Die Saga rund um Subnautica 2, Unknown Worlds und den Publisher Krafton geht weiter. In neuen Dokumenten, die von den ehemaligen Studioleitern eingereicht wurden, heißt es, Kraftons CEO habe nach jeder denkbaren Möglichkeit gesucht, um eine Bonuszahlung an die Entwickler zu vermeiden.

Zur Erinnerung: Krafton hatte die Veröffentlichung von Subnautica 2 zunächst von diesem Jahr auf 2026 verschoben. Kurz davor entfernte Krafton zentrale Mitglieder des Entwicklungs- und Führungsteams von Unknown Worlds, darunter Charlie Cleveland, der beim ursprünglichen Subnautica als Game Director fungiert hatte.

Krafton sagte gegenüber Eurogamer, die Entscheidung, den Early-Access-Release von Subnautica 2 auf 2026 zu verschieben, sei schon vor den Führungswechseln bei Unknown Worlds "im Gespräch" gewesen. Außerdem habe das Feedback aus Playtests einige Bereiche aufgezeigt, die vor der Veröffentlichung von weiterer Verfeinerung profitieren könnten. Zu diesem Zeitpunkt behauptete Krafton, die Verschiebung habe nichts mit einem angeblich vereinbarten Bonus für das Subnautica 2-Team zu tun, der bei Erreichen zuvor festgelegter Umsatzziele fällig geworden wäre.

Nach seiner Entlassung teilte Cleveland jedoch auf Reddit eine Stellungnahme, in der er die jüngsten Ereignisse als "ziemlichen Schock" bezeichnete. Cleveland fügte hinzu, Subnautica 2 sei in Wahrheit bereit für seinen Early-Access-Start gewesen, ungeachtet dessen, was Krafton behauptet hatte. Der ehemalige Kopf von Unknown Worlds kündigte gemeinsam mit den anderen entlassenen Führungskräften anschließend rechtliche Schritte gegen Krafton an, nachdem der Publisher eine Erklärung veröffentlicht hatte, in der die Ex-Mitarbeiter beschuldigt wurden, das Unterwasser-Survival-Sequel "im Stich gelassen" zu haben. Einige Tage später erklärte Krafton, man freue sich darauf, sich vor Gericht zu verteidigen.

Damit sind wir beim heutigen Stand und den erwähnten neuen Dokumenten. Laut dem Dokument, das von GameDeveloper hochgeladen wurde, behaupten die entlassenen Führungskräfte, Krafton und sein CEO Changham Kim hätten nur deshalb die Übernahme des Studios eingeleitet, weil sie sich in den Verhandlungen über Bonuszahlungen sowohl für die Studiogründer als auch für das Team von Unknown Worlds nicht hatten einschüchtern lassen.

Image credit: Unknown Worlds

"Kim, der bereits besorgt darüber war, dass Krafton zu viel für die Übernahme von Unknown Worlds gezahlt hatte, befürchtete, dass jede Earnout-Zahlung an die Gründer ihm den Ruf eines Schwächlings einbringen und seine Position als CEO gefährden würde", heißt es in dem Schriftsatz.

"Verzweifelt darauf bedacht, eine solche berufliche Blamage zu vermeiden, fixierte sich Kim darauf, irgendeinen Weg zu finden, um Kraftons Verpflichtung zur Earnout-Zahlung zu umgehen."

In dem Schriftsatz enthaltene Slack-Nachrichten zeigen außerdem einen Austausch zwischen Kim und dem neu ernannten CFO von Unknown Worlds, Richard Yoon, in dem die Idee einer möglichen Übernahme herumgereicht wird. Als es um die Auszahlung ging, schrieb Yoon: "Es könnte einfacher sein, einfach zu übernehmen …"

Zusätzlich behauptet man, Kim habe sogar das KI-Tool ChatGPT konsultiert, um einen Weg zu finden, die Bonuszahlung zu umgehen, nachdem Maria Park, Kraftons Leiterin der Unternehmensentwicklung, dem CEO gesagt hatte, dass das Unternehmen den Earnout höchstwahrscheinlich zahlen müsse, falls die Verkaufsziele erreicht würden. Dies gelte "unabhängig von einer Kündigung aus wichtigem Grund", wie es in dem Schriftsatz heißt.

Allerdings will man auch erfahren haben, dass ChatGPT Krafton darauf hingewiesen habe, es wäre "schwierig, den Earnout zu annullieren", sofern die Ziele erreicht seien. Daher sei Kraftons Lösung gewesen, den Early-Access-Release von Subnautica 2 über das Zeitfenster des Earnouts hinaus zu verschieben. Eine Fußnote in dem Schriftsatz besagt, Krafton habe die ChatGPT-Unterhaltungen nicht vorgelegt und "auf Nachfrage bestätigt, dass sie nicht mehr existieren".

Eurogamer hat Krafton um eine Stellungnahme zu diesen Anschuldigungen gebeten.