Eine sehr kompetente Alternative zu Mario Party, die qualitativ fast auf demselben Niveau spielt. Mehr Spielbretter hätten nicht geschadet, ansonsten aber ein großer Partyspaß.

Das Spielkonzept von Mario Party ist … simpel. Dass es bislang kaum jemand in irgendeiner Form zu kopieren versuchte, wirkt überraschend. Erst recht, wenn man sich das neue Lego Party mal näher anschaut. Hier gibt es nämlich wirklich so viele Ähnlichkeiten - und auch ein paar Unterschiede -, dass man sich die Frage stellt, warum das nicht schon eher passiert ist. Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass es auch gut ist, doch Lego Party weist die nötige Qualität auf, um Mario Party gefährlich zu werden.

Wie Mario Party. Und doch anders

Wenn ihr Bock auf Mario Party habt, aber keine Nintendo-Konsole besitzt, ist Lego Party im Grunde das Nächstbeste, was ihr spielen könnt. Es ist genau dieser Mix aus Brettspiel und Minispielen, den ihr von Nintendos Partygame kennt und liebt. Wie gesagt, diese Idee dahinter ist wahrscheinlich nicht schwer zu kopieren, trotzdem kann natürlich die Umsetzung schiefgehen. In diesem Fall ist das erfreulicherweise nicht so, denn Lego Party übertrumpft das Niveau von Mario Party zwar nicht, spielt jedoch in derselben Liga.

Fangen wir mit den Grundlagen an. Vereinfacht gesagt: Ihr wählt einen Charakter, ein Spielbrett und ab geht die Post. So weit, so bekannt. Der Unterschied zum Vorbild ist, dass ihr bei den Charakteren flexibler seid. Einerseits gibt es von Haus aus eine ziemlich große Auswahl an vorgefertigten Figuren, andererseits schaltet ihr im Laufe des Spiels weitere frei und könnt die Teile nach Belieben ändern.

Eines von vielen Minispielen.

Dann wählt ihr eine gewünschte Rundenzahl und bevor ihr euch verseht, hüpft ihr schon übers Spielbrett. Ihr verdient Geld, bekommt Items, löst Ereignisse aus und sammelt Sterne … äh … goldene Steine ein. Und zwischen den einzelnen Runden absolviert ihr eines von 60 Minispielen. Einzelne davon erinnern sehr an Mario Party, andere hingegen sind wirklich originell und man merkt, dass die Entwickler sich ein paar Gedanken gemacht haben.

Ansonsten könnt ihr auch hier euren Mitspielerinnen und Mitspielern (maximal vier können spielen) goldene Steine oder Geld klauen, Glück und Zufall spielen ebenso eine Rolle und es gibt Potenzial für Frust und Freude gleichermaßen. Ihr kennt das.

Ein anderer großer Unterschied ist, dass die Minispiele euch nicht nur mit Geld belohnen, sondern euch auch noch einen anderen Grund geben, um euch anzustrengen. Das Ergebnis eines Minispiels beeinflusst nämlich die Zugreihenfolge der nächsten Runde. Wer sich gut behauptet und regelmäßig als erster würfelt, hat womöglich Vorteile dadurch. Ebenso wird jedes Mal ein Minispiel von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gewählt - es sei denn, ihr entscheidet euch für die zufallsbasierte Option. Es gibt nämlich drei feste und die zufällige Wahlmöglichkeit.

Letztlich spielt immer das Glück eine Rolle, das gehört bei solchen Spielen mit dazu. Aber auch eine gewisse Portion Skill braucht ihr. Ihr müsst schauen, wie ihr euch am besten bewegt, was euch wo und wie weiterhelfen könnte, ob sich dies oder jenes lohnt und so weiter. Es ist nicht pures Glück, doch genauso sehr ist kein Sieg garantiert, wenn ihr sämtliche Minispiele dominiert.

Shops und Power-ups gibt es auch.

Hinzu kommt noch, dass es am Ende keine goldenen Bonussteine gibt. Ob das gut oder schlecht ist, da kann man nun geteilter Meinung sein. Für mich war es in Mario Party immer frustrierend, wenn ich im normalen Spielverlauf die meisten Sterne hatte, um dann bei den Bonussternen - die dann gegebenenfalls noch auf Zufalls- oder Glückselementen basieren - doch noch überholt zu werden. Das passiert euch hier schon mal nicht.

Minispiele und Bretter

Bei den meisten der 60 Minispiele in Lego Party tritt jeder gegen jeden an, es gibt also keine 3vs1-Optionen wie in Mario Party. 2vs2 ist vorhanden, aber nur, wenn ihr auf entsprechenden Kampffeldern auf dem Spielfeld landet. Jedes Mal könnt ihr vor dem eigentlichen Start ein bisschen üben, was ganz praktisch ist, wenn ihr zum ersten Mal spielt. Im Großen und Ganzen machen die Spiele Spaß, verursachten mitunter Gelächter und stellen manchmal auch eine Herausforderung dar. Größtenteils kommt es hierbei wirklich auf den eigenen Skill an.

Die Minispiel-Arten reichen von Rennen mit Fahrzeugen über Quiz-Fragen bis hin Plattformer-Abschnitten. Es ist eine abwechslungsreiche und insgesamt eine sehr gute Auswahl. Aber wie auch bei Mario Party wird es Minispiele geben, die man mehr mag und andere, wie man weniger mag. So ist der Lauf der Dinge in diesen Spielen.

Setzt euch gegen die anderen durch.

Was die Spielbretter anbelangt, hat Lego Party vier Stück zu bieten - nicht die größte Auswahl. Sie alle orientieren sich an Lego-Themenwelten (Weltraum, Piraten, Ninjago und ein Themenpark), aber mir fehlt zum Beispiel eine Ritter-Spielwelt. Und wie retro - aber auch cool - wäre bitte ein Aquazone-Spielbrett? Oder Spielbretter, die auf Lizenzen basieren, zu denen Lego ebenfalls Sets anbietet. Ich weiß nicht, ob da noch etwas kommt, aber ich wünschte, es wären mehr.

Nicht nur, um mehr Abwechslung zu haben, sondern auch, weil die vorhandenen Bretter so gut durchdacht sind und ich einfach gerne mehr davon hätte. Es gibt interaktive Elemente, an einzelnen Stellen könnt ihr sogar zwischen zwei Lego-Konstruktionen wählen, die dann gebaut werden und das Spielbrett vervollständigen - und dadurch leicht andere Wege oder Spielfelder bieten. Somit sind zwei Partien auf ein und demselben Brett nie zwingend identisch. Eine spannende, passende Idee. Auf dem Weltraum-Spielbrett taucht zum Beispiel irgendwann ein großes Alien auf, das mit einem Angriff droht. Ihr müsst es über spezielle Wege abwehren und verdient euch zugleich goldene Steine.

Wer redet da ständig?

Anfangs gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass das Spielgeschehen von zwei Kommentatoren begleitet wird - und die reden wirklich viel. Das kann im ersten Moment überwältigend wirken und ist durchaus witzig, wiederholt sich jedoch mit der Zeit. Umgekehrt gilt: Wenn ihr die Dialoglautstärke auf null dreht, fehlt dann gefühlt etwas, zumal eure Figuren - im Gegensatz zu den Charakteren in Mario Party - keine Geräusche oder Kommentare von sich geben.

Die Spielbretter sind schön und abwechslungsreich gestaltet.

Was Spielmodi anbelangt, präsentiert sich Lego Party ohne große Besonderheiten. Es ist auf jeden Fall weniger als bei Super Mario Party Jamboree, doch immerhin konzentriert man sich dabei auf die Kernaspekte. Ihr habt die Challenge Zones, also die Spielbretter, könnt euch jedoch genau gut an den Minispielen versuchen - sowohl mit anderen als auch alleine. Das ist okay und aus dem, was vorhanden ist, holt man auch das Beste heraus.

Obendrein überzeugt Lego Party mit seiner Produktionsqualität. Die Spielbretter und Figuren sind detailliert gestaltet, alles klappt wie am Schnürchen und wirkt nicht wie ein billig produzierter Mario Party-Klon. Im Gegenteil, dahinter steckt Mühe und Liebe, was man merkt.

Lego Party - Fazit

Letzten Endes bleibt bei mir allerdings der gleiche Wunsch wie bei einem Mario Party: gebt mir mehr Spielbretter! Vielleicht wird dieser Wunsch ja hier erfüllt, mal sehen. Ansonsten ist Lego Party eine wirklich sehr kompetente Multi-Plattform-Alternative zu Nintendos Partyspiel und definitiv das Beste, was ihr als Ersatz auf PC, Xbox und PlayStation bekommen könnt. Wer immer schon neidisch zu Nintendos Konsolen geschielt hat und es mit Freundinnen und Freunden spielen möchte, kann bedenkenlos zugreifen - erst recht zum Preis von 40 Euro. Und wenn ihr das jüngste Mario Party auf der Switch schon zur Genüge gespielt habt, ist hier ein gleichermaßen toller Ersatz dafür. Es übertrumpft Nintendos Spiel nicht (außer bei der Individualisierung der Charaktere), aber es erreicht dasselbe Niveau.

Lego Party PROCONTRA
  • Schön umgesetzte Spielbretter
  • Zahlreiche Minifiguren und Minifigur-Teile zur Individualisierung
  • Gameplay funktioniert sehr gut, Glück ist kein zu großer Faktor
  • Sehr gute Auswahl an Minispielen
  • Kommentatoren sind mitunter überwältigend, irgendwann wiederholen sie sich
  • Könnten gerne noch mehr Spielbretter sein