Kritik an Square Enix: Einer der größten Aktionäre fordert grundlegende Neubewertung der Zukunftspläne
Einer der größten Aktionäre von Square Enix hat ein 100-seitiges Dokument veröffentlicht, in dem das Unternehmen aufgrund seiner schlechten Verkaufszahlen kritisiert und zu einer "grundlegenden Neubewertung des mittelfristigen Managementplans" aufgefordert wird.
3D Investment Partners ist der drittgrößte Anteilseigner von Square Enix und besitzt einen Anteil von 14,36 Prozent, den das Unternehmen seit April aufgebaut hat. Nun ist die in Singapur ansässige Investmentfirma mit ihrer Kritik an die Öffentlichkeit gegangen, nachdem sie Berichten zufolge unzufrieden mit der Reaktion von Square-Enix-CEO Takashi Kiryu auf ihre Analyse im Oktober war (via Automaton).
Der Bericht erklärt, Square Enix sei ein "herausragender japanischer Spieleentwickler", der "weltweit bekannte Spielreihen" wie Final Fantasy und Dragon Quest besitze. Dennoch sei eine "signifikante Verschlechterung der Ertragskraft" zu beobachten, und die Investmentfirma ist der Ansicht, dass der aktuelle Managementplan nicht ausreichend sei, um das Unternehmen wiederzubeleben.
Dieser Managementplan wurde von Square Enix im vergangenen Jahr vorgestellt, als angekündigt wurde, man wolle seine Spiele künftig "aggressiv" als Multi-Plattform-Titel veröffentlichen, um "Einnahmemöglichkeiten zu diversifizieren", nachdem das Entwicklungssystem überprüft und Projekte im Wert von circa 128 Millionen Euro eingestellt worden waren.
3D Investment Partners argumentiert, dass die Gewinnmargen von Square Enix stagnieren. Der Umsatz mit Spielen sei zurückgegangen und die Margen hätten sich verschlechtert. Dies führt der Investor unter anderem auf Plattformexklusivität, eine schlechte Umsatzrendite von Marketingausgaben, niedrige Verkäufe älterer Titel sowie überhöhte Entwicklungskosten zurück.
Das Dokument bemüht sich zudem sehr um den Vergleich zwischen Square Enix und wichtigen japanischen Konkurrenten wie Capcom und Konami, um dessen mangelnden Erfolg hervorzuheben. Zudem wird behauptet, Square Enix sei zu stark vom japanischen Heimatmarkt abhängig und scheitere daran, im Ausland zu wachsen.
Es ist jedoch anzumerken, dass Square Enix bereits begonnen hat, einige dieser Kritikpunkte anzugehen – Final Fantasy 16 erschien in diesem Jahr nach einer Phase der PlayStation-Exklusivität auch für Xbox, und die Final Fantasy 7 Remake-Trilogie wird künftig sowohl auf Xbox als auch auf der Switch 2 veröffentlicht.
Darüber hinaus handelt es sich bei 3D Investment Partners um einen aktivistischen Investor, der offenbar darauf abzielt, externe Unterstützung zu mobilisieren. Abgesehen davon, strategische Schwächen von Square Enix hervorzuheben, liefert der Bericht jedoch wenig konkrete Ratschläge und scheint eher darauf ausgerichtet zu sein, Kiryu als CEO abzulösen. Es ist unklar, woher die im Bericht verwendeten Verkaufszahlen stammen, während negative Meinungen zu Spielen wie Dragon Quest 3 HD-2D Remake (das definitiv erfolgreich war) und Final Fantasy 16 (das eine beträchtliche Fangemeinde hat) offenbar gezielt aus Metacritic gezogen wurden, um harsche Kritik hervorzuheben.
Dennoch behauptet die Investmentfirma, die aktuelle "Reboot"-Strategie von Square Enix rechtfertige die schwachen Ergebnisse und versäume es, "eine zukunftsorientierte Vision zu vermitteln". Darüber hinaus wird ein "Mangel an Synergie mit nicht-Spielbereichen" hervorgehoben. Die Crossmedia-Strategie mit Filmen, Anime und anderen Formaten hinke hinterher, ebenso wie der Merchandise-Verkauf. Auch das Arcade- und Manga-Publishing-Geschäft von Square Enix soll deutlich unter den Erwartungen liegen.
Der Bericht erscheint zu einem entscheidenden Zeitpunkt für Square Enix. Das Unternehmen gab im vergangenen Jahr zu, dass sowohl Final Fantasy 16 als auch Final Fantasy 7 Rebirth zunächst hinter den Verkaufserwartungen zurückblieben. Der Geschäftsbericht im Mai dieses Jahres zeigte einen Rückgang der Verkaufszahlen für Einzelspieler-Spiele im Jahresvergleich, obwohl der Gewinn aufgrund starker Verkäufe von Dragon Quest 3 HD-2D Remake gestiegen war.
Im November kündigte Square Enix schließlich an, dass generative KI bis 2027 rund 70 Prozent der Qualitätssicherung übernehmen solle. Diese Ankündigung erfolgte parallel zu umfangreichen Entlassungen, da der "grundlegende Restrukturierungsplan" des Unternehmens Ressourcen aus der "ausländischen" Entwicklung abzog. Eine unbekannte Anzahl von US-Mitarbeitern ist gefährdet, und Berichten zufolge sind in Großbritannien 137 Arbeitsplätze bedroht.









