Leaf Blower Co. im Test: Diese Laubbläser-Sim ist mein GOTY
Es gibt praktisch nichts, was nicht irgendwann zum Simulator wird. Dönerbuden, Tankstellen, Supermärkte – alles wurde schon digital nachgebaut. Und jetzt ist auch der Laubbläser dran. Allerdings heißt das Spiel nicht Leaf Blower Simulator, sondern Leaf Blower Co. – und das hat einen einfachen Grund: Hier geht es nicht bloß um das gedankenlose Wegpusten von Blättern, sondern um eine vollständige Garten-Aufräum-Ich-AG. Ihr bedient also nicht nur den allseits beliebten Laubbläser, sondern ein kleines Arsenal an Gerätschaften, mit denen ihr Gärten, Einfahrten und Höfe auf Vordermann bringt.
Wie bei allen Simulatoren, die Tätigkeiten nachbilden, die im echten Leben niemand freiwillig übernimmt, stellt sich auch hier die Frage: Warum spielt man so etwas? Aber anscheinend gibt es dafür einen Markt – und der Markt regelt bekanntlich. In Leaf Blower Co. startet ihr ein kleines Dienstleistungsunternehmen direkt aus eurer Garage. Der Job: Gärten aufräumen. Nicht pflanzen, nicht gießen, kein Zen-Gartenbau – sondern harte, monotone Ordnungsliebe. Laub entfernen, Unkraut beseitigen, umgekippte Stühle aufstellen. Kurz: all die Aufgaben, die man im echten Leben gern vor sich herschiebt.
Was ich schade finde: Die ganzen Geräte klingen viel zu brav. Ein echter Laubbläser erreicht nach drei Sekunden einen Lärmpegel, der selbst Pazifisten an ihrer Lebensphilosophie zweifeln lässt – hier ist alles so gedämpft, als würde man mit AirPods Pro 3 im Adaptiv-Modus spielen. Im Hintergrund läuft Easy-Jazz, der original wie 90er-Fahrstuhlmusik klingt. Ehrlich gesagt: Der Soundtrack hat mir besser gefallen als das Spiel. Perfekt für ein neues Everybody’s Golf!
In jedem Einkaufszentrum sollte es ein Geschäft für Mülltonnen-Skins geben. (Leaf Blower Co. Test)Krasse Early-Access-Vibes
Die ersten Minuten haben mich überrascht – motivierend, fast schon hypnotisch. Laub mit dem Bläser von A nach B pusten, nebenbei ein paar Krähen verscheuchen … oder Raben? Ich kann die beiden nicht auseinanderhalten. Dann Unkraut wegbrennen, Ventilatoren und Windräder aufstellen, damit das Laub wie von selbst in die richtige Richtung trudelt, zwischendurch den prall gefüllten Sack leeren – und plötzlich entsteht ein seltsam beruhigender, fast meditativ wirkender Loop. Allerdings nur für etwa 15 Minuten. Danach zeigt Leaf Blower Co. recht schnell und deutlich, wo die Schwächen liegen.
Alles in Leaf Blower Co. wirkt halbgar, hakelig und irgendwie unfertig. Richtig wahnsinnig gemacht hat mich vor allem, dass ich manche Tasks nicht abschließen konnte, weil angeblich noch ein Blatt fehlte – ein Blatt, das zwar auf dem Radar angezeigt wurde, aber nirgends sichtbar war. Und ja: Allein die Tatsache, dass man in einem Laubbläser-Spiel ein Radar braucht, ist schon absurd genug. Das eigentliche Problem ist aber, dass Laub manchmal schlicht verschwindet oder unsichtbar wird – sei es durch Grafikfehler, Clipping oder was auch immer. Offenbar wissen die Entwickler selbst, dass das System wackelt, denn im Pausenmenü gibt es die Option „Hilfe, ein Blatt steckt fest“.
Diese Szene zeigt nur eines der vielen Highlights. (Leaf Blower Co. Test)Die Suche nach den letzten welken Blättern gehört zwar zur Spielmechanik, wird aber schnell zum Ärgernis, wenn man nie sicher sein kann, ob man wirklich etwas übersehen hat – oder ob das Restlaub wegen eines technischen Fehlers schlicht unsichtbar ist. Doch das Grundproblem liegt ganz woanders: Laubblasen ist weder anspruchsvoll noch besonders unterhaltsam. Deshalb packt das Spiel neben dem Laubbläser auch Laubsauger, Rechen, Äxte, Unkrautbrenner und anderes Gerät in euren Werkzeugkasten. Und sobald man den Laubsauger freigeschaltet hat, ist der Laubbläser praktisch obsolet – denn warum sollte man mühsam Blätter von A nach B pusten, wenn man sie einfach aufsaugen kann?
Wenn Entspannung in Langeweile mündet
Und weil auch das Laubsaugen kein Festival der Unterhaltung ist, verteilt das Spiel allerlei Nebenaufgaben: Wespennester entfernen, Unkraut abfackeln, Vögel verscheuchen, Wände besprühen – nichts davon spannend, nichts davon fordernd. Die Entwickler versuchen zwar, das monotone Grund-Gameplay mit diversen Spezial-Gadgets aufzubrezeln, aber der Zusatzkram zündet nicht wirklich. Ihr könnt zum Beispiel einen Magneten platzieren, der die Blätter magisch anzieht. Dazu kommen Ventilatoren, mit denen ihr das Laub in eine bestimmte Richtung lenkt, kleine Windrädchen, die für minimalen Luftstrom sorgen, oder eine metallene Walze, die durch die Blätter pflügt.
Leaf Blower Co. — Steam Next Fest Trailer Der Trailer ist wirklich gelungen und kaschiert die Mängel sehr gut. (Leaf Blower Co. Test)Auf YouTube ansehenDas hätte tatsächlich Potenzial für cleveres, sogar anspruchsvolles Puzzle-Gameplay: Ventilatoren strategisch platzieren, Luftströme wie Fließbänder nutzen, Magnete aktivieren, um Blätter gezielt an bestimmte Punkte zu ziehen – das ganze Programm. Aber Pustekuchen. Die Bedienung der Gadgets ist umständlich, ihre Wirkung zu schwach, und am Ende stellt man fest: Es ist schneller und weniger frustrierend, das Laub einfach ganz normal wegzublasen oder aufzusaugen. Vielleicht steckt da ja sogar eine unbeabsichtigte Lebensweisheit drin – so in der Art: „Echte Gewinner brauchen keine Tricks, um erfolgreich zu sein.“
Finde die XP-Eichel
Zwischendurch lasst ihr das Laub komplett links liegen und sollt stattdessen Pakete, Bälle oder anderen Kram mit dem Bläser manipulieren. Spielerisch läuft das aber immer aufs Gleiche hinaus, und es spielt auch keine Rolle, ob ihr euch auf einem Hausdach, auf dem Rasen oder auf Asphalt befindet – der Untergrund scheint keinerlei Einfluss auf das Verhalten der Blätter zu haben. Nur bei Regen wirkt es so, als hätte das Laub tatsächlich mehr Gewicht oder würde sich zumindest anders bewegen.
Auch schwere Pakete lassen sich mit dem Laubbläser ganz easy manipulieren. (Leaf Blower Co. Test)Zum Lachen gebracht haben mich vor allem die Sammelgegenstände. Die Levels sind weder groß noch komplex, und entsprechend springen euch riesige XP-Eicheln und Münzen schon aus 20 Metern Entfernung ins Gesicht – so gut versteckt wie ein Elefant hinter einer Gardine. Und wenn wir schon bei lächerlichen Dingen sind: Warum sollte ich bitte verschiedenfarbige Skins für Mülltonnen kaufen?
Und hübsch ist das Spiel auch nicht, trotzdem läuft es erstaunlich unrund. Besonders irritierend: Bei jedem Szenenwechsel braucht die Engine ein bis zwei Sekunden, bis das Bild endlich steht und alle Objekte geladen sind. Und dann gibt es da dieses Einkaufszentrum – das trostloseste, das ich je in einem Spiel gesehen habe. Dort erwarten euch mehrere halbleere Läden: einer für Kopfbedeckungen, einer für Werkzeuge, einer für die bereits erwähnten Mülltonnen-Skins und so weiter. Warum man das künstlich auf mehrere hässliche Shops aufgeteilt hat, statt einen einzigen, halbwegs ansehnliches Geschäft zu bauen, bleibt ein Rätsel. Meine Vermutung: Die Entwickler wollten unbedingt ihre witzigen Namen für Shops unterbringen: „Bin there, done that“ für den Mülltonnen-Skins-Shop, „Blow and Behold“ für den Werkzeugladen und, last but not least, „Hattitude Adjustment“ für den tristen Hutladen.
Endlich kann ich mit einem Laubbläser Melodien spielen. (Leaf Blower Co. Test)Leaf Blower Co. – Fazit
Dass dieses Spiel überhaupt existiert, werte ich als weiteres Indiz dafür, dass wir als Spezies unseren Zenit längst überschritten haben und es vielleicht Zeit wäre, die Herrschaft über diesen Planeten an eine etwas smartere Lebensform zu übergeben. Und das sage ich als jemand, der skurrilen Nischentiteln durchaus etwas abgewinnen kann. Aber als ich nach gut drei Stunden durch war, dachte ich nicht: „Was, schon vorbei?“, sondern: „Das Leid hat ein Ende, gelobet sei der Herr!“ Für unersättliche Laubbläser-Junkies gibt es zwar noch einen Free-Play-Modus – doch ganz ehrlich: Warum sollte man das freiwillig spielen? Selbst der Döner-Simulator verlangt mehr Skills als Leaf Blower Co.
Dieses Spiel ist weder unterhaltsam noch herausfordernd, sondern schlicht beschäftigend. Wäre es ein Early-Access-Kandidat in einem frühen Entwicklungsstadium, könnte man vieles verzeihen. Aber dieses unfertig wirkende und erstaunlich monotone Werk wird als „fertig“ verkauft und kostet aktuell knapp 15 Euro. Meine Empfehlung: Spart euch das Geld – und lest lieber unseren kostenlosen Artikel über Simulatoren, die es (zum Glück) noch gar nicht gibt.
Leaf Blower Co. PROCONTRA- Sehr einsteigerfreundlich
- Netter Easy-Jazz-Soundtrack
- Wirkt wie ein unfertiger Early-Access-Titel
- Gameplay ist extrem simpel und monoton
- Bugs und technische Probleme
- Schwache Präsentation









