Der britische Premierminister Keir Starmer hat sich im Unterhaus zu den Entlassungen von 31 Beschäftigten beim GTA-Entwickler Rockstar Games geäußert – und spricht von einem „zutiefst besorgniserregenden Fall“. Zugleich kündigte er an, dass Minister den Vorgang prüfen und den zuständigen Abgeordneten auf dem Laufenden halten werden.

Hintergrund: Ende Oktober hatte Rockstar 31 Angestellte in Großbritannien vor die Tür gesetzt. Gewerkschafter werfen dem Studio seitdem Union Busting vor, also das gezielte Zerschlagen gewerkschaftlicher Organisation. Rockstar selbst weist das zurück und argumentiert, die Betroffenen seien wegen „groben Fehlverhaltens“ entlassen worden. Die unabhängige Gewerkschaft Independent Workers’ Union of Great Britain (IWGB) hat inzwischen eine Klage gegen Rockstar eingereicht und betont, dass alle Entlassenen Gewerkschaftsmitglieder gewesen seien. Parallel dazu unterschrieben über 200 Beschäftigte von Rockstar North einen offenen Brief, in dem sie die Entlassungen verurteilen.

Im Parlament brachte nun Chris Murray, Abgeordneter für Edinburgh East und Musselburgh, den Fall erneut auf die Agenda. Er fragte Starmer, ob er zustimme, dass Unternehmen „unabhängig von ihrer Gewinnhöhe“ das britische Arbeitsrecht einzuhalten hätten und dass alle Beschäftigten das Recht hätten, einer Gewerkschaft beizutreten. Starmer antwortete: „Es ist ein zutiefst besorgniserregender Fall. Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer hat das Recht, einer Gewerkschaft beizutreten, und wir sind entschlossen, Arbeitnehmerrechte zu stärken und sicherzustellen, dass niemand wegen seiner Gewerkschaftszugehörigkeit unfair behandelt wird.“ Die zuständigen Minister würden sich den Fall ansehen und Murray informiert halten, so der Premier.

Weitreichende Konsequenzen

Murray hatte sich bereits zuvor mit der IWGB zu den Entlassungen ausgetauscht und beschreibt die Folgen drastisch: Viele Betroffene hätten ihre komplette Lebensgrundlage verloren, gemeinsam brächten sie es auf rund 200 Dienstjahre bei Rockstar. Einige mussten demnach sogar das Land verlassen, weil ihnen mit dem Job auch der Visasponsor weggebrochen ist.

Auch ein Treffen mit Rockstar selbst konnte Murray nicht beruhigen. Zu Beginn seien die anwesenden Abgeordneten nach seinen Angaben nur unter der Bedingung eingelassen worden, eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) zu unterschreiben – eine Forderung, von der Rockstar erst nach Protesten abrückte. Inhaltlich wuchs Murrays Skepsis weiter: Er sei nicht überzeugt, dass das Verfahren den Anforderungen des britischen Arbeitsrechts wirklich standgehalten habe, und habe den Eindruck gewonnen, dass die Entlassungen nicht zwingend notwendig waren. „Alarmierenderweise bin ich aus dem Gespräch nicht mit einem klaren Bild herausgegangen, was diese 31 Personen konkret getan haben sollen, um eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen“, so der Abgeordnete.

Während die juristische Auseinandersetzung zwischen IWGB und Rockstar weiterläuft, steht das Studio zusätzlich unter Druck, weil es den Release von GTA 6 jüngst verschoben hat. Statt wie ursprünglich geplant im Mai soll das Spiel nun im November erscheinen. Publisher Take-Two begründet die Verzögerung damit, Rockstar „zusätzliche Zeit“ geben zu wollen, um den Titel mit dem Maß an Feinschliff zu liefern, das Spielerinnen und Spieler erwarteten und verdienten. Man stehe „voll hinter Rockstar“ und sei überzeugt, dass das Studio ein „blockbuster entertainment experience“ abliefern werde.