Publisher“, so Wester. Man habe das Potenzial der Marke überschätzt und die kommerzielle Seite nicht realistisch genug bewertet.
Enttäuschende Zahlen
Wie schwach der Start tatsächlich verlief, bleibt offiziell unklar. Doch Schätzungen sprechen von nur rund 121.500 verkauften Exemplaren – eine Zahl, die im Verhältnis zur langen und kostspieligen Entwicklungsphase kaum ins Gewicht fällt. Trotz der enttäuschenden Performance bestätigt Paradox, dass die beiden im Deluxe-Paket enthaltenen Story-Erweiterungen ausgeliefert werden. Eine soll sich um Sheriff Benny Muldoon drehen, die andere um die charismatische Club-Ikone Ysabella Moore.
The Cursed Development Lore Of Vampire: The Masquerade - Bloodlines 2 Unsere britische Kollegin Zoe hat ein cooles Video zur turbulenten Entwicklungsgeschichte gemacht.Auf YouTube ansehenParallel dazu meldete sich Dan Pinchbeck, früherer Chef von Entwickler The Chinese Room, zu Wort. Er bezeichnete die Entscheidung, das Spiel Bloodlines 2 zu nennen, als „grundlegendes Problem“. Der Name habe Erwartungen an ein Rollenspiel geweckt, die das Projekt nie erfüllen sollte. Pinchbeck zufolge hatte sein Team versucht, Paradox von einer Namensänderung zu überzeugen, allerdings ohne Erfolg.
Fehlentscheidungen und unglückliche Umstände
Die Aussagen fügen sich in einen größeren Kontext ein. Paradox hatte bereits im vergangenen Jahr eingeräumt, dass Ausflüge außerhalb des eigenen Strategie-Schwerpunktes künftig vorsichtiger bewertet werden. Intern gelte inzwischen ein einfaches Prinzip: Je weiter ein Projekt vom Kern entfernt ist, desto kleiner müsse das Investment ausfallen. Bloodlines 2 sei das letzte Überbleibsel der alten Risikostrategie – ein Prestigeprojekt, das sich im Nachhinein als schwer kalkulierbar herausgestellt habe.
Allerdings sollte im diesem Zusammenhang auch erwähnt werden, dass die spielerische Qualität zu wünschen übrig ließ. Selbst unter der Prämisse eines Actiontitels wirke Bloodlines 2 inhaltlich dünn, atmosphärisch unausgegoren und im Gesamtbild überraschend unspektakulär. Paradox hält dennoch an der World-of-Darkness-Marke fest und will „das Potenzial des Katalogs neu bewerten“.









