Kirby Air Riders ist weder Kirby Kart noch klassisches Kirby - aber was ist es dann?
Kirby Air Riders zu beschreiben und - nach vielleicht 30 Minuten Gameplay auf der gamescom - einzuschätzen, ist nicht gerade leicht. Erst einmal muss man verstehen, was es genau ist. Definitiv kein klassisches Kirby-Spiel. Und ebenso wenig eine Art Mario Kart mit Kirby-Anstrich. Nein, Kirby Air Riders macht sein ganz eigenes Ding, irgendwo zwischen einem Rennspiel und Super Smash Bros - was nicht weiter verwundert, schließlich ist Masahiro Sakurai dafür verantwortlich. Es ist ein Spiel, in dem man sich erst einmal zurechtfinden muss.
Nicht umsonst wurde mir beim Anspielen bei Nintendo angeraten, zuerst einmal um die zwölf verschiedene Tutorial-Passagen zu spielen, um mich mit der grundsätzlichen Steuerung vertraut zu machen. Soweit ich das mitbekommen habe, unterscheidet sich die nicht so bedeutend vom GameCube-Spiel Kirby Air Ride, das ich jedoch nicht gespielt habe. Und vielen anderen dürfte es genau so gehen. Und da fängt es schon an. Kirby Air Riders ist in dem Sinne kein klassisches Rennspiel, da ihr keine Taste zum Beschleunigen drücken müsst, denn ihr fahrt automatisch. Klingt einfach, doch ihr müsst dafür andere Dinge berücksichtigen. Zum Beispiel, richtig durch Kurven zu driften, um einen Boost zu erhalten. Oder bei einem Sprung euer Vehikel so zu balancieren, dass ihr gerade auf dem Boden landet - um wiederum einen Boost zu erhalten. Wenn ihr einfach nur automatisch fahrt, gewinnt ihr nämlich keinen Blumentopf.
Das Herzstück des Spiels
Es ist keine unangenehm schwere Lernkurve, aber bis man alles verinnerlicht hat und inmitten der Action auch daran denkt, vergehen ein paar Minuten. Zumal ihr Kirby-typisch auch Gegner einsaugen könnt, was für Rennspiele doch eher einzigartig ist. Außerdem führt ihr Wirbelattacken durch und schleudert eingesaugte Feinde auf andere. So könnt ihr dann über Rennstrecken und versuchen, euch gegenseitig mit Boosts und Attacken auszustechen. Im Grunde gilt, hier möglichst jede Gelegenheit, die sich bietet, effektiv zu nutzen, um daraus einen Vorteil zu ziehen.
Das Herzstück von Kirby Air Riders ist das aber nicht, das ist vielmehr City Trial. Dieser Modus besteht aus zwei Phasen, auf der gamescom spielte ich gegen drei menschliche Konkurrenten und der Rest wurde von Bots aufgefüllt. Zuerst einmal geht es darum, mehrere Minuten lang auf der Insel Celestia so viele Power-ups wie möglich einzusammeln. Darüber hinaus wechselt ihr per Tastendruck zu einem anderen Fahrzeug, das in der Gegend herumstehen kann. All das wirkt sich auf Aspekte wie die Geschwindigkeit, Angriffsstärke, Verteidigung und so weiter aus.
In Kirby Air Riders teilt ihr auch ordentlich aus.Am Ende dieses Vorgeplänkels folgt schließlich eine Abstimmung darüber, welche Art von finalem Minispiel nun folgen soll. Durch das Sammeln der verschiedenen Power-ups müsst ihr euch also bestmöglich darauf vorbereiten, was danach folgen könnte. Was ihr natürlich vorher nicht wisst, also besteht ein gewisses Risiko, dass ihr euch auf einen Bereich spezialisiert, der euch letztlich gar nicht so viel bringt. Die Aufgaben in den Minispielen reichen dann von möglichst weiten Sprüngen über ein Derby, in dem ihr euch gegenseitig abschießen müsst, bis hin zu einem Spiel, in dem es darum geht, so viel Essen wie möglich zu verputzen - quasi Kirbys Spezialität.
Im Vergleich zu dieser Sammelphase, die fünf Minuten dauert, sind die Minispiele recht schnell vorbei. Inwieweit sich das womöglich anpassen lässt, um die Vorbereitung etwas zu verkürzen, bleibt abzuwarten. Je nach eingesammeltem Upgrade rast ihr in einem enormen Tempo durch die Gegend, dagegen fühlt sich ein Mario Kart World regelrecht langsam an. Mitunter kann das jedoch zu überwältigend sein und ihr verliert kurzzeitig den Überblick. Umso besser, dass es nicht möglich ist, über die Levelgrenze hinweg ins Jenseits zu fliegen, das wäre mir sonst mehrfach passiert. Hier müsst ihr dann lernen, in den richtigen Momenten abzubremsen, da euer Gefährt automatisch beschleunigt.
Anfangs überwältigend
Überwältigend ist überhaupt ein gutes Stichwort. Dieses Gefühl dürfte Kirby Air Riders vermutlich bei vielen auslösen, wenn man es das erste Mal spielt. Erst recht, wenn man sich zuvor nicht mit den Basics beschäftigt. Das war bei mir zwar alles noch “learning by doing” während des Anspielens auf der gamescom, Spielspaß kam aber definitiv auf - und einmal holte ich mir den Sieg. Besonders bei den Modi, in denen ihr euch bekämpft, um den Sieger auszumachen, kommt aufgrund der verschiedenen Fähigkeiten und Upgrade ein bisschen Smash Bros-Feeling auf - was außerdem daran liegt, dass die Benutzeroberfläche des Spiels gewisse Ähnlichkeiten aufweist - auch manche Sounds klingen gefühlt identisch.
Ihr beschleunigt zwar automatisch, aber das allein hilft euch nicht enorm weiter.Inwieweit Kirby Air Riders das Potenzial hat, langfristig für Begeisterung zu sorgen - und ob es genügend Abwechslung bietet -, lässt sich derzeit jedoch nur schwer sagen. Bei den Charakteren habt ihr auf jeden Fall einige Figuren, die ihr vielleicht nicht erwartet, darunter Susi aus Planet Robobot. Doch es ist schön, eine größere Auswahl zu haben. Ich finde, diese Eigenständigkeit ist es am Ende, die Kirby Air Riders auszeichnet. Hätte wirklich jemand einen Mario Kart-Klon gewollt?So steht das Spiel eigenständig für sich, obendrein sieht es wirklich schick aus und überzeugt bisher ebenfalls mit seiner stimmigen Soundkulisse.
Wie gesagt, das Anspielen hat Spaß gemacht, aber grundsätzlich ist das Spielgefühl von Kirby Air Riders nicht ganz einfach zu vermitteln. Ich bin gespannt, ob Nintendo eine Demo dazu veröffentlicht, damit es jeder für sich selbst herausfinden kann. Ansonsten müsst ihr noch bis zum 20. November 2025 warten, bis das Spiel für die Nintendo Switch 2 erscheint.









