Ach, sieh mal an. Nachdem wir in den vergangenen Jahren schon mit Blick auf Death Stranding mehrfach feststellten, dass Kojima sich Stück für Stück Elemente von dem zurückholt, was er bei Konami lassen musste - siehe hier zum Beispiel - macht er auch abseits von Metal Gear fleißig weiter. Wie es aussieht, entwickelt Kojima Productions mit OD - Knock viele der Ideen weiter, die man einst für den legendären "spielbaren Teaser" - "P.T." - zur angedachten Silent-Hill-Fortsetzung ergründete. Ein Spiel, das mit dem Rauswurf Kojimas bei Konami eingestellt wurde.

Das bedeutet: Surrealer Horror aus der ersten Person, der viel mit Wahrnehmung in einer nahezu fotorealistischen Wohnung spielt. P.T. war so gruselig und schockierend, dass es vielen bis heute in den Knochen sitzt, weshalb das tatsächlich eine gute Nachricht ist. Ich möchte sogar sagen, eine herausragende, denn wie lange weinen wir schon PT hinterher?

Freches Timing für Neues zum Quasi-PT-Nachfolger?

Klar, das Timing für die Veröffentlichung dieses Teasers ist pikant: Zwei Tage, bevor das ausgezeichnete Silent Hill f in den Läden steht, mit dem Konami auf eine Weise die Kurve bekommen hat, wie ich es zum Zeitpunkt von Kojimas Entlassung niemals zu hoffen gewagt hätte... das ist ein schon ein frecher Move. Es wirkt ein bisschen, als wollte da jemand sagen, "schaut her, was ihr verpasst habt". Was natürlich Quatsch ist, denn eigentlich zelebrierte der Kojima Productions Livestream mit seinen Ankündigungen ja das zehnjährige Bestehen von Kojima Productions.

Unreal Engine 5 diesmal. Macht Sinn, denn bei OD hilft Microsoft, wohingegen Death Stranding 2 und Physint mithilfe von Sony und deren Decima-Engine umgesetzt wurden und werden.

Die Parallelen ODs zu P.T. sind alles andere als subtil. Schwere Holztüren, deren Maserung und Lackunebenheiten man gedanklich mit den Fingern nachzeichnen möchte, Regen, der an die Fenster prasselt, Interaktionen mit Alltagsgegenständen aus nächster Nähe, kryptische Botschaften, kein HUD. Fotos von Augäpfeln, die plötzlich die Blickrichtung verändern, Babygeschrei von überall und nirgendwo zugleich und eine allgemein unwirkliche Atmosphäre, die so hart mit der absolut überzeugend real wirkenden Umgebung clasht, dass es einem in den Ohren klingelt...

Und natürlich setzt auch OD, wie PT einst die Bromance zwischen Kojima und Norman Reedus einläutete, wieder auf reale Schauspieler: Sophia Lillis, Udo Kier und Hunter Schafer sind keine Unbekannten. Ich muss sagen, mir ist ein bisschen zum Feiern zumute, obwohl ich keine Ahnung habe, wie ich einen Horrortrip wie PT ein zweites Mal überstehen soll.

Wird OD ein langes, abendfüllendes Spiel oder ein eher kurzes Erlebnis?

Diese Spiele-Einstellung tat weh - jetzt hilft sie Kojima

Die Entfernung von PT nicht nur aus dem Store, sondern auch von vielen Konsolen, die es bereits einmal hatten - einmal gelöscht konnte man es nicht erneut herunterladen! - empfanden viele als Skandal und wurde vielerorts als Zeichen für die Verwundbarkeit von Videospielen als digitales Kulturgut verstanden. Außerdem wurde das kurze Spiel so zu einer Legende, PS4-Geräte, die noch eine Version auf der Platte haben, gelten mittlerweile als Kostbarkeit.

Jetzt bleibt nur die Frage, wie lange wir noch auf OD warten müssen? PT wurde seinerzeit parallel zu MGS5 entwickelt und war zwar kurz, aber durchaus aufwändig. Gut zwei Stunden konnte man darin verbringen, mehr, wenn man die nebulösen Rätsel nicht schnell genug löste. Welchen Umfang OD Knock nun haben wird oder muss, ist bislang nicht klar. Zumal wir nichtmal wissen, in welcher Form es erscheint. Angeblich arbeitet ja auch Jordan Peele (Get Out) an "einem Teil der OD-Experience", was zusammen mit dem Untertitel "Knock" darauf hindeuten könnte, dass es mehrere Teile - eventuell sogar über verschiedene Medien hinweg sein könnten?

Wow.

Was auch immer passiert: Schön, dass wir endlich Neues zu Kojima-Werken hören, die nicht Death Stranding sind. Man kann über ihn sagen, was man will: Er beweist ein uns andere Mal ein offenes Ohr für die Wünsche seiner Fans, und das, obwohl er Spiele macht, wie sie nur von ihm kommen können, sein Stil unverkennbar ist. Ich bin nicht sicher, ob es noch jemanden gibt, der wie er dermaßen sein Ding macht und trotzdem seinen Anhängern mit hoher Zuverlässigkeit zu gefallen weiß. Zwischen Kojima und seinem Publikum besteht offenbar ein ganz besonderes Band. Nicht umsonst ließ er 2015, mit einem Fuß zur Konami-Tür raus, Big Boss an alle Spielenden sagen: "We built it. This story - this "legend" - it's ours. We can change the world - and with it, the future. I am you, and you are me."